Lokalsport

Ein perfektes Wochenende

Unger knackt Olympia-Norm – Wackershauser mit persönlicher Bestleistung

Die beiden schnellsten Kirchheimer sind am Ziel ihrer Wünsche. Anja Wackershauser unterbot in Rostock über 200 Meter erstmals in ihrer Karriere die 24-Sekunden-Marke. Und Tobias Unger löste in Biberach endgültig das 100-Meter-Ticket für die Olympischen Spiele in Peking.

KLAUS SCHLÜTTER

Biberach/Rostock. Für Tobias ­Unger war der Start beim Meeting „Weltklasse in Biberach“ eine Punktlandung. Einmal musste er unter 10,20, einmal unter 10,22 Sekunden bleiben, um sich auf der kurzen Sprintstrecke für Olympia zu qualifizieren. Das war die Vorgabe. In Regensburg lief er kürzlich 10,17 Sekunden. Fehlte also noch einmal die Norm.

In Biberach herrschten ideale Bedingungen: warmes Wetter, leichter Rückenwind, eine renovierte Bahn. Grund genug, sich kurzfristig für einen Start in Oberschwaben zu entscheiden.

Star im Feld der Sprinter war ausnahmsweise einmal nicht der Kirchheimer, sondern Dwain Chambers, der vom Veranstalter mit einem Startgeld in Höhe von 5 000 Euro geködert worden war. Dass Unger gegen einen Dopingsünder antrat, stieß im Vorfeld bei einigen Leuten auf Unverständnis. Der Brite war in den amerikanischen Balco-Skandal verwickelt und bis Februar 2006 gesperrt. Für Unger kein Problem: „Wichtig ist mir die Zeit. Da ist es mir egal, gegen wen ich laufe. Da bin ich egoistisch.“

Im ersten von zweimal zwei Zeitläufen liefen beide noch getrennt. Der „Schwabenpfeil“ gewann zwar seinen Lauf, verfehlte aber mit 10,28 Sekunden die Norm. Chambers siegte im anderen Durchgang souverän in 10,14 Sekunden. Im zweiten Lauf gingen Chambers und Unger dann gemeinsam an den Start. Der Brite steigerte sich auf 10,06, in seinem Windschatten stürmte Unger als Zweiter ins Ziel. Aber in welcher Zeit? Sein Trainer Micky Corucle rannte sofort ins Zeitnehmerhäuschen. Strahlend kam er wieder heraus. „10,22 Sekunden, punktgenau die Norm!“ rief er seinem Schützling zu, der noch unwissend auf der Bahn kauerte. Da ging ein Strahlen über sein Gesicht. Eine Woche vor den deutschen Meisterschaften in Nürnberg hatte er sich neben der 4 x 100-Meter-Staffel als einziger deutscher Sprinter für einen Einzelstart bei Olympia qualifiziert. Zur Belohnung gab es ein Küsschen von der Freundin und eine herzliche Umarmung vom Papa. „In Nürnberg kann er nun ganz locker an den Start gehen. Ich bin sicher, dass er noch mal eine sehr gute Zeit läuft“, meinte Corucle. Unger selbst liebäugelt nun sogar mit einem Doppelstart, also trotz seiner operierten Achillessehne auch über 200 Meter. Doch sein Trainer ist strikt dagegen: „Wir wollen vor Olympia nichts riskieren.“

Am Samstag um 17.11 Uhr war für den Salamander-Athleten das Unternehmen Peking von Erfolg gekrönt. Zur selben Zeit erfüllte sich für Anja Wackershauser vom VfL Kirchheim 800 Kilometer nördlich ebenfalls ein Traum: Bei ihrem ersten Start im Nationaltrikot unterbot sie beim U23-Länderkampf gegen Polen in Rostock über 200 Meter in 23,99 ihre bisherige Bestmarke um fünf hundertstel Sekunden. Mit dieser Zeit lief sie hinter der Polin Marta Jeschka (23,19) und ihrer Mannschaftskollegin Maike Dix (23,79) ins Ziel. „Alles war neu und ungewohnt. Ich war ziemlich aufgeregt und habe mir selber am meisten Druck gemacht“, gestand die 20-jährige Theologie- und Sportstudentin hinterher ein. So vergaß sie im Hotel ihr Handy und musste sich das ihrer Freundin leihen, um ihren Eltern und Trainer Corucle nach dem Lauf die frohe Botschaft zu übermitteln.

Mit zwei Punkten für Platz drei trug Anja Wackershauser zum 122:88-Sieg der deutschen Juniorinnen bei. Die männliche U23 schlug Polen mit 115,5:82,5 Punkten. Am kommenden Wochenende startet Anja Wackershauser bei der DM in Nürnberg. „Ich will mal bei den Großen mitlaufen“, sagt sie lachend. In ihrer derzeitigen Form ist eine weitere Steigerung nicht ausgeschlossen.

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