Lokalsport

Ernüchterung in den Lehenäckern

Im mit Spannung erwarteten Bezirksliga-Lokalderby erlebte der TSV Jesingen gegen den TSV Notzingen ein "Waterloo" in den Lehenäckern. 1:6 (0:3) hieß es am Ende vor der imposanten Kulisse von rund 300 Zuschauern.

KIRCHHEIM Eigentlich sind Lokalderbys etwas anderes als das, was gestern in den Jesinger Lehenäckern zu sehen war. Von wegen packende Zweikämpfe und spannende Torraumszenen nichts dergleichen war zu sehen.

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Die Gäste aus Notzingen führten nach einer guten halben Stunde bereits 3:0 und hatten die Partie dadurch frühzeitig entschieden. Jesingen konnte nicht entscheidend dagegenhalten und ließ im Spiel nach vorne jegliche Durchschlagskraft vermissen. Notzingens Trainer Stefan Haußmann sah sein Team sogar in allen Belangen überlegen und vermisste gleichfalls die Gegenwehr beim Gastgeber. Auf Jesinger Seite haderte man zudem mit dem schwachen Schiedsrichter Weinbuch, der aus TSVJ-Sicht vor allem in der ersten Halbzeit die Truppe von Klaus Müller benachteiligte und mit einer krassen Fehlentscheidung das Notzinger Führungstor ermöglichte.

Die Partie begann zunächst recht verhalten. Beide Teams verhielten sich abwartend. Die Notzinger agierten zwar optisch überlegen, doch das Spiel neutralisierte sich weitgehend im Mittelfeld. Nach zwanzig Minuten kam jedoch der sprichwörtlich große Knall, mit dem der Schiedsrichter den Jesinger Unmut auf sich zog: ein (fairer) Zweikampf (Christian Schleser hatte klar den Ball gespielt) wurde mit Freistoß geahndet, den Ex-VfL-Spieler Gaetano Caruana zur Führung verwandelte (20.).

Eine Minute später folgte bereits der nächste Aufreger: der Torschütze hatte mit einem rüden Foulspiel Jesingens Heiko Blocher wüst von den Beinen geholt und kam zum Entsetzen der Jesinger Spieler und Fans mit einer Gelben Karte davon. Als sich die Gemüter wieder beruhigt hatten, erzwang die Eichert-Elf dann binnen einer Minute die Entscheidung. Zunächst überlistete der Ex-Jesinger Michael Thon den ungestüm aus seinem Tor stürmenden TSVJ-Keeper Haußmann zum 2:0 (35.). Dann war es Gabriel Andrijevic, der einen Querpass nach einer allerdings abseitsverdächtigen Position locker zum 3:0 einschob (36.).

Die Notzinger Pausenführung war verdient, wenngleich jedoch etwas zu hoch. Nach dem Wechsel ergab sich das gleiche Bild. Wieder war es eine etwas unglückliche Freistoßentscheidung zu Gunsten der Gäste und Caruana erhöhte mit einem durchaus sehenswerten Treffer auf 4:0 (50.). Als nach einer Stunde Ömer Telci einen Foulelfmeter zum 5:0 verwandelte, rechneten die zahlreichen Zuschauer auf Jesinger Seite schon mit dem Schlimmsten. Doch zum (Jesinger) Glück schalteten die Gäste danach einen Gang zurück und ließen den Hausherren etwas mehr Freiräume.

So kam es nach 65 Minuten zum ersten (!) Jesinger Torschuss durch Tobias Schweiger. Die weiteren Bemühungen um den Ehrentreffer wurden eine Viertelstunde vor Schluss belohnt: Heiko Blocher war mit einem Schuss von der Strafraumgrenze erfolgreich (76.). Die Antwort der Gäste ließ jedoch nicht lange auf sich warten. Andrijevic nutzte mit seinem zweiten Treffer einen Lapsus der Jesinger Abwehr schonungslos zum 1:6-Endstand aus (82.). In der letzten Minute wurde dann noch Notzingens Thon per Gelb-Roter Karte des Schiedsrichters vorzeitig zum Duschen geschickt.

Die Fassungslosigkeit war der Jesinger Mannschaft nach Spielende ins Gesicht geschrieben. Selbst Trainer Müller war kein Kommentar zu entlocken. Sein Notzinger Pendant Haußmann war schlichtweg erstaunt, wie einfach es seiner Truppe gemacht wurde.

uw

TSV Jesingen: Haußmann M. Augustin, D. Augustin, Schleser, Oster Lamour (46. Tafa), Grillo, Reim, Licata-Tiso (46. Reethen), Blocher Schweiger.TSV Notzingen: Feldmann Bektas, Müller, Önder Telci, Güner Caruana, Schäfer (56. Brucker), Ömer Telci (65. Acevedo), Giehl (61. Benning) Andrijevic, Thon.Tore: 0:1 Caruana (20.), 0:2 Thon (35.), 0:3 Andrijevic (36.), 0:4 Caruana (50.), 0:5 Ömer Telci (60. /Foulelfmeter), 1:5 Blocher (76.), 1:6 Andijevic (82.).Gelbe Karten: M. Augustin, Schleser, D. Augustin Caruana, Müller, ThonGelb-Rot: Thon (90./wg. reklamierens)Zuschauer: 80Schiedsrichter: Weinbuch (Göppingen) bot eine schwache Leistung und zumindest in der ersten Spielhälfte gewiss kein Heimschiedsrichter.