Lokalsport

Erfolgreiche Aufholjagd in den Dolomiten

Der sechste Platz am sechsten Tag: Jürgen Bauer und Stephan Schiele steuern bei der Transalp-Challenge auf Erfolgskurs. Nach Bauers Sturz am Montag, bei dem das Duo mehr als zwei Stunden einbüßte, ist das Ziel ein Platz unter den besten 15 wieder in greifbare Nähe gerückt.

BERND KÖBLE

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ALLEGHE Am Ende musste selbst Vorjahressieger Mannie Heymanns dran glauben. Der Marathon-Profi aus Namibia mit Wohnsitz in Nürtingen sah sich am Anstieg zur 2277 Meter hoch gelegenen Forcella Amprizzola gestern plötzlich mit der Rückenansicht des Schwaben-Duos konfrontiert. Heymanns und sein namibischer Teamkollege Marc Bassingthwaighte bis dahin immerhin Siebte der Gesamtwertung waren gestern zwar nicht die einzigen aber doch die prominentesten Opfer, die Bauer und Schiele auf der Dolomiten-Etappe von Sankt Vigil nach Alleghe überholten. "Wir fühlen uns von Tag zu Tag stärker", war Bauers Kommentar im Ziel. "Vor allem Stephan hat am Berg momentan richtig Dampf." Schiele gilt als der Stärkere im Anstieg, Bauer ist der bessere Abfahrer von beiden. Unterm Strich zählt die Gesamtleistung, denn beide Fahrer eines Teams dürfen laut Reglement nicht mehr als zwei Minuten auseinander liegen. Mit Platz sechs auf der 74 Kilometer langen Etappe über 2907 Höhenmeter erzielten die beiden gestern nicht nur ihr bislang bestes Tagesresultat, sie rückten damit im Gesamtklassement auf Platz 16 vor begünstigt vom unglücklichen Ausscheiden der Favoriten Bart Brentjens und dem Innsbrucker Martin Kraler, die bis dahin an zweiter Position lagen. Kraler war gestern nicht mehr an den Start gegangen, nachdem er sich bei einem Sturz bereits am Sonntag eine Quetschung der Gallenblase zugezogen hatte.

Ein Schicksal, das auch Bauer und Schiele hätte treffen können: Nach Bauers Sturz am Montag auf der Etappe von Neukirchen am Großvenediger nach Lienz sah es kurz so aus, als müssten die beiden vorzeitig die Segel streichen. Doch am Abend kam die Freigabe durch den Arzt. Nachdem sich der Verdacht auf Nasenbeinbruch beim Kirchheimer nicht erhärtet hatte und in der Nacht keine Verschlechterung eintrat, schlossen die Mediziner eine Gehirnerschütterung aus.

Die vierte Etappe am Dienstag über 70,4 Kilometer und 3 700 Höhenmeter von Lienz nach Sexten und damit quer durchs Herz der Dolomiten verlief dann anders als geplant. "Wir wollten nach dem Sturz den Tag im Schongang angehen und auf den folgenden Etappen nochmals aufdrehen", verrät Jürgen Bauer, der sich von seinen Verletzungen rasch erholt zeigte. "Bereits am ersten Berg, hinauf auf den 2 200 Meter hohen Hochstein mit Steigungen bis zu 22 Prozent haben wir gemerkt, dass die Beine gut sind", meint Bauer. Also wurde die Taktik kurzfristig geändert und zum Angriff auf das Gesamtklassement geblasen. Am steilen Anstieg zur Silianer Hütte gelang es Bauer und Schiele, ein holländisches Team zu überholen und zum Adidas South Africa Team aufzuschließen, das in der Gesamtwertung Platz 13 belegt. Gemeinsam mit den beiden Südafrikanern Kevin Evans und Ben Melt Swanepoel ging es in die letzte Abfahrt. Im Zielsprint hatte das Team von der Südhalbkugel um nur eine Sekunde die Nase vorn. Mit dem elften Platz an diesem Tag schoben sich die Fahrer vom Team Fun&Bike/Scott Heilenmann in der Gesamtwertung auf Platz 21 nach vorn.

Am Mittwoch ging die Aufholjagd dann munter weiter: Etappe Nummer fünf führte über 94 Kilometer von Sexten nach Sankt Vigil. Das Höhenprofil an diesem Tag mit 2850 Höhenmetern vergleichsweise harmlos. Doch bei Bauer hatte das hohe Tempo am Vortag Spuren hinterlassen. Beim ersten größeren Anstieg an diesem Tag, hinauf zur Plätzwiese, zog sich das Feld in die Länge. Während Stephan Schiele sich in der Spitzengruppe behaupten konnte, hatte Bauer erstmals Schwierigkeiten mitzugehen. "Irgendwie gingen die Beine nicht auf und es fehlte die letzte Kraft", musste der Kirchheimer eingestehen. Am Ende der fünften Etappe reichte es dennoch zu Platz 16 und einem weiteren Sprung nach vorn in der Gesamtwertung.

Nach der gestrigen Etappe steht den Bikern heute ein landschaftlich großartiger Streckenabschnitt durch das Civetta-Gebiet mit drei Passüberquerungen bevor. Über 72 Kilometer und 2724 Höhenmeter geht die Fahrt von Alleghe zum heutigen Etappenziel Belluno, bevor am Samstag dann auf dem Weg nach Jesolo die Po-Ebene zu durchqueren ist. Von einer abschließenden Flachetappe kann dennoch nicht die Rede sein: Auf den letzten 120 Kilometern bis zum Ziel an der Adria haben die Fahrer immerhin noch eine Differenz von 1798 Höhenmeter zu bewältigen.