Lokalsport

Erneute Gastgeschenke

Einmal mehr hat sich der VfL Kirchheim als dankbarer Gast in der Fußball-Oberliga erwiesen. Beim Tabellenletzten SV Linx unterlag das Team nach einer indiskutablen Leistung in der ersten Halbzeit mit 2:4 (0:2) und rutschte in der Tabelle wieder auf Rang 16 ab.

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HELGE WAIDER

Rheinau. Walldorf war gestern, besser gesagt, vergangene Woche. Den Schwung aus der mitreißenden zweiten Halbzeit gegen die Badener wollten die „Blauen“ am Samstag unbedingt mit nach Linx nehmen. So hatten es die Trainer Michael Rentschler und Christian Hofberger angekündigt – ein Vorhaben, das gründlich in die Hosen ging,

Bereits nach 14 Minuten waren alle Vorsätze über den Haufen geworfen: Nach einer kollektiven Schlafmützigkeit in der VfL-Hintermannschaft reagierte der Linxer Flügelflitzer Fabian Heinz am schnellsten und drückte das Leder völlig unbedrängt zum 1:0 über die Linie. Wer dachte, dass die pomadig auftretenden Kirchheimer nun aufwachen würden, sah sich getäuscht. Stattdessen drückten die Linxer dem Spiel weiterhin ihren Stempel auf, agierten aus einer gesicherten Abwehr heraus mit langen Bällen auf ihre flinken und ballsicheren Flügelspieler und ließen damit die VfL-Akteure ein ums andere Mal alt aussehen. So auch in der 24. Minute, als nach einem Eckball erneut die Zuordnung in der Kirchheimer Abwehrreihe fehlte und erneut der nur 165 Zentimeter kleine Heinz per Kopfball (!) das 2:0 markierte.

Die Linxer steigerten sich in der Folgezeit fast in einen Spielrausch, zogen ein Powerplay auf und hatten in Person von Cedric Stoll bereits in der 37. Minute den dritten Treffer auf dem Fuß. Doch der Stürmer scheiterte an VfL-Keeper Patrick Gühring. Kirchheimer Chancen in der ersten Halbzeit: Fehlanzeige – womit auch dokumentiert ist, dass die Pausenführung des SVL hochverdient war.

Nach dem Seitenwechsel wendete sich das Blatt zunächst. Offenbar beflügelt von markigen Trainerworten in der Kabine, rissen die Kirchheimer das Spiel an sich. Folge: nach einem Freistoß von Nicola Spina stand VfL-Torjäger Antonio Tunjic einmal mehr goldrichtig und markierte den Anschlusstreffer (59.). Die Platzherren zeigten sich zunächst beeindruckt, verlegten sich aufs Konterspiel und hätten fast den Ausgleich durch Ferdi Er kassiert. Doch der Kirchheimer jagte das Leder frei stehend aus 16 Metern über das Tor (62.).

Zwölf Minuten später resultierte auch der vorentscheidende dritte Treffer der Linxer aus einem individuellen Fehler des VfL, als der eingewechselte Coskun Isci mit einem gescheiterten „Tunnelversuch“ tief in der eigenen Hälfte das Leder verlor und SVL-Mannschaftskapitän Nicolas Loison die folgende Flanke aus 16 Metern in die Maschen des VfL-Tores drosch. Es spricht für die in der zweiten Hälfte zumindest ansatzweise zu erkennende Moral der Kirchheimer, dass die Mannschaft sich noch einmal am Riemen riss und erneut durch Tunjic auf 2:3 herankam (79.).

Tumultartige und vielleicht spielentscheidende Szenen spielten sich dann zwischen der 81. und 84. Minute ab. Zunächst war Spina aus abseitsverdächtiger Position zu einem Solo über das halbe Feld gestartet und im Strafraum von Lukasz Ignatowicz zu Fall gebracht worden. Der Pfiff des nicht immer souveränen Schiedsrichters Leonhardt blieb jedoch aus. Im direkten Gegenzug entwickelten sich nach einem harmlosen Gerangel im Mittelfeld „Jagdszenen“, in deren Folge VfL-Goalie Gühring nach einem Schubser gegen Mohamed Savane die Gelbe Karte sah. Den Schlusspunkt unter einen hochverdienten Linxer Sieg setzte der eingewechselte Matthias Armbruster mit einem 14-Meter-Knaller zum 4:2.

SV Linx: Braun – Ignatowicz, Kolasinac, R. Loison, Zimmer (87. Stern) – Heinz, Hoffmann, Savane (85. Armbruster), N. Loison – Stoll, Sanna (20. Hacalar).

VfL Kirchheim: Gühring – Kutscher (56. Mayer), Dihl, Grimm, Eisenhardt – Ohran (61. Isci), Er, Polat, Spina – Tunjic, Laible (78. Altinsoy).

Tore: 1:0, 2:0 Heinz (14., 24.), 2:1 Tunjic (59.), 3:1 N. Loison (74.), 3:2 Tunjic (79.), 4:2 Armbuster (87.).

Gelbe Karten: N. Loison – Gühring, Grimm, Polat, Isci.

Zuschauer: 300

Schiedsrichter: Ivo Leonhardt (Hockenheim) war nicht frei von Unsicherheiten.