Lokalsport

Erlösung durch Er

Müde Kirchheimer ringen TSV Crailsheim 2:0 nieder

Nach zuvor 180 torlosen Minuten haben die Oberligakicker des VfL Kirchheim wieder zugeschlagen. Per 2:0 (1:0)-Heimsieg über den TSV Crailsheim sind die Teckstädter dem Klassenerhalt ein weiteres großes Stück nähergekommen.

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Peter Eidemüller

Kirchheim. Ferdi Er ist ein ruhiger Zeitgenosse – manchmal sogar zu ruhig, wie er selbst im Porträt des aktuellen VfL-Stadionhefts zugibt. Nach seinem entscheidenden Treffer zum Kirchheimer 2:0 gab der 28-Jährige seine Reserviertheit ein wenig auf. „Den Ball konnte ich wohl gar nicht anders köpfen“, schilderte der Innenverteidiger die Szene in der 80. Minute, in der er nach Flanke von Maximilian Laible aus acht Metern das Leder per Kopfball-Bogenlampe über Craislheims Keeper Ben­jamin Gorzwaski im Tor versenkte. „Beim Warmmachen in Villingen hat­te ich den Ball ähnlich reingemacht und mich in dem Moment dran erinnert“, lachte Er.

Sein Tor – eine Erlösung. Zu wacklig war die VfL-Führung bis dahin gewesen, zu groß die Gefahr, dass die Gäste aus dem Hohenlohischen vielleicht doch noch den Ausgleich markieren würden. Zumal VfL-Schreck Joseph Fameyeh eine halbe Stunde vor Spielende eingewechselt worden war. „Klar musst du dich noch einen Tick mehr konzentrieren, wenn so ein gefährlicher Mann reinkommt“, mein­te VfL-Kapitän Christopher Eisenhardt hinterher, „aber wir standen hinten gut und haben nichts zugelassen.“ Tatsächlich war die Kirchheimer Abwehr am Samstag einmal mehr Garant für den Erfolg. Kein Durchkommen gab es für die Crailsheimer, bei denen lediglich Stürmer Angelo Hauk zu gefallen wusste. Ansonsten präsentierten sich die Gäste zu ideenlos in der Kirchheimer Hälfte. „Es war zu schwach, was wir gemacht haben“, analysierte TSV-Trainer Tobias Flitsch hernach, „letztendlich waren wir zu dumm, ein Tor zu machen.“

Anders der VfL: Nach behäbiger Anfangsphase, in der sich die nach den zahlreichen Englischen Wochen müde wirkenden Kirchheimer auffallend viele Fehler im Pass- und Stellungsspiel leisteten, schlug das Team wie aus dem Nichts zu. Einen langen Ball nach vorne verlängerte Antonio Tunjic an der Strafraumgrenze per Hinterkopf in den Lauf von Sturmkollege Maximilian Laible, der den herauseilenden TSV-Keeper Gorz­waski mit einem Lupfer übertölpelte – das 1:0 zu diesem Zeitpunkt: schmeichelhaft.

„In den letzten beiden Spielen haben wir solche Dinger nicht reingemacht, heute halt doch“, sagte VfL-Coach Rolf Baumann nach dem Spiel, dem sein Team fortan den Stempel aufdrückte und die Gäste erfolgreich vom eigenen Tor fernhielt. „Wir haben wenig Produktives der Crailsheimer zugelassen“, stellte der Kirchheimer Coach zufrieden fest.

Über das Zerstören des TSV-Spielflusses hinaus erarbeiteten sich die Kirchheimer auch einige gute Offensivszenen – richtige Torchancen wollten dem optisch überlegenen VfL nicht wirklich gelingen. Wie Mitte der zweiten Halbzeit, als der eingewechselte Visar Braha nach sehenswertem 30-Meter-Alleingang auf der linken Seite den mitgelaufenen Laible bediente, statt selbst zu schießen. Nicht zuletzt deshalb holte Baumann den Stürmer nach nur 28 Minuten wieder vom Feld. „Es hat mir einfach nicht gefallen, wie er gespielt hat“, kommentierte Baumann, der den glücklichen, aber nicht unverdienten Sieg vor dem Hintergrund der jüngsten Belastungen sah. „Die Jungs hatten nur zwei Tage zum Regenerieren, das hat man heute in vielen Aktionen gesehen. Kompliment, dass sie trotzdem gewonnen haben.“

VfL Kirchheim: Stowers – Thies, Kauffmann, Er, Eisenhardt – Gürol (48. Söylemezgiller), Otto, Polat, Altinsoy – Laible, Tunjic (46. Braha/74. Beran)

TSV Crailsheim: Gorzawski – Schenker, Schmidt, Kleinschrodt, Bauer – Olgun (61. Mensah), Campagna, Ilgenfritz (74. Sawatzki), Kocak – Hauk, Dalyanci (61. Fameyeh)

Tore: 1:0 Laible (36.), 2:0 Er (80.)

Gelbe Karten: Ilgenfritz, Bauer

Schiedsrichter: Ivo Leonhardt (Mannheim)

Zuschauer: 300