Lokalsport

Entlastung aus Holland

Radrennfahrer Stefan Schumacher (Nürtingen) hat kein schlechtes Gewissen: Auf der gestrigen Pressekonferenz in Heidelberg konterte er die aktuellen Dopingvorwürfe gegen ihn mit einem Schreiben der holländischen Antidoping-Agentur.

HEINZ BÖHLER

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HEIDELBERG Wie berichtet, waren gegen den Nürtinger Profiradrennfahrer Stefan Schumacher massive Doping-Vorwürfe erhoben worden. Bei seinem Sieg bei der Rheinland-Pfalz-Rundfahrt soll Schumacher eine zu hohe Konzentration des Stimulanzmittels Cathin im Blut gehabt und damit gegen die Dopingregeln verstoßen haben.

Gestern nahm Schumacher im Beisein seines persönlichen Beraters Heinz Betz und seines Rechtsanwaltes Dr. Michael Lehner in einer Pressekonferenz in Heidelberg öffentlich zu den Vorwürfen Stellung und bekundete unmissverständlich, unschuldig zu sein.

Nach eigenem Bekunden leidet Schumacher, wie viele seiner Altersgenossen, darunter, dass ihm im Frühjahr die Schleimhäute anschwellen, die Nase zu laufen beginne und sich, ausgelöst von Blütenpollen, auch andere Schnupfensymptome einstellten. Bei Wettkämpfen wirke sich solches nachteilig aus, weshalb er von seiner Mutter Christine, einer in Nürtingen niedergelassenen Ärztin, ein Medikament gegen diese Beschwerden verschrieben bekommen hatte. Der einzig darin enthaltene Wirkstoff Norpseudoephedrin steht so nicht auf der offiziellen Dopingliste Umkehrschluss: Wer nicht weiß, dass es mit eben jenem Cathin identisch ist (das bei Stefan Schumacher im Urin gefunden worden war), muss es demnach für erlaubt halten. Das tat nach den Aussagen der Schumacher-Vertreter auch der Teamarzt des Shimano-Teams, für das Schumacher seit Anfang des Jahres tätig ist. Nicht nur er: Eine schriftliche Anfrage jenes Dr. Janssen an die holländische Antidoping-Agentur wurde von einer Penelope Di Lella sinngemäß wie folgt beantwortet (Auszug): "Auf Ihre Anfrage kann ich Ihnen mitteilen, dass das Mittel Norpseudoephedrin kein Stoff ist, der auf der letzten Dopingliste der Welt-Antidoping-Agentur (WADA) vom 1. Januar 2005 steht."

Der Athlet selbst hatte darauf bestanden, alle Zweifel an der Zulässigkeit des Mittels Antiadipositum X 112 auszuräumen, bevor er es, wie er versicherte, an jenem 14. Juni zum ersten Mal zu sich nahm. Deshalb war er später wie vor den Kopf gestoßen, als er erfuhr, man habe Cathin bei ihm festgestellt, was er noch nicht einmal dem Namen nach geschweige denn als Wirkstoff kannte. Internetrecherchen hätten ihn dann auf die Spur gebracht. Seither weiß er, was, wie er erfahren musste, vielen Pharmakologen und Ärzten unbekannt war: Cathin und Norpseudoephedrin sind identisch.

Dass dies nicht zweifelsfrei aus den internationalen Dopinglisten hervorgeht, stellt für Schumachers Betreuer Heinz Betz eine nicht erfüllte Bringschuld der Verbände dar. In vollem Umfang erfüllt sieht er dagegen die "Holschuld" seines Schützlings, dem seiner Meinung nach noch umfangreichere Bemühungen um einen verlässlichen Bescheid kaum zuzumuten gewesen wären. Auch Rechtsanwalt Dr. Lehner, sonst eher als Kritiker des Radzirkus wegen der vielen Grauzonen im Dopingbereich bekannt, sieht im Falle Schumacher eindeutig die Schuld bei den Erstellern der Listen und der Verbände, die hier die Fahrer einfach im Regen stehen ließen. Es könne nicht sein, dass ein Fahrer, der sich alle Mühe um die Klärung der Zulässigkeit eines Medikaments gegeben habe, für die Nachlässigkeit der Verantwortlichen gerade stehen soll.

"Da dieser Fall so klar liegt", wolle man auf eine Öffnung der B-Probe verzichten und sehe der in den nächsten Tagen anstehenden Anhörung durch den Bund deutscher Radfahrer mit aller Zuversicht entgegen. Dr: Lehner: "Alles andere als ein Freispruch wäre in diesem Fall absurd."