Lokalsport

Eine Ohrfeige für die Dopingfahnder

Fumic-Brüder erringen Sieg vor dem Bundessportgericht – BDR legt Rechtsmittel ein

Die Fumic-Brüder haben in ihrem Rechtsstreit mit der Nationalen Anti-Doping-­Agentur (Nada) und dem Bund Deutscher Radfahrer (BDR) einen Sieg errungen. Das erst jetzt veröffentlichte Urteil vom Dezember schafft einen Präzedenzfall und könnte im Anti-Doping-Kampf weitreichendere Folgen haben.

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Bernd Köble

Kirchheim. Kein Sportler kann gezwungen werden, seine Aufenthaltsorte via Internetformular bei der Nada einzureichen, um für Dopingkontrolleure ständig erreichbar zu sein. Gegen das sogenannte ADAMS-System, über das sich jeder Sportler des nationalen Testpools quartalsweise an- und abmelden muss, gibt es datenschutzrechtliche Bedenken. Mit seinem Urteil vom 15. Dezember vergangenen Jahres stellt sich das Bundessportgericht des BDR auf die Seite von Lado und Manuel Fumic. Die beiden Kirchheimer Mountainbiker hatten sich dem ADAMS-System verweigert und ihre Aufenthaltsangaben der Nada formlos und auf dem Postweg zugesandt. Der BDR wertete dies als Meldeverstoß und verhängte am 11. April 2008, vier Monate vor Beginn der Olympischen Spiele in Peking, eine dreimonatige Sperre für die Kirchheimer, die er knapp drei Wochen später überraschend wieder aufhob. Eine Sperre, die so oder so nicht hätte verhängt werden dürfen, wie das Sportgericht jetzt entschied. Die Sportler seien ihrer Verpflichtung zur Abgabe der Whereabout-Meldung ordnungsgemäß nachgekommen, heißt es ein halbes Jahr später in der Urteilsbegründung.

Ein Passus, der mehr Brisanz birgt, als auf den ersten Blick zu erkennen ist. Denn nicht nur den datenschutzrechtlichen Bedenken der beiden Sportler wurde stattgegeben, sondern auch die formlose Meldung akzeptiert. In ihren Whereabouts des letzten Quartals 2007 und der beiden ersten Quartale 2008, die inzwischen auf der Fumic-eigenen Homepage veröffentlicht wurden, werden lediglich Wettkampftermine und Trainingslager angegeben, ansonsten aber auf die Erreichbarkeit unter der Privat- oder Firmenadresse verwiesen. ADAMS hingegen sieht eine lückenlose Dokumentation täglicher Aufenthaltsorte vor, die beide Kirchheimer als Eingriff in ihre Persönlichkeitsrechte ablehnen. Ein Präzedenzfall also, der möglicherweise eine Lawine lostreten könnte, auf jeden Fall jedoch das gesamte Kontrollsystem der Nada aufweicht und infrage stellt.

Beim BDR in Frankfurt hat man inzwischen Berufung gegen das Urteil eingelegt und will die Angelegenheit nicht einfach zu den Akten legen. Zumal dort seit Januar erst neue Lizenzvereinbarungen gelten, in die das Urteil letztlich einfließen müsste. Kein Kommentar, heißt es auch bei der Nada in Bonn. „Der BDR hat Rechtsmittel eingelegt, solange das Verfahren nicht abgeschlossen ist, werden wir uns nicht dazu äußern“, teilt Nada-Sprecherin Ulrike Spitz in knapper Form mit.

Die Situation ist angespannt und Fumic-Anwalt Markus Höss weiß auch warum: „BDR und Nada haben sich in dem Verfahren bisher nicht gerade mit Ruhm bekleckert“, meint der Stuttgarter Jurist, der beiden Seiten wachsweiches Handeln attestiert. Dass der BDR seine im April verhängte Sperre unter Verweis auf einen Formfehler postwendend wieder aufhob, lässt für den Anwalt nur einen Schluss zu: „Man wollte verhindern, dass die Sache vor einem ordentlichen Gericht geklärt wird.“ Hätte damals nicht Olympia vor der Tür gestanden, meint Höss, „hätten wir die Sache bis zum Ende durchgezogen.“

Peter Barth, der Vorsitzende des Bundessportgerichts in Frankfurt, hält die im Urteil geäußerten Bedenken für nicht gravierend und durchaus behebbar. Das Gericht bemängelte zum einen, dass ungeklärt sei, welche Konsequenzen Sportlern drohten, die von ihrem Widerspruchsrecht gegen die Datenerhebung Gebrauch machten, aber auch, auf welcher Rechtsgrundlage die Daten an andere Länder weitergegeben würden. „Ein einheitliches Datenkontrollsystem aller Nationen, die den Wada-Code unterzeichnet haben, wäre ein ganz großer Schritt“, meint Peter Barth. Dass das Urteil vom 15. Dezember erst jetzt bekannt wurde, erklärt Barth mit gängiger Politik beim BDR. Fumic-Anwalt Markus Höss, der den Richterspruch nun allen zugänglich machte, wählt deutlichere Worte: „Der BDR veröffentlicht nur, was ihm in den Kram passt.“

Breitseiten gegen den Radsportverband feuern auch die Fumic-Brüder auf ihrer Homepage ab. Sie tun dies inzwischen ohne Risiko, seit bekannt ist, dass beide für die kommende Saison eine Lizenz beim kroatischen Verband beantragt haben (wir berichteten). Beide erneuern dabei ihr Bekenntnis zu einem dopingfreien Sport. Doping gelte es zu bekämpfen, „aber bitte mit wirksamen und durchschlagenden Methoden“. Dem BDR unterstellen sie dabei „kopf- und zielloses Agieren“. Auch Markus Höss sieht in der Whereabout-Regelung kein wirksames Instrument gegen Doper. „Mit Whereabouts fängt man nur die Doofen.“ Solange bei kommerziellen Großveranstaltungen wie der Tour de France bereits entnommene Proben angeblich aus Kostengründen nicht lückenlos analysiert würden, seien die „Superjungs“ den Fahndern immer einen Schritt vo­raus. Der Sportrechts-Experte vermutet dahinter politische Gründe: „Die Tour wäre damit schlicht erledigt.“