Lokalsport

Erdmann gewinnt Silber und ist stocksauer

THOMAS PFEIFFER

KEHL/KIRCHHEIM Auch wenn Katja Holder (Fünfte über 200 m) und Ann Kathrin Fischer (Sechste über 100 m und 200 m) in ihrem ersten Frauenklasse-Jahr den Sprung aufs Treppchen verfehlten und Valerie Hess und Franziska Dobler im Sprint das Vorlauf-Aus erwischten: Gemeinsam sind sie stark. Die gelaufene Zeit dieser 4 x 100-m-Staffel (46,58 Sekunden/neuer Kreisrekord) brachte dem VfL Kirchheim in Kehl nicht nur die Vizemeisterschaft hinter der MTG Mannheim (45,57) ein, sondern auch verbalen Lorbeer des Trainers. "Damit steht meine Frauenstaffel in der deutschen Jahresbestenliste entweder auf Platz vier oder fünf", sagte Micky Corucle, der nun erwartungsfroh den deutschen Meisterschaften in Erfurt (21./22. Juli) entgegenblickt. "Vielleicht ist jetzt sogar eine Medaille drin."

Mit Sicherheit muss dann eine weichen für Anja Wackershauser, die "gesetzt ist" (Corucle). Die 19-jährige Tochter des früheren Handball-Bundesligaspielers Enrico Wackershauser empfahl sich durch einen Doppelsieg über 100 Meter (12,03) vor der Lahrerin Jacqueline Gyßler (12,15) sowie über 200 Meter (24,54) mit exakt drei Zehntelsekunden Vorsprung vor der Pliezhausenerin Anja Birk nachdrücklich für die beschleunigte Rückkehr ins VfL-Staffelquartett. In Kehl hatte Corucle die frisch gebackene Abiturientin mit der Durchschnittsnote 1,3 aus physischen Gründen nicht im Team berücksichtigt. Eine Maßnahme, die Früchte trug: Als es drauf ankam, war Wackershauser so schnell, dass es im 200-Meter-Frauenfinale hinter Johanna Kedzierski (23,73/MTG Mannheim) zur Silbermedaille gereicht hätte.

Wie gut das Mädchen aus dem VfL-Talentschuppen nach dem vorangegangenen "Seuchenjahr" mit monatelanger Krankheits- und Verletzungspause 2007 in Form gekommen ist, zeigt der Blick auf ihre Erfolgsliste. Sowohl bei den baden-württembergischen Hallenmeisterschaften als auch jenen soeben unter freiem Himmel räumte Wackershauser mit jeweils zwei Jugend-Titeln kräftig ab. Quietschvergnügt steuerte sie ("optimal gelaufen") gestern einen einwöchigen Wien-Urlaub an.

Gründlich die Laune verdorben hatte es Hürdensprinter Lukas Erdmann in Kehl, wo er als sichtlich Schnellster im Endlauf-Feld an den letzten drei Hürden noch die Goldmedaille vergeigte. "Da habe ich das Nachziehbein hängen lassen", analysierte er im Fachjargon später selbstkritisch die entscheidende Rennsituation, die ihn erst aus dem Tritt und dann auf den ungeliebten zweiten Platz hinter dem Offenburger Bühler (14,06) brachte. Erdmann (14,47) war über seinen Fauxpas, die Silbermedaille und ein später grün und blau gefärbtes rechtes Sprunggelenk so sauer, dass "ich ausgeflippt bin wie noch nie nach einem Wettkampf". Weil ein Unglück selten allein kommt, verpasste Erdmann ("ich habe einen Titel verschenkt") zu allem Übel die Qualifikation für die Universiade sowie als Schlussläufer der Kornwestheimer 4 x 100-Meter-Staffel um genau drei Hundertstelsekunden die Goldmedaille. Sieger vor dem Salamander-Quartett ohne Tobias Unger (Startverzicht in Kehl) wurde LAV Asics Tübingen (41,10).

Zufrieden mit ihrem Abschneiden war derweil die Ötlinger 800-Meter-Läuferin Christina Krüger (2.15,16 Minuten), die im Dress des VfL Sindelfingen direkt hinter der neuen Titelträgerin Marion Leiberich (2.14,63/Karlsruher SC) ins Ziel kam. "Meine Gegnerin war an diesem Tage einfach stärker", gab Krüger zu, die das Duell erst auf den letzten Metern verlor. Weil es mit der Sindelfinger 4 x 400-Meter-Staffel zur Bronzemedaille reichte, war's für sie im Gegensatz zum Hürden-Kollegen Erdmann ("ich will bei der DM in den Endlauf") ein gelungener Tag.

Im 100-Meter-Hürdensprint hatte Stefanie Lichtl aufgrund bevorstehender Meetings (U23-EM, DM) auf die Finalteilnahme verzichtet.

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