Lokalsport

Ein Spielobjekt weckt Begierde

Die Badminton-Feder ist so schnell wie ein ICE – VfL-Abteilung kennt kaum Nachwuchssorgen

Die Hochburgen dieser Sportart liegen in England, Dänemark und China – weniger in Deutschland, wo in der Halle traditionell die Handballspieler, Basketballer oder Tischtenniscracks das Sagen haben. Badminton – national gesehen eher eine Randerscheinung. Auf lokaler Ebene liegen die Dinge anders. Die Badminton-Abteilung des VfL Kirchheim lockt sportlich orientierte Jugendliche in relativ großer Zahl an.

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THOMAS PFEIFFER

Kirchheim. Es ist, nimmt man das Spielobjekt als Maßstab, eine der schnellsten Individualsportarten der Welt: Mit rund 300 km/h Spitzengeschwindigkeit hängt eine geschmetterte Badminton-Feder einen forcierten Squashball (270 km/h), Golfball (250 km/h) oder Tennisball (240 km/h) locker ab. Dass die Badminton-Feder so schnell ist wie ein ICE, wissen freilich die Allerwenigsten, und auch nicht, dass Badminton erst seit 1992 olympisch ist. Beim gemeinen Federball mitreden kann fast jeder – bei der Leistungssport-Variante Badminton können Selbiges höchstens Insider. Noch immer ist das Spiel mit dem zylinderförmigen Flugobjekt hierzulande eine Randsportart. Ganz genau 0,0018 Prozent der Bevölkerung betreiben es.

Und doch: Für die VfL-Badmintonabteilung ist Nachwuchsmangel kein Thema. Im mit 4 200 mitgliederstärksten Sportverein der Region gilt die Sparte seit Jahren auch deshalb als feste Größe, weil es mit der Rekrutierung nachrückender U18-Youngsters kaum Probleme gibt. Nachdem der Aktiven-Bereich durch den Rückzug der Kreisliga-Mannschaft aufgrund von Spielermangel derzeit etwas ausgedünnt ist und nur noch die abgestiegene (Landesliga-)Mannschaft den Club im Spielbetrieb aktuell repräsentiert, sind die U19-Altersklassen mit zwei Teams in Konkurrenz und mit rund 40 Spielerinnen und Spielern zumindest zahlenmäßig deutlich besser aufgestellt.

So gut, dass die LUG-Sporthalle bei den Trainingseinheiten mittwochs und donnerstags ab halb sieben ihre Kapazitätsgrenze theoretisch überschreiten müsste: Neun Badminton-Spielfelder vertragen nun mal nur maximal 36 Akteure. „Kämen immer alle Jugendlichen zu den Übungsstunden, müssten also immer vier rumsitzen“, wie Abteilungsleiter Jürgen Fischer sagt. Gut deshalb, dass (stimmungs-, krankheits- oder urlaubsbedingt) nicht immer alle kommen.

Ohnehin wird beim Fitmachen der eigenen Jugend für die saisonalen Spieltag-, Ranglisten- oder Meisterschaftsturniere innerhalb der Abteilung viel improvisiert. „Lizenzierte Trainer gibt es bei uns nicht“, sagt Jürgen Fischer, der zusammen mit Aktivenspieler Martin Stojan und Murat Karasoy, der sporadisch in die Bresche springt, die Kommandos an den Übungsabenden gibt, „doch das ist genauso wie bei den meisten anderen Vereinen. Grundsätzlich sind Badminton-Trainer mit Lizenz in Deutschland dünn gesät.“ Weil das so ist, weil der Status des vom Verband theoretisch geschulten und geprüften Coachs fehlt, geben die VfL-Nachwuchstrainer nur das weiter, was sie sich in vielen Spielerjahren selber angeeignet haben: Reichlich Match-Erfahrungswerte und Grundwissen. Die Learning-by-doing-Methode macht Fischer („wir Badminton-Trainer sind Autodidakten“) sichtlich Spaß. Bereits seit acht Jahren bringt er dem VfL-Nachwuchs ganz unkompliziert Aufschlagsspiel, Smash und gute Lauftechniken bei. Und anfangs noch in den VfL-Übungsbetrieb der Aktiven integriert, trainiert die Jugend seit 2003 in separaten Extrastunden.

Auch wenn die Hallensportarten Handball und Basketball auf Nachwuchsebene in Kirchheim derzeit Zulauf erfahren wie fast noch nie: Sorgen, dass die VfL-Badmintonabteilung den überlebensnotwendigen „Unterbau“ verlieren könnte, machen sich ihre Verantwortlichen derzeit keine. „Von den an den örtlichen Schulen wie dem Ludwig-Uhland-Gymnasium eingerichteten Badminton-AGs kamen in der Vergangenheit immer wieder interessierte Schüler zu uns“, berichtet Jürgen Fischer über den wichtigen Draht zu aufgeschlossenen Sportlehrern, die somit indirekt zu VfL-Werbeträgern werden. Fischer ist im Übrigen zuversichtlich, dass Badminton seine Zugkraft auf Jugendliche auch in Zukunft nicht verlieren wird.

Es ist das spezifische Alleinstellungsmerkmal dieser Sportart, das Fischer als ihren größten Vorteil ansieht. „Badminton ist eine der wenigen Sportarten, in denen die Mannschaften sowohl aus Mädchen als auch Jungen bestehen.“

So was kommt an – besonders bei 14-, 15- oder 16-Jährigen.

VfL-Badmintonabteilung

Zahl der Mitglieder unter 19: 40

Jahresmitgliedsbeitrag: 70 Euro (Kinder bis 14), 98,50 Euro (Jugendliche bis 18)

Trainingsstätte: LUG-Sporthalle

Ansprechpartner: Jürgen Fischer

Internet: www.vfl-kirchheim.de