Lokalsport

Eine „doppelte Trainingseinheit“ für den Sieger

Citysprint: Hannes Genze erweist sich als unumstrittener Herrscher im 19-köpfigen Feld der Mountainbiker

Sie mühten sich redlich, doch gegen den großen Favoriten war auf den letzten Metern kein Kraut gewachsen. Mit seinem Start-Ziel-Sieg im Citysprint der Mountainbiker am Samstagabend demonstrierte der Sindelfinger Hannes Genze, warum er bei den deutschen Marathon-Meisterschaften in zwei Wochen als Topfavorit gilt.

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Bernd köble

Kirchheim. Spannung ja, aber bitte nicht zu viel davon. Das mag sich der Mann im grün-blauen Trikot gedacht haben, als er mit einem fulminanten Antritt auf der Schlussrunde zehn Meter zwischen sich und seine Verfolger legte. Dem Antritt Genzes, des einzigen aktuellen Profis im 19-köpfigen Starterfeld, konnte auf den letzten Metern auch Altmeister Carsten Bresser nicht mehr folgen. Der Olympia-Achte von Sydney und einstige Magenta-Biker aus Neustadt an der Weinstraße hat sich im Herbst seiner Karriere zum Marathon-Spezialisten gewandelt. Sein Partner und neuer Teamkollege bei Rocky Mountain ist ein Mann, der erst in diesem Jahr das Fach gewechselt hat: Mit Ex-Gerolsteiner-Profi Volker Ordowski bestreitet Bresser in diesem Jahr die Tour Transalp.

Beide hatten sich kurzfristig für die Reise nach Kirchheim entschieden. Um dem Nachwuchs, wie sie sagen, „auf den Zahn zu fühlen.“ Das gelang zumindest einem: Während Ordowski sich mit Platz sieben begnügen musste, hielt Bresser an der Spitze die Spannung hoch. Gemeinsam mit Steffen Greger, dem Kapitän des Merida-Straßenteams, sorgte er dafür, dass das Rennen für den späteren Sieger nicht zum reinen Schaulaufen wurde. Der hatte nämlich schon beim Qualifying auf dem kurvenreichen Kurs durch die Fußgängerzone die schnellste Zeit vorgelegt und sich damit beim „Formel-eins-Start“ am Marktbrunnen die Pole-Position gesichert.

Im Ausscheidungsrennen über 35 Umläufe machten sich dann fünf „Überlebende“ auf die letzten sieben Finalrunden. Hinter dem Führungstrio mit Genze, Bresser und Greger, versuchten der Aalener Steffen Thum und Daniel Gathof (Vogt) den Anschluss an die Spitzengruppe zu halten. Thum sicherte sich mit einem beherzten Angriff vor dem letzten Hindernis in der Marktstraße Platz vier und erhielt bei der Zieldurchfahrt verdientermaßen Sonderapplaus. Ein Sonderlob gab es auch für die zwei einzigen Vertreter aus der Teckregion, die am Samstag dem olympischen Gedanken folgten: RKV-Biker Benjamin Vogel und U19-Fahrer Marco Tippmann (MTB Teck) hatten erwartungsgemäß mit dem Ausgang des Rennens wenig zu tun. Dafür nutzten beide die Chance zur Eigenwerbung vor heimischem Publikum. Der junge Marco Tippmann, der nach Platz sieben im Bundesliga-Juniorenrennen vergangene Woche in Heubach noch mit müden Beinen zu kämpfen hatte, behielt den Blick für die Realität: „Zu denen ganz vorne ist es schon mehr als ein Klassenunterschied.“

Ein solcher war auch an der entspannten Miene des Siegers abzulesen. „So richtig weh getan hat es eigentlich nur auf den letzten vier Runden“, verriet Hannes Genze, der mitten in den Vorbereitungen auf die Marathon-DM in zwei Wochen in Garmisch steckt. Der Europameister von 2005, der nach der überraschenden Auflösung des Albgold-Teams bei Merida einen Zwei-Jahres-Vertrag unterschrieb, ist heiß auf den Titel. Auch wenn auf der Marathonstrecke in alpinem Gelände andere Anforderungen als zwischen Kornhaus und Schlossgraben warten, „für die Attacken und Tempowechsel im Marathonrennen ist so ein Kurs wie in Kirchheim eine gute Trainingseinheit“, meinte der Sieger. Gleich eine doppelte, denn Genze stand wie sein Straßenkollege im Merida-Team auch am Sonntag beim Hauptrennen am Start.