Lokalsport

Ein Nachwuchs-Adler im Aufwind

Die Teilnahme am Skisprung-Weltcup: Ein Erfolg, den er sich hart erarbeitet hat. Die Teilnahme an der Vierschanzentournee: Ein Traum, den er sich unlängst erfüllt hat. Die Teilnahme an der WM in sechs Wochen: Ein Ziel, das er sich fest vorgenommen hat. DSV-Nachwuchs-Adler Christian Ulmer aus Deggingen hat zum Höhenflug in die Skisprung-Weltelite angesetzt.

PETER EIDEMÜLLER

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DEGGINGEN Markige Worte sind sein Ding nicht. Christian Ulmer lässt lieber Taten sprechen. Der 22-Jährige aus Deggingen mit familiären Wurzeln in Weilheim hat sich innerhalb eines Jahres in die deutsche Skispringerspitze hochgearbeitet. "Ich bin ein Typ, der sich reinhängen kann", sagt der für den SC Wiesensteig startende Schlaks (62 Kilo bei 1,82 Meter), der hinter Martin Schmitt, Michael Uhrmann und Jörg Ritzerfeld momentan Deutschlands Nummer vier in Sachen Skispringen ist ein Umstand, von dem er vor rund einem Jahr kaum zu träumen gewagt hätte.

Im Winter 2005/06 traf der sich bis dahin als Nordischer Kombinierer verdingende Youngster den Entschluss, die Langlaufstöcke an den Nagel zu hängen und sich den Spezialspringern anzuschließen. Mit Erfolg: Über zahlreiche Top-Platzierungen im Continental-Cup des vergangenen Winters und im Sommer-Weltcup 2006 schaffte Ulmer den Sprung in den Weltcup. "Im Frühjahr lagen meine Ziele noch viel tiefer", schüttelt er immer noch ungläubig den Kopf, "da wollte ich nur unter die ersten zehn im Conti-Cup kommen." Die Teilnahme am Weltcup sollte eigentlich nur eine Art Bonus sein. Doch es kam anders.

Bereits bei seinem ersten Weltcup-Springen Ende November im finnischen Kuusamo landete der Überflieger auf Rang acht und rechtfertigte damit die Vorschusslorbeeren seines Coaches, dem ehemaligen österreichischen Weltklassespringer Stefan Horngacher, der ihm im Frühjahr versichert hatte: "Dich bringe ich in den Weltcup." "Da war er mir fast ein bisschen unheimlich", erinnert sich Ulmer heute mit einem Schmunzeln.

Doch Horngachers Prophezeiung hat sich erfüllt: Christian Ulmer, dessen Schwester in Kirchheim lebt und arbeitet, hat sich mittlerweile in den internationalen Top 50 etabliert. Vorläufiger Höhepunkt war die Teilnahme an der Vierschanzentournee. "Das ist schon Wahnsinn, vor 20 000 Leuten zu springen", beschreibt er die Gefühlslage auf der Schanze, "da schlägt das Herz dann natürlich auch ein bisschen schneller." Zu schnell?

Der Aufregung musste er gleich Tribut zollen. Platz 37 in Oberstdorf, in Garmisch-Partenkirchen nicht qualifiziert und Platz 50 in Innsbruck entsprachen bei weitem nicht seinen Fähigkeiten. Die Folge: Nach Rücksprache mit Bundestrainer Peter Rohwein verzichtete Ulmer auf das letzte Springen der Tournee vor drei Tagen in Bischofshofen. "Ich war seit Anfang November ständig unterwegs", erklärt Ulmer, "der Akku war wohl schon etwas leer." Nach der ersten Enttäuschung hat jedoch wieder Pragmatismus Einzug gehalten: "Meine Erwartungen für die Tournee waren ohnehin nicht so groß. Die Teilnahme war das i-Tüpfelchen."

Seine Batterien wieder aufladen wird er in den nächsten Tagen im Trainingslager in Oberstdorf, bevor womöglich der nächste Höhepunkt seiner bisherigen Karriere ansteht: Die Teilnahme an den Weltmeisterschaften Ende Februar im japanischen Sapporo. Durch den achten Platz von Kuusamo hat er die sportliche Qualifikation bereits in der Tasche. Nun liegt es an Bundestrainer Rohwein, zu entscheiden, wer Schmitt, Uhrmann und Ritzerfeld nach Japan begleitet. "Ich schätze meine Chancen, dabei zu sein, recht hoch ein", sagt Christian Ulmer unverhohlen.

Dieses Selbstbewusstsein kommt nicht von ungefähr. Schließlich wurde er schon früh flügge, verließ das Elternhaus im zarten Alter von 15, um im Ski-Internat Furtwangen zu leben. Nach vier Jahren machte er in der Heimatgemeinde seines Vorbildes Martin Schmitt (UImer: "Weil er in den letzten Jahren nie aufgegeben hat") sein Fachabitur. Seit 2003 gehört er der Sportfördergruppe der Bundeswehr in Todtnau an, hat inzwischen den Rang eines Stabsunteroffiziers. "Finanziell ist man da ganz gut abgesichert", sagt er.

Trotzdem weiß er, dass es fatal sein kann, sich nur auf seine sportlichen Fähigkeiten zu verlassen. "Im Skispringen kann das so schnell gehen, dass du weg vom Fenster bist." Daher absolviert er momentan noch ein Wirtschafts-Fernstudium mit Schwerpunkt Management, um nach der Skisprungkarriere etwas in der Hand zu haben. Dass er noch am Beginn der selbigen steht, ist ihm dabei durchaus bewusst: "Ich fühle mich momentan zwar als Spitzensportler, aber nicht als Weltklassespringer." Noch nicht.