Lokalsport

Ein Pechvogel probt den Höhenflug

Er hat das Lachen nicht verlernt. Am Ende einer zweijährigen Leidensphase mit Pleiten, Pannen und Verletzungen sind Motivation und Zuversicht zurückgekehrt. Seine Pechsträhne sieht Manuel Fumic als Teil des Lernprozesses. "Das sind Erfahrungen, die stärker machen", lautet seine Kampfansage fürs vorolympische Jahr 2007.

BERND KÖBLE

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KIRCHHEIM Positives Denken ist oberste Pflicht. "Ohne kommst du in unserem Sport nicht weit", sagt Manuel Fumic. Er muss es wissen, denn an guten Gründen, den Mut zu verlieren, dürfte es dem Kirchheimer Mountainbike-Profi zuletzt kaum gemangelt haben. Erst sperrte sich das Material nach Kräften, dann raubte ihm ein zweimaliger Schlüsselbeinbruch im Jahr darauf alle Chancen auf einen Platz in der Weltspitze. Dass mit Bruder Lado die andere Hälfte des Zwei-Mann-Teams ebenfalls eine rabenschwarze Serie hinlegte und dabei dem eigenen Anspruch weit hinterher hinkte, passte gut ins Bild vom Seuchenjahr.

Ein Jahr, das letztlich auch geprägt war von individuellen Fehlern: Zunächst der Schlüsselbeinbruch vor Beginn der Saisonvorbereitung im Herbst, dann der verfrühte Trainingsbeginn nach der Verletzung. Im Januar schließlich der neuerliche Sturz, der den gerade verschraubten Knochen aus der Verankerung riss. Von falschem Ehrgeiz inspirierte Entscheidungen und konsequente Nackenschläge wechselten sich fortan ab. "Ich wollte einfach zuviel", gibt sich Manuel Fumic selbstkritisch. "Ein zweites Mal wird mir das nicht passieren." Wie so oft, wenn's dumm läuft, sind die Kritiker nicht weit: Den Fumic-Brüdern seit dem Ausstieg von T-Mobile in eigener Mission unterwegs fehle ein fester Trainer, meinten die einen. Andere wiederum kamen zu dem Schluss, der ehemalige U23-Weltmeister müsse im eigenen Interesse aus dem Schatten des übermächtigen Bruders treten.

"Alles Quatsch", wehrt Manuel Fumic ab. "Du musst lernen, auf deinen eigenen Körper zu hören und die richtigen Schlüsse daraus zu ziehen." Darin ist der sechs Jahre ältere Bruder für ihn noch immer das Vorbild. Auch wenn es manchmal kräftig knirsche im Gebälk: "Uns verbindet ein reißfestes Band das ist es, was uns stark macht", meint der 24-Jährige und fügt hinzu: "Wo ich heute stehe, habe ich Lado zu verdanken." Das unzertrennbare Bündnis soll demnach auch über das Olympiajahr 2008 hinaus Bestand haben und dabei nicht nur sportliche Erfolge feiern. Die Fumic Brothers International (FBI) sind Radsport-Team und personifizierte Geschäftstidee in einem. Inzwischen gibt es eine eigene Bekleidungslinie, einen Online-Zubehörshop und sogar eigene Bikes, die sich jeder unter den Hintern schnallen kann, der bereit ist, das nötige Kleingeld dafür zu berappen.

Doch Erfolg zu haben, heißt auch, aus Fehlern zu lernen. Deshalb soll die Vorbereitung auf die Saison 2007, in der bereits die ersten Weichen Richtung Peking gestellt werden, diesmal in geordneten Bahnen verlaufen. Mit der Unterschrift unter dem Vertrag mit dem neuen Bikesponsor Canyon ist der erste Schritt bereits getan. Im Dezember steht für beide das erste Trainingslager mit der Nationalmannschaft unter zyprischer Sonne im Programm. Im Februar zieht es den Tross auf die Kanaren, wo man beim zeitintensiven Grundlagentraining der winterlichen Kälte entkommen kann. Auch auf der Straße wollen sich beide im kommenden Jahr wieder zeigen. Mehrtägige Rennen wie die Regio-Tour oder die Niedersachsen-Rundfahrt haben sich als intensive Trainingseinheiten bewährt, um die nötige Rennhärte für den Weltcup oder die WM zu holen, die am 9. September in Fort William stattfinden wird. Auf der Lieblingsstrecke der Fumic-Brüder im schottischen Hochland sind die Erwartungen groß. 2004 verpasste Manuel Fumic als U23-Fahrer dort nur knapp den Sprung unter die besten Zehn der Weltelite und Bruder Lado kam mit Platz zwei im Jahr zuvor an selber Stelle seinem Traum vom ersten Weltcup-Erfolg am nächsten.

Die Zeit des Taktierens ist vorbei. Sparte sich das Kirchheimer Brüderpaar in der abgelaufenen Saison angesichts zweifelhafter Erfolgsaussichten noch den einen oder anderen Euro an Reisekosten, steht 2007 das volle Programm im Kalender. "Wir nehmen mit, was geht", sagt Manuel Fumic. Ein Jahr vor Olympia gilt es auch im eigenen Land, die Verhältnisse zurechtzurücken. Die Konkurrenz muckt auf. Nicht erst seit im Vorjahr der Freiburger Moritz Milatz der Alleinherrschaft Lado Fumics nach fünf Jahren ein Ende setzte. Mit dem ins Cross-Country-Lager gewechselten Marathon-Spezialisten Karl Platt und einem wiedererstarkten Stefan Sahm, die beide im kommenden Jahr für das neu gegründete Team Bulls an den Start gehen werden, kämpfen schwer auszurechnende Kandidaten mit um die Tickets nach Peking. "Dem Mountainbike-Sport tut diese Entwicklung gut", nimmt es Manuel Fumic gelassen. "Wie motivierend eine solche Leistungsdichte für die ganze Mannschaft ist, sieht man an den Schweizern."

Der Weg nach Peking ist lang und die letzte Entscheidung über die Vergabe der Plätze wird erst nach der Weltcupsaison 2008 fallen. Für Manuel wäre es nach Platz acht in Athen der zweite Start bei Olympischen Spielen für Lado gar der dritte. Der Fünftplatzierte von Sydney 2000 dürfte mit besonderem Ehrgeiz in Richtung Peking blicken: Nach seinem Sattel-Malheur am Berg Parnitha in Athen winkt im Land des Lächelns die vielleicht letzte Chance auf eine olympische Medaille.