Lokalsport

"Ein Leben ohne Sport? Unmöglich!"

Er ist einer der wenigen Kirchheimer, die sich mit dem Titel eines deutschen Meisters schmücken dürfen. Doch der Titel im Freistil-Ringen aus dem Jahre 1960 ist bei weitem nicht das einzige, was Werner Bodamer als Erfolg in seiner langen Karriere verbuchen konnte das Leben des heute 70-Jährigen war und ist immer noch geprägt vom Sport.

PETER EIDEMÜLLER

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KIRCHHEIM Sein größter sportlicher Erfolg jährt sich heuer zum 45. Mal: Im Olympiajahr 1960 war es, als sich der Kirchheimer Werner Bodamer in München den deutschen Meistertitel im Freistil-Ringen (Weltergewicht) sicherte. "Die Qualifikation für die Olympischen Spiele in Rom habe ich dann aber knapp verpasst", erinnert sich der 70-jährige an seine sportlich beste Zeit. Im selben Jahr wurde er auch noch Dritter bei den deutschen Meisterschaften im griechisch-römischen Stil und führte die Ringermannschaft des VfL Kirchheim in die Oberliga.

"Damals war Ringen die Nummer eins in Kirchheim", erzählt Bodamer auch dank ihm. "Wenn er gekämpft hat, war die Halle immer gerammelt voll", erinnert sich seine Frau Margit an die Zeit, als zwischen 300 und 400 Zuschauer in die Sporthalle an der Jahnstraße pilgerten, um die VfL-Ringertruppe anzufeuern. Auch bei Auswärtskämpfen gelang es Bodamer, die Zuschauer für sich zu gewinnen. "Ich war ein sehr offensiver, angriffslustiger Ringer, da haben die Leute was zu sehen bekommen."

Sehen konnte man Werner Bodamer nach seiner aktiven Zeit, die er 1978 im Alter von 44 Jahren beendet hatte, vor allem im Kirchheimer Frei- und Hallenbad. Angestellt bei der Stadt war er als Schwimmmeister und Betriebsleiter verantwortlich für die beiden Bäder. "Da ist er morgens immer früh aus dem Haus und abends erst spät heimgekommen", macht Margit Bodamer den zeitlichen Aufwand des damaligen Jobs ihres Gatten deutlich, "das ist viel mehr als nur den ganzen Tag am Becken herumstehen."

Das Herumstehen war sowieso nie das Ding des Werner Bodamer und ist es immer noch nicht: "Ein Leben ohne Sport kann ich mir unmöglich vorstellen", erzählt er von seinen zahlreichen Aktivitäten, bei denen er sich auch nicht von dem künstlichen Hüftgelenk einschränken lässt, das ihm vor knapp 10 Jahren eingesetzt wurde. "Das einzige, was nicht mehr geht, ist Joggen", sagt er, der immer sehr gerne lange Waldläufe absolviert hatte, ein bisschen wehmütig.

Dafür ist er in anderen Sportarten nach wie vor aktiv. Als passionierte Skifahrer gehen er und seine Frau mindestens einmal im Jahr ins Montafon. Daneben fahren beide für ihr Leben gerne Fahrrad. "Wir haben schon oft bei der ,Tour de Ländle' mitgemacht", berichtet Werner Bodamer, der zudem jeden Donnerstag zum "Altherren-Ringen" geht, wo viel Gymnastik gemacht wird.

Auch bei Heimkämpfen der KG Kirchheim-Köngen, dem Fusions-club, der der VfL-Ringerabteilung nachgefolgt ist, kann man ihn unter den Zuschauern finden. Dort, wie auch sonst in der näheren Umgebung, ist Werner Bodamer immer noch bekannt und gern gesehen. "Nach den Kämpfen fragt mich der eine oder andere schon Mal um Rat."

Der zu seiner aktiven Zeit vor allem wegen seiner Technik und Schnelligkeit gefürchtete "Mister Ringsport" hat bezüglich der seit Jahren auch auf nationaler Ebene beklagten Stagnation im Ringen eine dezidierte Meinung: "Das ist eine Sportart, die sehr viel Eigendisziplin und Verantwortung erfordert. Das ist nicht jedermanns Sache." Bodamer muss es wissen, gab es doch in der Zeit, in der er seine größten sportlichen Erfolge hatte, noch wenig passende Trainingsmöglichkeiten vor allem im Kraftbereich. "Fürs Muskeltraining habe ich mir selber Hanteln gebaut und mit Gummibändern gearbeitet", erinnert er sich an die alten Zeiten.

Neben aller sportlichen Betätigung war und ist dem zweifachen Vater immer die Familie am wichtigsten. Seit 44 Jahren sind er und seine Frau Margit verheiratet, die beiden Kinder Helmar und Heike längst jenseits der 30 auf eigenen Füßen stehend. "Wir haben einen starken Familienzusammenhalt", versichert er. Selbiger war es auch, der ihm nach seinem sportlichen Rückzug 1978 half, mit der neuen Situation umzugehen. "Auch wenn es am Anfang schwer war, sich vom Leistungssport zurückzuziehen, wusste ich doch, dass ich nicht in ein Loch fallen würde."

Im Gegenteil: Werner Bodamer ist heute vor allem Dank seiner Integrität und seiner Vorbildfunktion im privaten, sportlichen und beruflichen Bereich ein glücklicher und zufriedener Mensch, dessen Terminkalender nach wie vor aus allen Nähten platzt.