Lokalsport

Ein Wiedersehen mit Pokalhelden

Kantersiege haben mitunter euphorisierende Wirkung und das ist nicht immer gut so. Die Spieler des Verbandsligisten VfL Kirchheim müssen morgen Abend beim Oberliga-Absteiger SV Bonlanden (17.30 Uhr) beweisen, dass der 8:1-Knaller gegen den SV Fellbach der Beginn eines Aufwärtstrends war.

REIMUND ELBE

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KIRCHHEIM Euphorie ist laut Duden ein Gefühl des gesteigerten Wohlbefindens. Dagegen ist prinzipiell auch bei Fußballern nichts einzuwenden. Warum erfahrene Kicker und Trainer eine Euphorie in einem Team trotzdem peinlichst verhindern wollen, liegt wohl darin begründet, dass sich zu jenem guten Feeling auch ein Schuss Lässigkeit oder Selbstzufriedenheit einzuschleichen pflegt. VfL-Trainer Michael Rentschler sieht die Sache so: "Es war sicher richtig, dass wir dieses 8:1 im Nachklang genossen haben, doch schon jetzt ist im Training deutlich zu spüren, dass die Mannschaft sich immer mehr auf das Spiel in Bonlanden konzentriert."

So gesehen läuft in Kirchheim alles in den richtigen Bahnen vor dem prestigeträchtigen Duell in Bonlanden. Rentschler selbst ist auf dem SVB-Sportplatz schon mehrfach mit verschiedenen Mannschaften aufgelaufen. "Das ist eine besondere Atmosphäre dort oben. Es kommt nicht von ungefähr, dass die Bonlandener sehr heimstark sind." Der langjährige Oberligist aus Filderstadt hat tatsächlich in dieser Runde alle drei Heimspiele gewonnen, die gleiche Anzahl an Auswärtspartien freilich verloren. In der Saison 2001/2002 trafen die Kirchheimer das letzte Mal auf den SVB, der am Ende der Saison Meister wurde und immerhin den SSV Ulm 1846 (stieg anschließend per erfolgreicher Relegation auf) auf Platz zwei verwies.

Die personelle Situation beim VfL ist nach wie vor gut. Es spricht einiges dafür, dass Rentschler mit einer ähnlichen, wenn nicht sogar der gleichen Mannschaft beginnt, wie beim Offensivfestival gegen den SV Fellbach. Sich selbst sieht er eher in der Rolle des Jokers. "Wenn ich das Gefühl habe, dass ich der Mannschaft weiterhelfen kann, werde ich spielen das entscheidet sich immer von Fall zu Fall", betont der 34-jährige.

Da die Innenverteidigung mit Christopher Eisenhardt und dem Allrounder Ferdi Er aktuell sowieso gut funktioniert, wird der Spielertrainer morgen wohl eher zum Koordinator am Spielfeldrand. Interessant dürfte sein, ob Cem Korkmaz auch in Bonlanden von Beginn an dabei sein wird. Vor seiner Auswechslung in der Partie gegen Fellbach plagten den Vierfachtorschützen jedenfalls Schmerzen am Fuß, Spätfolgen seines Mittelfußbruchs im Frühjahr.

Auf Bonlandener Seite warten gleich drei frühere VfL-Spieler auf das Duell mit ihrem Ex-Club. Wäre SVB-Keeper Christoph Leibl momentan nicht studienbedingt in den USA, läge deren Zahl sogar bei vier. So werden Frank Posch, Panagiotis Deligiannidis und Thomas Edelmann gegen ihren früheren Verein auflaufen. Die beiden Letztgenannten sind im Gegensatz zu Posch noch nicht allzulange weg von der Jesinger Allee, waren Stützen des WFV-Pokalsiegerteams 2003. Beide spielen in Bonlanden auf ihren Lieblingspositionen: Deligiannidis im zentralen Mittelfeld, Edelmann ist Innenverteidiger neben Posch.

Seit der C-Jugend kickte Defensivakteur Edelmann beim VfL, ehe nach verschiedenen Dissonanzen Mitte 2003 der Wechsel auf die Fildern erfolgte. Trotzdem blickt Edelmann gerne an die Zeit an der Jesinger Allee zurück. "Da kommen vor dem Spiel morgen natürlich viele Erinnerungen hoch", erzählt der immer noch in Kirchheim wohnende Fußballer, "ganz besonders natürlich das Jahr in der Regionalliga als Neunzehnjähriger und der sensationelle WFV-Pokalsieg 2003. Ist schon ein komisches Gefühl, gegen den VfL zu spielen." Seine nächste Aussage des jetzigen SVB-Akteurs ist jedoch klar: "Wir sind auswärtsschwach und müssen deshalb unbedingt zu Hause unsere Punkte holen auch gegen den VfL." Bei seinem ersten Punktspielauftritt gegen seinen Heimatverein bleibt also doch keine Zeit für Sentimentalitäten.