Lokalsport

Erfolglos nur beim Feiern

Die Ringer der KG Kirchheim-Köngen sind auch im Aufstiegsjahr für Überraschungen gut

Zweimal in Folge die Stufen erklommen, zweimal hatte niemand eine Aufstiegsfeier geplant. Wo gibt‘s denn so was? Bei den Ringern der KG Kirchheim-Köngen werden die größten Erfolge nach Saisonende eingestrichen. Heimlich, still und leise hangelt sich der künftige Verbandsligist durch die Hintertür nach oben.

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Bernd Köble

Kirchheim. Scherzfrage: Wann hat die KG Kirchheim-Köngen definitiv keine Aufstiegschancen mehr? Antwort: am ersten Wettkampftag der neuen Saison. Ansonsten ist mit der Kampfgemeinschaft immer zu rechnen, wie die jüngste Vergangenheit zeigt: Platz drei in der Relegation reichte in der Saison 2007/2008 für den Aufstieg in die Landesliga, jetzt genügt gar Tabellenplatz vier für den nachträglichen Einzug in die Verbandsliga. Beides entspricht zwar nicht den Gesetzmäßigkeiten der Liga, dafür dem sprichwörtlichen Glück, das dem Tüchtigen beschieden sei. Erst war es Verbandsligist VfL Winterbach, nun ist es der Landesliga-Konkurrent aus Gemmrigheim, die mit ihrem überraschenden Rückzug aus dem Wettkampfbetrieb der KG als Steigbügelhalter dienen.

Unverhofft – auf jeden Fall, unverdient – keineswegs. Obwohl zu Saisonbeginn kaum jemand im Verein auch nur einen Pfifferling auf den Aufsteiger gewettet hätte. Gut, dass wenigstens einer auf die Kraft des positiven Denkens setzte: „Ich wusste, was in der Mannschaft steckt“, sagt KG-Trainer Tomasz Dec, für den zumindest der Klassenerhalt schon zu Saisonbeginn beschlossene Sache war. Selbst dann noch, als feststand, dass mit Pawel Janiak und Miroslaw Jurczyszyn beide polnische Neuzugänge nach einem schweren Verkehrsunfall nicht würden antreten können. Dafür sprangen andere in die Bresche, die offenbar längst noch nicht zum alten Eisen zählen: Wolfgang Brandner beispielsweise, 41 Jahre jung und ehemaliger Trainer, oder der 36-jährige Michael Eisele, der die Gewichtsklasse bis 120 Kilo bei der KG am Leben hält.

Mit beiden Routiniers plant Tomasz Dec auch für die kommende Saison in der Verbandsliga und wieder lässt sich der Trainer in seinem Optimismus nicht beirren. „Wenn wir von Verletzungen verschont bleiben“, meint der 38-Jährige, der selbst einer der Punktgaranten in der Mannschaft ist, „dann können wir in der oberen Tabellenhälfte mitmischen.“ Was Dec dabei nicht verschweigt: Die Unbekannten auf dieser Rechnung sind zahlreich. Die spannendste Frage lautet: Bleibt Alexander Meinero? Das Riesentalent, mit 19 Jahren eine Grundsäule der Mannschaft, hat mehrere Angebote von Ligakonkurrenten vorliegen, und dies wurmt Dec am meisten. „Ginge er in die Regionalliga, würde ich ihm gerne viel Glück wünschen“, meint er. So bleibt ihm nichts weiter, als auf die Loyalität des Dritten bei den diesjährigen Landesmeisterschaften der Junioren zu bauen.

Doch auch hinter anderen Namen stehen Fragezeichen: Ob der inzwischen genesene Pawel Janiak in Kirchheim einen zweiten Versuch wagt, hängt davon ab, ob es gelingt, dem Polen einen Arbeitsplatz hier zu besorgen. Krzysztof Lusiak hat einen solchen, doch dem 37-Jährigen, der wie Dec schon polnischer Meister war und mit seinem ehemaligen Nationalmannschaftskollegen auch den Arbeitgeber teilt, fehlt bislang noch der Wille. Lusiak steht für den Verein als Schiedsrichter an der Matte und würde sich gerne auf die zweite Mannschaft beschränken.

Neben Überzeugungskünsten werden in den kommenden Wochen auch die guten Kontakte des Trainers in sein Heimatland gefragt sein. Zwei neue Kräfte sind auf seinem Wunschzettel vermerkt, um vor allem in den Klassen 120 und 55 Kilo Alternativen zu haben. „Dort“, so vermutet er, „werden wir in der Verbandsliga am ehesten Schwierigkeiten bekommen.“ Der eigene Nachwuchs ist zwar zahlreich, doch durchweg zu jung, um in der kommenden Saison zur ersten Mannschaft aufschließen zu können. Bis zum Beginn der Vorbereitung im April heißt es folglich, den Transfermarkt gut im Auge zu behalten und auch den weiten Weg ins Heimatland nicht zu scheuen. Ein schwieriges Unterfangen, zumal in Krisenzeiten. Denn um schlagkräftige Verstärkung an Land zu ziehen, braucht es neben guten Argumenten vor allem einen Ausbildungs- oder Arbeitsplatz. Dass in der Verbandsliga auch Geld längst eine Rolle spielt, macht die Sache nicht leichter. Auch eine Klasse höher kann die KG bestenfalls mit dem gleichen Etatvolumen wie im Vorjahr rechnen. Bis zur Stunde gibt es auch dafür noch keine Zusage der wichtigsten Sponsoren.

Bescheidenheit ist in der Ringer-Szene keine Zier. Mit wenigen Ausnahmen stehen in den meisten Clubs Trainingsbedingungen und das gesamte Umfeld in krassem Missverhältnis zur sportlichen Leistung. Zwei Trainingstermine pro Woche, jeweils einen in der baufälligen Alleenschul-Turnhalle und in der Burgschule in Köngen – mehr ist auch in der Verbandsliga nicht drin. Positiv dabei: Not schweißt zusammen und so helfen sich die konkurrierende Vereine mit gemeinsamen Trainingseinheiten gegenseitig aus, um vorhandene Kapazitäten besser zu nutzen. Gegner in der Liga, Partner im Training – ein Zustand, der in anderen Sportarten wohl seinesgleichen sucht.