Lokalsport

Erfolgrezept: Formanstiegund Blitz-Transfer

Keine Zweifel: Der 97:91-Sieg der Kirchheim Knights gegen den USC Freiburg im Abstiegsderby war ein Erfolg des ganzen Teams. Endlich einmal brachten gleich mehrere Spieler gute Form, und dann passte auch sonst noch so viel zusammen.

MAX DANIEL

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KIRCHHEIM Ross Jorgusen beispielsweise bestätigte seine Aufwärtstendenz der vergangenen Wochen und lieferte seine bisher beste Leistung ab. Tom Klemm und Alex Zyskunov spielten deutlich über ihrem Schnitt, Kostas Karamatskos stellte sein Ego zurück und ackerte fast fehlerlos für die Mannschaft. Bill Goehrke schmorte zwar ewig auf der Bank, aber als er kam, setzte er mit einem unglaublichen beidhändigen Tip-Dunk das eigentliche Highlight des Abends. Nur Kai-Uwe Kranz fand nicht aus seinem Tief, aber das war an diesem Abend zu verschmerzen.

Auch, weil es diesmal zwei Matchwinner gab: Antonis Sivorotka und den Neuen, Tim Burnette. Sivorotkas Steigerung hatte recht banale Gründe: Er hat bei seinem Ausbildungsbetrieb in Ulm nun erreicht, nicht mehr morgens um sechs Uhr anfangen zu müssen. Wegen des frühen Arbeitsbeginns hatte der gebürtige Ukrainer in den letzten Wochen fast regelmäßig nur fünf Stunden Schlaf pro Nacht. Die Form sank jede Woche weiter. Am Samstag stand wieder der alte "Toni", wie ihn Coach Pasko Tomic nennt, auf dem Feld, der auch der neue sein soll: 25 Punkte, 9:11 Würfe.

Ebenso wichtig der Auftritt von Burnette. Erst am Samstagmorgen um 8.52 Uhr lag das Fax des Ligabüros vor. Die Sekretärin in Hagen war extra für die Knights tätig geworden. In der Nacht war noch das Trikot des alten Vereins TS Göppingen in Möhringen abgeholt, morgens der Pass des 24-jährigen Amerikaners in Nürtingen bei TS-Trainer Ljuba Petkovic gegen Abgabe des Trikots ausgehändigt worden. Tomic fing dann zunächst ohne Burnette an, der dann beim zweiten Foul von Karamatskos nach sieben Minuten aufs Feld kam. "Am Anfang habe ich versucht, ein bisschen 'rein zu finden," beschreibt Burnette seine Intention in den ersten Minuten als Knight, "aber ich habe mich sofort wohl gefühlt." Am Ende so wohl, dass er versucht habe, etwas zu machen. 13 seiner 18 Punkte erzielte er am Ende, in den letzten acht Minuten, und das fand auch der Coach in Ordnung: "Mir hat besonders gefallen, dass Tim nicht nur einfach seinen Job gemacht, sondern auch viel Herz gezeigt hat wie auch das gesamte Team," lobte Pasko Tomic.

Der Kroate ging auch noch einmal auf die Blitzaktion ein: Natürlich war es ein Risiko, einen neuen Spieler so plötzlich zu integrieren, und das gleich in so einem wichtigen Spiel. Aber die Entscheidung war richtig, alles andere wäre ein Fehler gewesen. Das alles funktionierte aber nur, weil Burnette nicht nur ein guter Spieler mit einem ungewöhnlich hohen Basketball-IQ ist, sondern auch ein sehr vernünftiger Mensch, wie Tomic bereits erkannt hat. Dem Coach machte es auch gar nichts aus, dass der Neue mit 16 die meisten Würfe aller Knights genommen hatte: Da war nur ein einziger darunter, mit dem ich ein Problem hatte, alle anderen waren okay.

Nach dem Spiel unterhielten sich Trainer und Spieler gut 30 Minuten lang: die Zeichen stehen auf einer längerfristigen Verpflichtung. Burnette zog nachts mit seinen neuen Kollegen noch um die Häuser, kam sehr spät ins Bett. Sein Fazit am Sonntag: Die Knights sind ein tolles Team!