Lokalsport

Erdmann und Unger steuern auf Kurs

Schneller, höher, weiter das Credo der Leichtathleten wird ab morgen wieder die Schlagzeilen mitdiktieren: Im Sindelfinger Glaspalast finden am Samstag und Sonntag die baden-württembergischen Hallenmeisterschaften der Aktiven und Jugend statt. Athleten aus Kirchheim und Umgebung haben bei den Titelvergaben ein gewichtiges Wörtchen mitzureden, nicht zuletzt, weil einige ihre Erfolge aus dem Vorjahr verteidigen wollen.

PETER EIDEMÜLLER

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KIRCHHEIM Unterwegs in Sachen Titelverteidigung allen voran Tobias Unger (LAZ Salamander Kornwestheim), der sich anschickt, über 60 m und 200 m erneut Landesmeister zu werden. Stets im Hinterkopf des 26-jährigen Kirchheimers: Die DLV-Norm über 60 m für die Hallen-WM in Moskau Ende März. Die steht bei 6,60 Sekunden gleichbedeutend mit Ungers persönlicher Bestzeit. Nach dem Willen seines Trainers Micky Corucle steht die WM-Teilnahme jedoch nicht im Vordergund. "Tobias soll die 60 m ordentlich laufen, aber Moskau ist Nebensache", sagt er. Ähnlich sieht's sein Zögling: "Als 200 m-Spezialist sind die 60 m etwas zu kurz für mich. Trotzdem wäre die WM-Teilnahme natürlich eine schöne Sache." Der Einstieg in die Hallensaison vergangene Woche beim Meeting in Mannheim lässt zeitenmäßig allerdings noch keine Rückschlüsse zu: Unger gewann den Kurzsprint locker in 6,78 Sekunden vor Ernest Osei (USC Heidelberg/6,91).

An gleicher Stelle aufhorchen ließ Hürdensprinter Lukas Erdmann. Der Weilheimer Team- und Trainingskamerad Ungers setzte mit seiner Siegeszeit von 7,99 Sekunden in Mannheim über die 60 m Hürden ein Ausrufezeichen. "Mit der Zeit bin ich sehr zufrieden", verrät der 22-Jährige, dessen Bestleistung über den kurzen Hindernissprint bei 7,92 Sekunden liegt einer Zeit, mit der er im vergangenen Jahr bei den deutschen Hallenmeisterschaften in den Endlauf gestürmt war, um dort dann respektabler Siebter zu werden. Nicht zuletzt deswegen sieht Erdmann, der unlängst sein Vordiplom in Wirtschaftswissenschaften bestand, gute Chancen, wie im vergangenen Jahr erneut Landesmeister zu werden: "Eine Titelverteidigung ist durchaus drin", ist er optimistisch. Sein ärgster Konkurrent für dieses Vorhaben ist Andreas Dengler vom VfL Sindelfingen in der jüngeren Vergangenheit Erdmanns Dauerrivale auf Landesebene, wie auch Micky Corucle weiß: "Die duellieren sich seit Jahren." Vorteile sieht Corucle dennoch bei seinem Schützling Lukas Erdmann, denn: "Dengler hat momentan Probleme mit der Achillesferse, kann nicht richtig laufen".

Probleme ganz anderer Art plagen die hoch gelobte A-Jugendstaffel des VfL Kirchheim. Mit Anja Wackershauser fällt eine der vier pfeilschnellen Sprinterinnen krankheitsbedingt aus: Diagnose Lungenentzündung. Als Ersatz hat VfL-Coach Corucle Melanie Föll ("Die ist topfit") eingeplant. Nachdem aber die Neu-Kirchheimerin Valerie Hess an einer Oberschenkelverhärtung laboriert, fallen Corucles Erfolgsaussichten für die 4 x 200-m-Staffel eher schlecht aus: "Es sieht nicht gerade rosig aus, die Mädchen müssen richtig kämpfen." Mit einer Kampfansage an die starken Staffeln aus Dortmund und Wattenscheid, auf deren Augenhöhe Insider das VfL-Quartett nach dem Zugang von Hess wähnen, ist angesichts dieser Probleme (noch) nicht zu rechnen. In den Einzelkonkurrenzen spekuliert der rumänische Übungsleiter aber durchaus auf Podestplätze. So sieht er Ann-Kathrin Fischer (60 m) und Katja Holder (200 m) als Mitfavoritinnen auf die vorderen Plätze an. Vor allem Fischer sei laut Corucle in bestechender Verfassung, nachdem sie beim Mannheimer Meeting souverän den 60-m-Wettbewerb gewonnen hatte. In 7,66 Sekunden blieb sie über zwei Zehntelsekunden vor der zweitplatzierten Anna-Maria Weber (MTG Mannheim).

Hinter den Erfolgsaussichten von Stephanie Lichtl (Salamander Kornwestheim) steht noch ein Fragezeichen. Auch die Hürdensprinterin aus Kleinbettlingen war beim Mannheimer Meeting erfolgreich, gewann die 60 m Hürden ungefährdet in 8,41 Sekunden. Allerdings hat die in Kirchheim trainierende Studentin dort einen Zug abbekommen, leidet seitdem unter einem steifen Hals. Einen Start im Weitsprung, wo sie im vergangenen Jahr mit 6,03 m Vizemeisterin wurde, wird es demnach nicht geben. Lediglich über die 60 m Hürden wird sie sich mit den Besten messen können was ihr vor einem Jahr aufgrund einer Hüftverletzung noch verwehrt geblieben war.

Die leichtathletischen Sorgenkinder der Region zumindest was die Hallensaison angeht sind Marc Kochan (Salamander Kornwestheim) und Christina Krüger (LG Teck). Während der 27-jährige Sprinter aus Kirchheim berufsbedingt nur noch wenig Zeit zum Trainieren findet und die Hallensaison bereits abgehakt hat, plagen die 17-jährige Mittelstrecklerin aus Ötlingen Verletzungssorgen: Eine Knochenhautentzündung verdammte Krüger vor Jahresfrist zur Untätigkeit: "Ich habe vier Wochen lang überhaupt nicht trainiert, weil es so weh getan hat." Dazu gesellte sich noch eine Blinddarmreizung, sodass an eine Teilnahme an den Landesmeisterschaften aufgrund des Trainigsrückstandes nicht zu denken war. "Das wäre zu früh gewesen. Da hätte ich mich bloß geärgert, wenn die anderen mir davongelaufen wären." Beim Hallenmeeting in Karlsruhe in einer Woche wird die Gymnasiastin über 800 m allerdings mitlaufen. "Wahrscheinlich werde ich da als Tempomacherin mitmachen, also nach 600 Metern aussteigen." Die Wettkämpfe in Sindelfingen am Wochenende wird sie, die im vergangenen Jahr Dritte über 400 m der A-Jugend wurde, aber auf alle Fälle als Zuschauerin verfolgen: "Das lasse ich mir nicht entgehen."