Lokalsport

Ein Wimpernschlag entscheidet

Leichtathletik Philipp Corucle fehlen bei der Hallen-DM in Leipzig drei Tausendstel Sekunden zu Bronze über 60 Meter. Dennoch ist der 22-Jährige an der deutschen Spitze angekommen. Von Klaus Schlütter

Das Podium verpasst, Respekt gewonnen: Für Philipp Corucle (Mitte) war die DM in Leipzig trotz Enttäuschung ein Gewinn.Foto: Ral
Das Podium verpasst, Respekt gewonnen: Für Philipp Corucle (Mitte) war die DM in Leipzig trotz Enttäuschung ein Gewinn.Foto: Ralf Görlitz

Die Gefühle von Philipp Corucle schlugen Purzelbäume. Nach dem Finale über 60 Meter wusste er nicht, ob er sich nun ärgern oder freuen sollte. Nur um einen Wimpernschlag verpasste der 22-jährige Sprinter vom VfL Kirchheim/VfB Stuttgart bei der Hallen-DM in Leipzig die erste Meisterschafts-Medaille seiner Laufbahn.

Bei einer Endzeit von 6,66 Sekunden fehlten ihm drei Tausendstel zum zeitgleichen Alexandar Askovic (SG Augsburg) zu Bronze. Ein mit dem menschlichen Auge im Ziel nicht wahrnehmbarer Rückstand, der 2,6 Zentimetern entsprach, etwa der Breite eines Daumennagels oder einer Zwei-Cent-Münze. Ärgerlich einerseits, ein Grund, stolz zu sein, auf der anderen Seite.

Schließlich überwog bei Philipp die positive Erkenntnis, in die Phalanx der besten deutschen Sprinter vorgedrungen zu sein. „Er hat einen Riesenschritt nach vorne gemacht, nachdem er in den vergangenen vier, fünf Jahren immer mit Verletzungen zu kämpfen hatte. Ich bin sehr zufrieden“, strahlte Micky Corucle. Im Vorfeld der Meisterschaft hatte der Vater und Trainer wegen einer leichten Zerrung seines Schützlings im Beuger Bedenken geäußert: „Philipp ist im Tierkreiszeichen des Krebses geboren. Oft heißt das bei ihm: zwei Schritte vor, ein Schritt zurück.“ Eine Aussage, die sein ehemaliger Meisterschüler Tobias Unger mit einem Lächeln quittierte: „Micky hat auch bei mir vor wichtigen Rennen gerne tief gestapelt.“

In Leipzig gab der „Krebs“ schon im Vorlauf mächtig Gas. 6,68 Sekunden, Platz zwei hinter Michael Pohl (Sprintteam Wetzlar) in 6,64. Der höher eingeschätzte Lucas Jakubczyk (SSC Berlin) mit einer Bestzeit von 6,56 riskierte zu viel und musste nach einem Fehlstart zuschauen.

Reus mit Frühstart

Ebenso erging es dem klaren Favoriten Julian Reus (LAC Erfurt), der mit 6,52 Sekunden den deutschen Rekord hält. Aus nach Frühstart auch für ihn. Damit war der Weg frei für die junge Garde zwischen 20 und 22 Jahren. Es gewann der frühere Sindelfinger Deniz Almas (20) vom VfL Wolfsburg, der seine persönliche Bestleistung von 6,63 auf 6,60 verbesserte. Silber ging an Julian Wagner (21, LAC Erfurt) in 6,64, Bronze an Alexandar Askovic (22) in 6,66. Mit derselben Zeit verwies Philipp Corucle seinen Vorlauf-Bezwinger Michael Pohl (6,68) auf Platz fünf. Joshua Hartmann (ASV Köln) wurde in 6,70 Sechster, Fabian Olbert (LG Stadtwerke München) in 6,74 Siebter.

Für Vater und Sohn Corucle geht es Ende April mit den VfB-Athleten in ein dreiwöchiges Trainingslager nach Orlando/USA. Zur selben Zeit bereiten sich die DLV-Asse ebenfalls in Florida auf die Freiluftsaison, speziell Olympia, vor. Noch gehört Philipp keinem DLV-Kader an. Aber nach seinem erfolgreichen Auftritt in Leipzig ist zu erwarten, dass ihm der Verband ans Herz legt, die Trainingsgruppe zu wechseln.

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