Lokalsport

Eine Minute Ewigkeit

Knights müssen bis zur letzten Sekunde um den Sieg auf Schalke bangen

Kirchheims Basketballer haben mit einem 89:85-Erfolg bei Schalke 04 zwei wichtige Punkte im Kampf um den Klassenerhalt in der Pro A erkämpft. Dank eines überragenden Adam Baumann und der besseren Nerven. In einer dramatischen Schlussphase gaben die Knights den sicheren Sieg fast noch aus den Händen.

Gelsenkirchen. Eine Minute war beim Stand von 71:82 „auf Schalke“ noch zu spielen. Die Kirchheimer Fans begannen bereits, den vermeintlich sicheren Sieg zu feiern, und auch Trainer Frenkie Ignjatovic lehnte sich schon entspannt zurück. Doch plötzlich wurde das Geschehen noch einmal hochdramatisch. Die Schlussminute kostete Kirchheims Coach zwei weitere Auszeiten und einige Nerven, ehe der Erfolg am seidenen Faden schließlich doch noch gerettet werden konnte.

Doch der Reihe nach: Wie schon in der Vorwoche gegen Karlsruhe fand Kirchheim nur schwer in die Partie. Zu häufig die Versuche der Knights, die Schalker Zonenverteidigung mittels Dreipunktewürfen zu überwinden. Bis zur 6. Minute gelang nur ein einziger Feldkorb, Schalke lag mit 10:3 in Front. Doch Frenkie Ignjatovic schien nach der deftigen Niederlage gegen Karlsruhe seiner Mannschaft eine Basketball-Binsenweisheit vermittelt zu haben: Auf der Basis guter Defensivarbeit ergeben sich in der Regel auch Vorteile in der Offensive. Dies wurde von den Knights nun konsequent umgesetzt, mit der Folge, dass Kirchheim bis zum Ende des ersten Viertels einen 16:2-Lauf hinlegte und nach zehn Minuten mit 19:12 in Führung lag.

Im zweiten Spielabschnitt verlief das Geschehen dann völlig ausgeglichen: Wieder einmal punktete Adam Baumann am erfolgreichsten, Schalke hielt dagegen, und so hatte sich am Vorsprung für Kirchheim bis zum Halbzeitpfiff nichts geändert. Mit 30:37 wurden die Seiten gewechselt. Diese Ausgeglichenheit setzte sich auch nach der Pause fort. Vieles deutete zu diesem Zeitpunkt schon auf eine spannende Schlussphase hin, zumal Schalke den Rückstand bis zum Ende des dritten Viertels (55:55) aufholen konnte. Im Schlussviertel drohte die Partie zunächst zu kippen. Zum ersten Mal seit Beginn übernahmen die Westfalen wieder die Führung. Kirchheim leistete sich eine eklatante Freiwurfschwäche und die Gastgeber wähnten sich, unterstützt vom lautstarken Publikum, bei ihrer 67:62-Führung (35. Minute) schon auf der Siegerstraße. Doch wieder war es eine sehr gute Defensive, die das Blatt noch einmal wendete. Kirchheim traf plötzlich von der Dreierlinie und Ballgewinne von Gordon Scott und Clifford Crawford erweckten den Anschein eines klaren Sieges. Elf Punkte Vorsprung (82:71) eine knappe Minute vor dem Ende, was kann da noch schiefgehen? So dachte Trainer Ignjatovic, so dachten auch die Fans und hatten die zwei Punkte schon auf der Habenseite verbucht. Nur: Kirchheims Spieler dachten offenbar ebenso, und das blieb nicht ohne Konsequenzen

Schalke machte keinerlei Anstalten, sich dieser Meinung anzuschließen und suchte seine letzte Chance im schnellen Abschluss durch Dreipunktewürfe. Vier Dreier nach nur kurzen Angriffen fanden innerhalb von 50 Sekunden zum Schrecken des Kirchheimer Anhangs ihr Ziel. Der Erfolg stand plötzlich wieder auf Messers Schneide. Hätten Gordon Scott und Adam Baumann nicht Nervenstärke bewiesen und die Freiwurfmisere auf den letzten Drücker beendet, die Teckstädter hätten die lange Heimreise womöglich doch noch ohne Erfolgserlebnis antreten müssen.

So jedoch hatten die Knights in einer Partie zweier ebenbürtiger Gegner das bessere Ende für sich. Ausschlaggebend dafür war die im Vergleich zur Vorwoche gegen Karlsruhe stark verbesserte Abwehrarbeit. Damit können Ignjatovic und sein Team nun auch mit Zuversicht in die schwere Heimpartie am kommenden Samstag gegen die Kaiserslautern braves gehen. Am Ende blieb noch der Blick auf Sascha Kesselring: Der Ex-Kirchheimer lieferte eine gute Partie ab und erzielte 14 Punkte für seine Farben. ste

VfL Kirchheim Knights: Tomasevic (3 Punkte/1 Dreier, Chennoufi (9/2), Baumann (31/1/15 Rebounds), Crawford (20/1/3 ­Steals), Scott (13/2/4 Steals), Tom Klemm (3/1), Heyden (10)

Erfolgreichste Werfer bei Schalke: Hall (29/6), Abercrombie (24)

Viertelergebnisse: 12:19, 18:18, 25:18, 30:34

Zuschauer: 600

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