Lokalsport

"Ein Wolf beißtsich eben durch"

Jürgen Pippig ist der Sport-Pressesprecher der Firma Porsche, kennt alle, die Rennautos mit dem Emblem aus Zuffenhausen fahren. Auch Wolf Henzler. "Ein Mann mit Potenzial", sagt er über den Nürtinger, der eben das GT-Klassement beim 24-Stunden-Rennen in Daytona gewann.

THOMAS PFEIFFER

KIRCHHEIM Im nachfolgenden Interview würdigt Pippig nicht nur die Erfolge des Porsche-Fahrers Henzler, sondern äußert sich auch zur Generalfrage, warum der Sportwagenhersteller nicht (wieder) in die Formel 1 einsteigt. Herr Pippig, kennen Sie Wolf Henzler eigentlich persönlich?Jürgen Pippig: "Natürlich kenne ich Wolf Henzler. Er ist ein sympathischer, hoch motivierter und junger Rennfahrer, der im Porsche 911 schon große Leistungen gezeigt hat."Im Vorjahr gewann Henzler den internationalen Porsche Supercup und war Vizemeister im nationalen Carreracup, nun gewann er auch noch die GT-Wertung im Farnbacher-Team beim 24-Stunden-Rennen von Daytona. Der Mann, im GT3 kaum zu schlagen, liefert eine positive Porsche-Schlagzeile nach der anderen . . . Jürgen Pippig: "Wolf Henzler hat großes fahrerisches Potenzial. Sein Klassensieg in Daytona zeigt erstens, dass der Porsche GT3 ein absolut zuverlässiges Auto ist und zweitens, dass er in einem guten Team mitfährt: dem Farnbacher-Team. Daytona ist für Rennfahrer ein recht schwieriges Pflaster. Ja, das war schon eine sehr gute Leistung."Rallye-Weltmeister Walter Röhrl, der für Ihren Konzern auch Neuwagen testet, ist eine absolute Porsche-Galionsfigur, mit zahlreichen sportlichen Verdiensten über Jahrzehnte hinweg. Wolf Henzler ist, seit einigen Jahren, ein sehr erfolgreicher Porsche-Markenpokalfahrer. Welchen Stellenwert hat er für Porsche als Rennfahrer?Jürgen Pippig: "Ein Wolf beißt sich eben durch . . . Spaß beiseite. Man kann Wolf Henzler sicherlich nicht mit Walter Röhrl vergleichen, da fehlt noch einiges, aber er ist einer, der sehr großes Potenzial hat. Und den Daytona-Sieg auf einem schwierigen Rennkurs kann man nicht hoch genug einschätzen."Helfen Siege wie jene von Wolf Henzler eigentlich, dass das ohnehin gute Porsche-Markenimage noch verbessert wird?Jürgen Pippig: "Ja, selbstverständlich. Solche Siege sind eine besonders ehrliche Form der Werbung. Und diese Siege helfen in erster Linie Henzler, aber auch Porsche."Aber Einfluss auf die Porsche-Verkaufszahlen haben solche Siege wohl nicht . . .Jürgen Pippig: "Die Auswirkungen von Rennsporterfolgen auf den kommerziellen Porsche-Absatz sind nicht konkret messbar. Zweifellos verbessert jeder sportliche Erfolg aber das Markenimage. Der Elfer-Fahrer will schließlich in einem Winner-Auto sitzen."Nach dem Gewinn von drei Weltmeisterschaften in den glorreichen Achtzigerjahren mit McLaren hat sich Porsche aus der Formel 1 komplett zurückgezogen, unterbrochen nur von einem kurzen Comeback. Wann steigt Porsche in die Königsklasse wieder ein?Jürgen Pippig: "Zuerst einmal muss ich dementieren: Porsche hat sich seinerzeit nicht zurückgezogen, sondern lediglich McLaren keine Motoren mehr geliefert, weil der Vertrag ausgelaufen war. Es war die Nichtverlängerung eines Kundenauftrages, also kein Rückzug. Ansonsten ist die Formel 1 für Porsche derzeit definitiv kein Thema."Aus Kostengründen?Jürgen Pippig: "Sehen Sie sich doch einmal die Groß- und Weltkonzerne an, die in der Formel 1 vertreten sind: Fiat/GM, DaimlerChrysler, Renault, Toyota oder Honda. Die haben ein viel größeres Budget als Porsche. Nein, wir wollen diese Geldschlacht, die dort geschlagen wird, definitiv nicht mitmachen. Wir bauen unsere Rennwagen lieber für den Breiten- und Basissport und zeigen, welches Potenzial in unseren Serien-Fahrzeugen bereits steckt."Autos für Piloten wie Wolf Henzler. Was, glauben Sie, kann der 30-jährige Nürtinger in naher Zukunft sportlich noch erreichen?Jürgen Pippig: "Ich kenne seine genauen Zukunftspläne zwar nicht, aber mit seinem Triumph in Daytona hat Henzler gezeigt, dass er auch auf der Langstrecke zum erfolgreichen Routinier werden kann. Das Potenzial dazu jedenfalls hat er."Herr Pippig, wir danken für das Gespräch.

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