Lokalsport

Ein Traum wird wahr: VfL spielt in der 2. Liga

Ein Traum ist wahr geworden, für die ganze Kirchheimer Basketball-Gemeinschaft: In der Saison 2006/07 gehören die Kirchheim Knights zu den 50 besten Basketball-Klubs in Deutschland und treten in der 2. Liga Süd an.

KIRCHHEIM Am vergangenen Montag erfuhr der sich seit Jahren im stetigen Aufstieg befindliche Kirchheimer Basketball mit dem Angebot der AG 2. Liga, in der Saison 2006/07 in der jungen Liga mitzuspielen, seinen absoluten Höhepunkt. Möglich wurde dieser Coup durch eine Kette von chaotischen Ereignissen, die manche vielleicht für typisch im Basketball halten. Denn der VfL, Meister der Regionalliga Südwest-Süd, belegte in der Aufstiegsrunde mit nur zwei Siegen schließlich den vierten und letzten Platz, weit entfernt vom ersten, der normalerweise allein zum Aufstieg berechtigt.

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Doch normal war in diesem Frühjahr nichts, nicht nur das Wetter. Von Beginn der Aufstiegsrunde am 22. April an kursierten Gerüchte durch die Basketball-Szene, dass mehr als ein Platz im Profi-Unterhaus frei werden könnte. Nummer eins: Der Fall Bayern München. Um den Stadionpartner in der Allianz-Arena am Leben zu erhalten, unterstützten die Bayern 1860 München mit elf Millionen Euro und plötzlich waren die versprochenen 400 000 Euro für die Basketballer gestrichen. Alle internen Rettungsversuche gingen ins Leere, und am vergangenen Wochenende stand endgültig fest: Der souveräne Meister der Regionalliga Südost (42:2 Punkte) nimmt sein Aufstiegsrecht nicht wahr.

Nummer zwei: Am 22. Mai entschied die Basketball-Bundesliga (BBL), die zwei Wildcards zur Aufstockung des Oberhauses von 16 auf 18 Teams den beiden Absteigern Braunschweig und Nürnberg zu geben: Nürnbergs Platz in der zweiten Liga Süd war frei. Nummer drei: Weil vom angestrebten Etat von (nur noch) 80 000 Euro (so die Information der Stuttgarter Nachrichten) nur 30 000 Euro zusammen waren, gab der MTV Stuttgart am vergangenen Montag nach einem Jahr Zugehörigkeit seine Zweitliga-Lizenz zurück. Die drei freien Plätze bekamen noch am selben Tag die drei Vereine, die rechtzeitig zum 31. März eine Lizenz beantragt hatten: der ASC Mainz, Kickz München (4. der Regionalliga Südost) und die Kirchheim Knights.

Für alle drei heißt das neben aller Freude vor allem, dass jetzt hart gearbeitet werden muss, um die Voraussetzungen für diese Liga zu schaffen. Ganz oben auf der Agenda steht dabei natürlich die Beschaffung der erforderlichen finanziellen Mittel. Nicht nur beim VfL hat die Hängepartie der letzten Wochen und die daraus resultierende Ungewissheit die Gespräche mit den Sponsoren behindert. Das Ziel lautet jetzt, einen Zweitliga-Etat zusammenzubekommen, der das Überleben sichert. Sportlich heißt das, eine Mannschaft zu konstruieren, die mit der unteren Hälfte der Liga konkurrieren kann. Der Großteil des Kaders soll gehalten werden, doch drei bis vier Verstärkungen sind unbedingt nötig. Verschiedene Gespräche sind angelaufen, doch bis die ersten Verträge unterzeichnet sind, kann es noch lange dauern schließlich muss zunächst der finanzielle Rahmen stehen.

Eine zweite, ebenso wichtige Aufgabe: Es muss Ersatz für die Jugendtrainer gefunden werden. Denn Pasko Tomic trainiert bisher die U20, die mit guten Aussichten um den Aufstieg in die Oberliga kämpft, Ross Jorgusen die U18 und Kai-Uwe Kranz die U16, beide Teams haben ihre Oberligaplätze sicher. Doch als Zweitliga-Trainer beziehungsweise -Spieler mit fünfmal Training die Woche und 30 Spielen können sie diese Aufgabe nicht mehr nebenher bewältigen. Um das Nachwuchs-Programm, das erstmals in der 49-jährigen Geschichte des Kirchheimer Basketballs womöglich drei Oberligateams produziert hat, nicht zu gefährden, müssen also kompetente Trainer gefunden werden, was auf diesem Niveau aus den eigenen Reihen (noch) nicht möglich ist. Das kostet natürlich Geld, das der ersten Mannschaft fehlen wird.

Bei aller Euphorie haben die Basketballer eine Menge Arbeit vor sich. Doch die Erfüllung des Traums zweite Liga dürfte zusätzliche Kräfte frei setzen. Am 30. September geht es los, mit einem Auswärtsspiel. Und am Tag der deutschen Einheit, am 3. Oktober, steht das erste Heimspiel in der zweiten Liga an, voraussichtlich gegen den ehemaligen deutschen Rekordmeister USC Heidelberg wahrlich ein historisches Datum.

mad