Lokalsport

Eine Veranstaltung, die Lust auf mehr macht

KIRCHHEIM Was die Sporthalle Stadtmitte nicht schon alles erlebt hat: Basketball vom Feinsten, Luftpistolenschießen auf Top-Niveau,

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PETER EIDEMÜLLER

Handballspielfeste mit Rekordbeteiligung nun kann die Liste der Top-Events, die Heerscharen von Zuschauern in Kirchheims größte Sporthalle gelockt hat, um eine hochkarätige Veranstaltung erweitert werden: Zwei Tage lang gab in der Teckstadt alles, was im deutschen Damen-Kunstturnen Rang und Namen hat, einen Vorgeschmack auf die Turn-WM im Herbst in Stuttgart. Allen voran Oksana Chusovitina, Team-Olympiasiegerin von 1992 und dreifache Weltmeisterin, deren vier Einzelauftritte für das Turnteam Toyota Köln jeweils ehrfürchtiges Schweigen beim Publikum auslösten. Egal, ob Turn-Insider oder inte-ressierter Laiengucker: Was die 31-Jährige am Samstag beim Sprung, am Boden, auf dem Schwebebalken und am Stufenbarren zeigte, verdiente nur ein Prädikat: Weltklasse.

Doch waren die Darbietungen der gebürtigen Usbekin, die seit 2006 im Besitz der deutschen Staatsbürgerschaft ist, bei weitem nicht die einzigen, die den frenetischen Applaus der Zuschauer ernteten, im Gegenteil: Jede einzelne Übung während der rund dreistündigen Veranstaltung wurde mit Ovationen bedacht, die der Kirchheimer Turnerinnen verständlicherweise ein bisschen lautstarker. Exemplarisch hierfür der Auftritt von Nina-Florin Leikov am Stufenbarren: Nachdem die 23-jährige Tochter von VfL-Trainer Herbert Leikov zwei Mal absteigen musste, wurde sie prompt mit rhythmischer Klatschunterstützung des Publikums aufgemuntert. Tröstende Umarmungen der Teamkolleginnen folgten.

Überdies präsentierten sich alle acht in Kirchheim angetretenen Bundesliga-Mannschaften als verschworene Einheiten und zeichneten so ein durchweg sympathisches Bild ihrer Sportart. Vor allem am Boden feuerten die Teamkolleginnen die jeweils turnende Athletin lautstark an. Nach jedem Sprungelement tönte es an den einzelnen Geräten aus jeweils einem halben Dutzend Kehlen: "Steeeeeeeh" die verbale Untersützung des Teams war jeder Turnerin sicher.

Ebenso sicher war dem ausrichtenden VfL Kirchheim um Turn-Abteilungsleiter Wolfgang Sahm die Unterstützung der gesamten Turnabteilung: 180 Helfer trugen vor und hinter den Kulissen zum Gelingen der Mammutveranstaltung bei. Vom Geräteaufbau über das Zubereiten von Salaten bis hin zum Thekendienst hatten die VfL-Turner alle Hände voll zu tun schließlich soll unter dem Strich auch der eine oder andere Euro übrigbleiben. "Wir sind auf einen Gewinn angewiesen", sagt Wolfgang Sahm, "damit wir die laufenden Kosten für die Saison schultern können." Da kommt es den VfL-Verantwortlichen nicht ungelegen, dass zwei der drei restlichen Bundesligawettkämpfe (Karlsruhe am kommenden Wochenende und Heidelberg im Dezember) ohne größeren monetären Aufwand erreichbar sind.

Abseits aller Geldfragen konnte ein Gewinn sicher verbucht werden: Der Auftritt der Band "VfL-All-Stars" bereicherte die Szenerie nach Ende des Bundesligawettkampfs mit tanztauglicher Pop-Rock-Kost. Trainer Herbert Leikov (Gitarre), Abteilungsfotograf Jörg Weigele (Gitarre), Nachwuchscrack Simon Paul (Saxofon) sowie die beiden Sängerinnen Miriam Pogrzeba und Maren Sequens rundeten eine gelungene Turnveranstaltung musikalisch ab. Alles in allem wünscht man sich nicht nur deshalb eines: Eine Zugabe.