Lokalsport

Entscheidung rückt näher

Wer erhält eine Lizenz für die Pro A?

Die Spannung steigt: Möglicherweise wird der Gutachterausschuss der Jungen Liga (DJL) noch diese Woche seine Entscheidung bekannt geben, welche Mannschaften in der kommenden Saison in der Basketball-Pro-A vertreten sein werden. Bis dahin bleibt das Ganze ein Schachspiel, das selbst für Experten schwer durchschaubar ist.

Bild: Radivoj TOMASEVIC #4 (Kirchheim Knights) und Headcoach / Trainer Branislav Frenkie IGNJATOVIC (Kirchheim Knights)
Bild: Radivoj TOMASEVIC #4 (Kirchheim Knights) und Headcoach / Trainer Branislav Frenkie IGNJATOVIC (Kirchheim Knights)

Kirchheim. Erinnern Sie sich an den 4. Mai 2012? Das Final-Hinspiel gegen den späteren Meister MBC hatten die Knights gerade mit 88:82 gewonnen und die halbe Stadt diskutierte plötzlich darüber, in welcher Halle die unglaubliche Geschichte vom Erstligisten Kirchheim womöglich doch noch wahr werden könnte. Beim Kooperationspartner in Ludwigsburg nahm man das Treiben unter der Teck damals mit einer Mischung aus Staunen und latentem Unbehagen zur Kenntnis.

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Jetzt wird wieder über einen möglichen Standortwechsel diskutiert. Nicht in Kirchheim, wo man in der neuen Saison keinerlei Kapazitätsprobleme haben dürfte. Diesmal in Ludwigsburg. Eine mögliche Rückkehr in die alte Rundsporthalle schließt Klubchef Alexander Reil nach dem Abstieg am Samstag zwar kategorisch aus, doch sollten die Neckar Riesen tatsächlich runter müssen, wird man sich zwangsläufig die Frage stellen, ob die Miete für eine halb gefüllte MHP-Arena nicht an anderer Stelle mehr Rendite brächte.

Aus der Südwest-Perspektive betrachtet war der Samstag der passende Schlusspunkt hinter ein verrücktes Basketball-Jahr, indem nichts so lief, wie es laufen sollte. „Wir waren vom Können her sicher nicht die zweitschlechteste Mannschaft der Liga“, hat Ludwigsburgs Coach John Patrick nach der Niederlage in Frankfurt bemerkt. Der Satz hätte genauso gut von seinem Kirchheimer Kollegen Frenkie Ignjatovic stammen können. Der Absturz der schwäbischen Zweier-Seilschaft hat die vertrackte Schach-Partie um Klassenzugehörigkeit im neuen Jahr um ein paar mögliche Züge bereichert.

Wer im Herbst in welcher Liga an den Start gehen wird, diese Frage ist offener denn je. Womöglich noch in dieser, spätestens in der kommenden Woche wird die DJL die Entscheidung des Gutachterausschusses über die Lizenzvergaben für die zweite Liga bekannt geben. In Kirchheim lebt die Hoffnung insgeheim weiter. Sowohl die Knights als auch die Neckar-Riesen haben noch immer die Chance, dass alles so bleibt, als wäre nichts geschehen. Einziger Unterschied: Die Ludwigsburger müssten dafür eine Viertelmillion Euro in eine mögliche Wildcard investieren. Die könnte Thema werden, wenn Pro-A-Finalist Düsseldorf auch weiterhin die Lizenz für die BBL verweigert würde. Stand heute fehlen den Rheinländern die Unterschriften unter allen relevanten Werbeverträgen.

Ein Faktum, das auch für Kirchheim interessant werden könnte. Denn Pro-A-Spielleiter Jochen Böhm­cker sagt zu Recht: „Wer für die BBL keine Finanzierung nachweisen kann, der kann dies womöglich auch für die Pro A nicht.“ Nicht der einzige Grund, weshalb der Mann im Hagener Liga-Büro das Kapitel Pro A für die Knights noch nicht schließen will. Wenn Böhmcker von „grundsätzlich positiven Signalen“ in Richtung Kirchheim spricht, dann meint er damit vor allem mögliche Aufstiegskandidaten aus der Pro B. Kraft Amtes hat Böhm­cker mit allen Klubs Gespräche geführt, die eine Lizenz für die Pro A beantragt haben. „Mir gegenüber hat noch kein einziger gesagt, dass er hoch will.“ Es bleibt dabei: Alles ist möglich. Reicht Düsseldorfs Trainer und Manager Murat Didin die Unterschriften seiner türkischen Geschäftspartner noch nach und sieht sich kein B-Ligist in der Lage, die Herausforderung Pro A zu stemmen, wäre die Kirchheimer-Ludwigsburger Partnerschaft eine gewesene. Denn dann stünden sich beide nach der Sommerpause womöglich als Liga-Konkurrenten gegenüber.

Ungeachtet aller Möglichkeiten basteln die Knights am Kader für die neue Saison. Am Dienstag und Mittwoch kommender Woche finden in der Sporthalle Stadtmitte unter Aus­schluss der Öffentlichkeit zweitägige Tryouts statt. Ein knappes Dutzend deutscher Spieler haben dazu eine Einladung erhalten. Das Signal ist deutlich: Man will den gleichen Fehler nicht noch einmal machen. Ignjatovic will Ende September mit fünf bis sechs Deutschen an den Start gehen – egal in welcher Liga.