Lokalsport

Ein Ukrainer, ein Bosnier und ein Münchner

Zwei Monate vor dem ersten Saisonspiel in der zweiten Basketball-Bundesliga am 30. September in Langen nimmt das neue Team der VfL Kirchheim Knights langsam Formen an.

KIRCHHEIM Das erste Ziel nach dem dann doch überraschenden Aufstieg Ende Mai war ja, den Stamm an eigenen Spielern zu halten. Das ist nun gelungen: Ross Jorgusen, Kai-Uwe Kranz, Bill Goehrke, Wilu Lenger, Nenad Lukic und Joe Hountondji haben inzwischen ihre feste Zusage gegeben, ihre Karriere im Knights-Trikot fortzusetzen. Vom Meisterteam 2006 fehlen damit nur James Hayden (Karriere beendet), Chuks Neboh (steht noch in der Warteschleife), Tomi Martinovic und Georgios Tsouknidis (bekamen kein neues Angebot).

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Die wichtigste Personalie wurde ebenfalls erledigt: Pasko Tomic, seit 1997 in Kirchheim, wird in der zweiten Liga der Coach des VfL sein. Nach produktiven Lehrjahren unter solchen Koryphäen wie Wieslav Zajac (1999 2001) und Theo Leftakis (2003 2006) scheint der dreimalige Champions-League-Sieger nun reif für die ganz große Aufgabe. Da den Verantwortlichen bei den Knights natürlich klar war, dass man ohne substanzielle Verstärkungen in der zweithöchsten deutschen Spielklasse nur Kanonenfutter wäre, lief parallel die Suche nach neuen Spielern. Abgesehen davon, dass bei Geschäftsführer Ulrich Tangl täglich mehrere Angebote von Spielern und vor allem Agenturen per Mail ins Haus flattern, konzentrierte man sich auf die gezielte Ansprache von Kandidaten.

Einer der ersten war Peter Huber-Saffer, in der vergangenen Saison beim MTV Stuttgart einer der besten Center der 2. Liga. Der Student der Berufsakademie Stuttgart war auch nicht abgeneigt, da seine Priorität auf dem Studium liegt. Zum Pech der Knights fand der 2,08-Meter-Mann dann allerdings einen fast identischen BA-Platz in Heidelberg, wo beim ehemaligen deutschen Rekordmeister auch die sportlichen Perspektiven besser erscheinen. Es scheint seither ausgemacht, dass der VfL sich in der Centerfrage auf dem riesigen amerikanischen Markt bedienen muss. Coach Pasko Tomic: "Was zählt, ist Geduld. Normalerweise werden die Amerikaner immer preisgünstiger, je näher die Saison rückt."

Sicher hat der VfL hingegen drei neue, wertvolle Spieler: Antonis Sivorotka: Der Ukrainer mit griechischem Pass hat in der Vorsaison beim Zweitliga-Champion ratiopharm Ulm auf der Bank gesessen und wird ein Jahr ausgeliehen. Am 21. August wird der 2,02 m große Flügelspieler, der auch unter dem Korb für Furore sorgen kann, 21 Jahre alt, gilt aber als sicherer Erstliga-Kandidat. Theo Leftakis, der dem VfL als Berater verbunden bleibt, über den athletischen Ex-Tübinger: "Mit Antonis werden wir viel Freude haben. Es gibt wenige so große und dabei so extrem schnelle Spieler in der Liga." Thomas Klemm: Der Münchner, der ebenfalls schon in Tübingen gespielt hat, spielte in der vergangenen Saison erfolgreich beim MTV Stuttgart, machte dort alle 30 Spiele und gilt als harter Arbeiter mit viel Sinn für das Team. Mit knapp acht Punkten (bei 59 Prozent Trefferquote) und fünf Rebounds ist er auf dem Feld aber auch selbst effektiv. Huso Askraba: Bis zum Jahr 2004 hat der heute 26-Jährige sieben Jahre Profi-Basketball gespielt, war in seiner Jugend Mitglied der bosnischen U20-Nationalmannschaft. Stationen in Bosnien, Schweden, Österreich und Deutschland machen ihn zu einem Basketball-Globetrotter, der jetzt allerdings beruflich bedingt in Kirchheim heimisch wurde. In den vergangenen zwei Jahren arbeitete er in Reutlingen und konnte wegen des Schichtbetriebs in seiner Firma nicht trainieren. Deshalb spielte er in der Landesliga für Reutlingens Zweite und war da der überragende Scorer mit 26 Punkten pro Spiel. Tomic: "Huso wird uns auf jeden Fall helfen."

Weiter auf der Suche sind die Knights also nur noch auf der Center-Position und nach einer Hilfe für Ross Jorgusen im Aufbau. Einer der beiden wird auf jeden Fall ein Amerikaner sein. Langt man hier nicht völlig daneben, müsste das erklärte Ziel Klassenverbleib möglich sein.

mad