Lokalsport

Ein heimatverbundener Vegetarier, der Urlaub braucht

Drei Siege bei vier Finalteilnahmen und im vergangenen Jahr zum besten Spieler des Turniers gewählt: Heiko Blocher (25) vom TSV Jesingen ist der erfolgreichste Teckboten-Pokal-Teilnehmer in den vergangenen vier Jahren. Doch auch abseits des Fußballplatzes sorgt der gebürtige Dettinger für Furore.

PETER EIDEMÜLLER

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KIRCHHEIM Sein persönlich schönster Sieg beim traditionsreichen Teckboten-Pokal-Turnier war der erste im Jahr 2001. "Weil er so überraschend war", sagt er. Damals

O:17070503.JP_ noch im Dress der SF Dettingen schlugen Blocher und Kollegen im Holzmadener Brühl den TSV Ötlingen mit 2:0 es sollte der letzte Auftritt des Heiko Blocher für seinen Heimatverein sein, zur Saison 2001/02 wechselte er zum Bezirksligisten TSV Jesingen. Ein Schritt, der sich lohnen sollte: Der seit zehn Jahren vegetarisch lebende Kicker avancierte in den Lehenäckern binnen kurzer Zeit vom Ergänzungs- zum Stammspieler. "Ich habe dem Verein viel zu verdanken", sagt Blocher, der auf dem Platz beliebig einsetzbar ist: In der Jugend beim VfL Kirchheim noch als Verteidiger auflaufend, spielte er in Dettingen vornehmlich im zentralen Mittelfeld. Beim TSV Jesingen wird er, der sich selbst als kopfballgefährlich, aber etwas schwach im defensiven Zweikampf einschätzt, auch schon mal im Sturm aufgestellt. Er selbst sieht sich am liebsten im offensiven Mittelfeld.

In den Jahren 2002 und 2003 war es Blocher vergönnt, mit seinem neuen Verein den Teckbotenpokal zu stemmen. Das Nachsehen hatten der TSV Boll (2002) und der TSV Holzmaden (2003) jeweils mit 0:1. Im vergangenen Jahr dann die unerwartete Jesinger Endspielniederlage gegen Außenseiter TSG Zell, damals frisch gebackener A-Liga-Meister und Bezirksligaaufsteiger. 1:2 hieß es am Ende Finaltorschütze der Jesinger: Heiko Blocher, der nebenbei den mit immerhin 50 Euro und einer kleinen Trophäe dotierten Titel für den besten Spieler des Turniers einheimste.

Könnte in diesem Jahr für ihn nun die fünfte Endspielteilnahme in Serie folgen? Eher nicht: "Am Finalwochenende bin ich mit meiner Band unterwegs", sagt Blocher. Abseits des Fußballplatzes hat er mit seiner Combo "Crisis never ends", deren Sänger er ist, schon beachtliche Erfolge gefeiert. So war die seinen Worten nach Heavy-Metal intonierende Band im Frühjahr auf einer Ost-Europa-Tournee, für den Herbst sind Studio-Aufnahmen zu einer CD geplant. Auch der Internetauftritt des Quintetts (www.crisisneverends.de) kann sich sehen lassen.

Just am Endspielwochenende (6. und 7. August) hat die Band Konzerte in Cottbus und Leising. "Da werden so um die 1 500 Leute kommen", freut sich Blocher, der am 6. August außerdem noch seinen 26. Geburtstag feiert. Während der Turnierwoche wird er dennoch im TSV-Dress dabei sein und wird auch Arbeitseinsätze schieben. Lob und Anerkennung zollt er den Strippenziehern des Turniers bereits im Vorfeld. "Das wird hier alles super organisiert." Der Stellenwert der Veranstaltung hat sich bei ihm persönlich jedoch etwas verändert: "Früher war das der absolute Saisonhöhepunkt", erinnert er sich, "heute ist es ein reines Vorbereitungsturnier."

Nach dem musikalischen Gastspiel im Osten wird sich Blocher erst einmal in den Urlaub verabschieden. Ihm und Freundin Mia schwebt ein Last-Minute-Flug in den Süden vor den hat er sich nach eigenem Bekunden auch redlich verdient: "Seit drei Jahren hab ich keinen Sommerurlaub mehr gemacht." Studiumsbedingt musste er in den heißen Monaten immer an der Berufsakademie Stuttgart weilen Blocher machte auf dualem Wege eine Ausbildung zum Diplom-Sozialpädagogen: Drei Jahre abwechselnd für jeweils drei Monate an der BA und der so genannten Stammeinrichtung, in seinem Fall die Jugendhilfeeinrichtung "Paulinenpflege" in Kirchheim.

Momentan arbeitet er als Krankheitsvertretung im Sozialen Dienst des Klinikums Kirchheim, sein Vertrag läuft allerdings zum 30. November aus. Doch Blocher ist's trotz der trüben Berufsaussichten in diesem Arbeitsfeld nicht bange. "Da wird sich schon was finden", ist er optimistisch. Ob er berufsbedingt den Wohnort wechseln würde, kann er heute noch nicht sagen. "Ich bin ein heimatverbundener Typ", bekennt er, "aber wenn es sein müsste, würde ich schon auch umziehen."

Als Favoriten für den Sieg beim diesjährigen Turnier sieht er pragmatischerweise die Bezirksligisten. "Die beginnen ja meistens früher mit der Vorbereitung." Ansonsten traut er auch seinem Ex-Club, den SF Dettingen einiges zu. "Die machen seit Jahren eine exzellente Jugendarbeit. Da geht immer was." Er selbst ist dafür augenscheinlich das beste Beispiel.