Lokalsport

„Eiskalt den Rücken gekehrt“

VfL-Kicker Eisenhardt, Laible und Hofstetter beziehen Stellung zum Oberligarückzug

Die VfL-Fußballer kommen nicht zur Ruhe. – Nachdem sich Abteilungsleitung und Trainer der zurückgezogenen Oberligamannschaft zu den Ereignissen der letzten Tage und Wochen bereits geäußert haben, beziehen nun die Spieler Position. Ihr Fazit: Weder Abteilungsleitung noch Gesamtverein haben sich für das sportliche Überleben der Mannschaft stark gemacht.

Bild: Christopher EISENHARDT (VfL Kirchheim) enttaeuscht, frustriertFussball Oberliga Baden-Wuerttemberg, 32. Spieltag, 07.05.20
Bild: Christopher EISENHARDT (VfL Kirchheim) enttaeuscht, frustriertFussball Oberliga Baden-Wuerttemberg, 32. Spieltag, 07.05.2011, Saison 2010/2011, FC 08 Villingen vs. VfL Kircheim, Villingen-Schwenningen

Kirchheim. In einer von den Spielern Christopher Eisenhardt, Maximilian Laible und Michael Hofstetter verfassten Stellungnahme, die dem Teckboten vorliegt, heißt es:

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„Die Entscheidung, die erste Mannschaft zurückzuziehen, kam für uns absolut überraschend. Lediglich wenige Tage vergingen zwischen einer Aufklärung über ein Finanzloch im Etat und der ultimativen Abmeldung vom Spielbetrieb. Diese kam für uns Spieler am vorletzten Dienstag wie aus heiterem Himmel. Noch am Tag zuvor fand ein Training statt, an besagtem Dienstag sollte dann eigentlich das letzte Vorbereitungsspiel stattfinden.

Die Entscheidung, die die Abteilungsleitung zusammen mit dem Gesamtverein getroffen hat, sowie die einzelnen Rollen, die die Beteiligten dabei inne hatten, können wir in keinster Weise nachvollziehen. Der Verein hat Spielern und Betreuern eiskalt den Rücken gekehrt – genau denen, die sich zum Teil jahrelang in den Dienst des Vereins gestellt und während dieser Zeit ihre privaten Interessen zurückgestellt haben.

Wenngleich die Fußballabteilung nicht das Aushängeschild des Vereins war, so hatten wir als Mannschaft zu keinem Zeitpunkt das Gefühl, dass sich eine Partei, weder Abteilungsleitung noch Gesamtverein, für unser sportliches Überleben stark gemacht hat. Festzuhalten bleibt, dass wir Spieler gewillt waren, durch Gehaltskürzungen unseren Anteil an der Überwindung der finanziellen Krise beizutragen.

Der VfL Kirchheim verlangte von uns Spielern zu Recht, dass wir uns mit unserem VfL identifizieren sollen und uns mit Herzblut in den Verein einbringen. Dies sollte aber eigentlich auch bei allen Verantwortlichen so sein. Aber genau dies haben wir als Spieler in den vergangenen Wochen leider nicht erkennen können.

Es ist es sehr schwierig, jemanden allein für dieses Desaster verantwortlich zu machen. Wir wollen davon absehen, Schuldzuweisungen auszusprechen. Unserer Ansicht nach fehlte es vor allem an ordentlicher Kommunikation und verbindlichen Absprachen zwischen den Instanzen Abteilungsleitung, Geschäftsführung und Trainer.

Als einen der Hauptgründe für das finanzielle Fiasko sehen wir aber vor allem das Scheitern des eingeschlagenen Konzeptes, mit hohem finanziellem Einsatz professionelle Strukturen schaffen zu wollen, um schnellstmöglichst in die Regionalliga aufzusteigen, ohne eigentlich die finanziellen Mittel dafür sicher in der Kasse zu haben.

Selbstkritisch räumen wir als Mannschaft ein, für die Ereignisse in gewisser Weise auch mitverantwortlich zu sein. Durch die meist mäßigen Leistungen bei Heimspielen in der vergangenen Saison gelang es uns nicht, eine Begeisterung für unseren Fußball in Kirchheim auszulösen. Schließlich trug auch diese Entwicklung dazu bei, dass sich Sponsoren zurückzogen.

Aus unserer Sicht ist es jedoch falsch zu sagen, das Produkt Oberliga-Fußball in Kirchheim sei nicht gewünscht. Gerade die Saison 2009/2010, in der dem VfL mit einer gefestigten Mannschaft fast der Aufstieg in die Regionalliga gelang und Heimspiele vor mehreren Hundert Anhängern ausgetragen wurden, beweist das Gegenteil. Über die Unterschiede zu heute kann man lang und breit diskutieren. Einerseits lag es sicherlich am Erfolg, der die Zuschauer anlockte. Andererseits wohl auch am Bekanntheitsgrad und der Beliebtheit der Spieler. Dies blieb in letzter Zeit aus.

Vor allem sollte das zukünftige Konzept beim Neuaufbau genau überdacht werden. Ob man bei 100 Zuschauern eine eigene Marketing-Abteilung braucht, ist dabei nicht entscheidend. Von größerer Bedeutung ist die Zusammenstellung des neuen Kaders für die Verbandsliga. In der vergangenen Saison hatten junge Eigengewächse bewiesen, dass sie sich schnell an das Niveau der Oberliga anpassen und Verantwortung übernehmen können. Mit Sicherheit wird es auch in Zukunft viele junge, talentierte Spieler in Kirchheim geben, die den Sprung in den Aktivenbereich schaffen. Gelingt es, diese Spieler an den Verein zu binden und dafür zu sorgen, dass eine eingeschworene Mannschaft auf dem Platz steht, so wird sich mittelfristig der Erfolg auch beim VfL Kirchheim wieder einstellen.

Für die Zukunft wünschen wir dem Verein trotzdem alles Gute, wollen ihm aber mit auf den Weg geben, seine Außendarstellung und das Konzept neu zu überdenken und beim Neuaufbau einen anderen Weg einzuschlagen und sich vor allem zukünftig realistische Ziele zu setzen, die finanziell auch umsetzbar sind, damit sich so ein Debakel für den VfL Kirchheim und das Umfeld nicht wiederholt.

Einen Dank an die Verantwortlichen, Helfer, Betreuer und Fans, die uns die ganzen Jahre immer unterstützt haben.“