Lokalsport

Eine Erfolgsstory ohne versöhnliches Ende

Der TSV Owen und sein Trainer Enrico Wackershauser gehen nach achtjähriger Zusammenarbeit zum Saisonende getrennte Wege. Kein handfester Ehekrach, eher ein Mangel an Perspektive, der die bis dahin erfolgreiche Liaison zum Scheitern brachte.

BERND KÖBLE

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OWEN Mangelnde Investitionsbereitschaft oder zu hohe Ansprüche? Geht eine Ehe in die Brüche, sind Erklärungen meist eine Frage des Standpunktes. Hohe Ansprüche sind es fraglos, die Enrico Wackershauser als Handballtrainer vertritt. Ohne die hätte der 47-Jährige Sportpädagoge als Aktiver kaum den Sprung in die höchste deutsche Spielklasse geschafft. Doch wer als Trainer den eigenen hohen Anspruch zum alleinigen Leitmotiv seiner Arbeit macht, der läuft Gefahr, am Ende enttäuscht zu werden.

"Stagnation ist tödlich", sagt Wackershauser und weil der TSV Owen beim fünften Anlauf zum Sprung in die Verbandsliga wieder einmal im entscheidenden Moment auf der Stelle tritt, haben beide Seiten am vergangenen Wochenende das Gespräch gesucht. Die Mannschaft braucht eine Initialzündung und dies, so sind inzwischen Verein und Trainer überzeugt, ist unter herrschenden Bedingungen etwa so einfach, als wollte man im Frühtau einen Flächenbrand entfachen.

Abnutzungserscheinungen nach acht Jahren der Zusammenarbeit, das wäre normal, reicht aber als alleinige Erklärung nicht aus. Die Owener Mannschaft, das macht der Saisonverlauf erneut deutlich, hat ihren leistungsmäßigen Zenit erreicht. Das obere Tabellendrittel in der Landesliga bis hierher stimmen Aufwand und Ertrag. Doch der Aufstieg in die Landesliga, mit Wackershauser vor fünf Jahren einer der größten Erfolge der Vereinsgeschichte, ist nicht das, womit man sich in Owen zufrieden geben wollte. Verbandsliga heißt das erklärte Ziel und daran scheiterte die Mannschaft in den vergangenen Jahren mehrfach in ähnlicher Weise: Einem glanzvollen Start folgte meist eine durchwachsene Rückrunde, um am Ende wieder mit leeren Händen da zu stehen.

Da scheint auch das Jahr 2005 keine neuen Erkenntnisse zu bringen, außer der, dass die Gelben sich selber treu bleiben. Nicht erst das verlorene Nachbarduell gegen den direkten Konkurrenten Weilheim und die jüngste Punkteteilung mit dem Tabellenletzten aus Weinstadt führten vor Augen, was hinter vorgehaltener Hand schon lange Thema ist: Der Truppe fällt es zusehends schwerer, ihr Defizit in puncto Fitness und Athletik zu kaschieren. Die jedoch sind mehr denn je die Basis für Erfolge mit modernen Spielsystemen. Das sieht nicht nur Enrico Wackershauser so, der schon seit längerem eine dritte Trainingseinheit unter der Woche fordert: "Warum sollen ausgerechnet wir aufsteigen, wenn andere mehr trainieren", lautet dessen einfache Formel. "Die Mannschaft hat es in der Hand, wohin die Reise in der kommenden Saison gehen wird", glaubt auch Mannschaftsbetreuer Ulrich Raichle, der erkannt haben will, dass der Trainer bei einigen routinierten Spielern inzwischen kein Gehör mehr findet. "Da war uns klar, wir müssen reagieren." Kein leichter Schritt, denn das Verhältnis zwischen Trainer und Abteilungsleitung sei nach wie vor intakt.

Auch jetzt, da Wackershauser jüngst vom Owener Publikum einiges an Kritik einstecken musste. Beirren ließ der sich davon nie. Der 47-Jährige ist zweifellos kein pflegeleichter Typ, erst recht kein Mann für Kompromisse. Doch auf dem Weg zum langfristigen Erfolg gab der Handball-Lehrer seinem Umfeld durch unkonventionelle Methoden immer wieder Rätsel auf. Die Einführung eines Abwehrsystems mit fünf vorgezogenen Defensivspielern war in der Landesliga ein Novum und rückte Wackershauser nach Startschwierigkeiten ins Kreuzfeuer der Kritik. Heute ist der offensive Abwehrverband ein probates Mittel auch gegen höherklassige Gegner. Mit Kritik lässt sich leben, so lange der Erfolg stimmt. "Wenn du aufsteigst, fragt keiner wie du trainierst", ist Wackershauser Realist. Nur: Der Aufstiegstraum droht in Owen zum Aufstiegstrauma zu werden.

Dabei hätte die Mannschaft das technische Potenzial, um auch in der Verbandsliga bestehen zu können, nicht erst seitdem mit den A-Jugendlichen Steffen Klett und Heiko Hoyler zwei hoffnungsvolle und bis in die Haarspitzen motivierte Talente den Sprung ins Landesligateam geschafft haben. Die Art und Weise wie dies gelang, gibt Trainer und Abteilungsleitung allerdings gleichermaßen zu denken: Statt behutsamer Integration kam der Wurf ins kalte Wasser. Vor allem der 17-jährige Steffen Klett fügt sich zusehends in die Rolle des Führungsspielers. Was beim Publikum ankommt, bereitet den Verantwortlichen Sorge: "Wenn sich erfahrene Spieler hinter einem 17-Jährigen verschanzen, ist etwas faul", nimmt Abteilungssprecher Ulrich Raichle kein Blatt vor den Mund. Als Mitglied einer dreiköpfigen Findungskommission, die jetzt die Weichen für die neue Saison stellen soll , kennt er das Gebot der Stunde: "Was wir jetzt brauchen, ist sicher kein Kumpeltyp." Doch die Saison ist noch lange nicht zu Ende, auch wenn der TSV Tabellenplatz zwei und damit die Relegation aus eigener Kraft nicht mehr erreichen kann.

Und Wackershauser? Der hält sich bisher alle Wege offen. Als Jugendbetreuer der SG Teck würde der Verein ihn gerne halten. Die Spielgemeinschaft mit den Limburgstädtern trägt seine Handschrift und inzwischen auch Früchte. Davon Abschied zu nehmen, fiele ihm sicherlich schwer. Vielleicht bleibt Wackershauser der Teckregion als Trainer sogar erhalten. Die Konkurrenz das lehrt die Praxis schläft nicht.