Lokalsport

Erst Traum, dann fast noch Albtraum

Ein tolles erstes Viertel (33:11) reichte den Kirchheim Knights zum wichtigen 83:73 (42:29)-Sieg bei der SG Heidelberg-Kirchheim. Noch nie gab es so starke zehn Minuten des VfL zu sehen. Selten aber auch einen derartigen Leistungsabfall, der am Ende fast noch zu einer Niederlage geführt hätte.

HEIDELBERG Die Stimmung der Kirchheimer Basketballer nach dem 83:73-Sieg am Samstagabend beim Angstgegner SG Heidelberg-Kirchheim war denn auch mehr von Erleichterung denn von Euphorie geprägt: Hauptsache gewonnen, durchatmen, abhaken. Es begann eigentlich ganz unauffällig. Zwei Punkte von Chuks Neboh, ein Dreier des Heidelbergers Matthias Michelmann, ein paar Freiwürfe hüben und drüben In den ersten zwei Minuten schien sich im Sportzentrum Süd ein ganz normales Basketballspiel zu entwickeln. Dann traf Kai-Uwe Kranz einen schön heraus gespielten Dreier, und plötzlich brach ein Knights-Gewitter über die Gastgeber herein, das so die Fans noch nicht gesehen hatten. Praktisch alles klappte, vorne wie hinten. In den knapp acht Minuten vom 7:5 (2.) bis zum 33:11 (8.) rauschten sechs Dreier durch die Heidelberger Reuse. Bill Goehrke fischte sich neun Rebounds von den Brettern. Alle sieben Freiwürfe wurden verwandelt. Dem Gegner gelang noch ein einziger Feldkorb.

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Dann war da noch Chuks Neboh: seine zehn Minuten sind eine eigene Geschichte. Der Center des VfL machte 16 Punkte, holte sich fünf Rebounds. Er blockte einen Wurf, klaute einen Ball. Aber er traf auch, und das ist das Erstaunlichste: Drei von vier Drei-Punkte-Würfen fanden ihr Ziel. Immerhin eine Disziplin, die nicht gerade zu seinen Stärken zählt. In den sechs Spielen zuvor war er zweimal gescheitert und nun dies. Als er seinen dritten kurz vor der Viertelpause versenkte, standen alle Knights auf der Ersatzbank und tanzten das Chukwuma-Tänzchen während die "Squires" auf den Rängen tobten.

Klar, dass die Euphorie nach diesem Traum-Viertel groß war. Auch bei den Spielern. Vielleicht zu groß, denn Heidelbergs Coach Michael Moritz wechselte nun auf Zonenverteidigung während Kirchheims Theo Leftakis Bill Goehrke, Kai-Uwe Kranz und nach drei Minuten auch Chuks Neboh aus dem Spiel nahm. Nun begann, was für die Kirchheimer Schlachtenbummler, den Trainer und die Spieler fast zum Albtraum wurde. Ross Jorgusen schoss eine Fahrkarte nach der anderen. Die Reboundüberlegenheit war dahin. Kirchheim von allen guten Geistern verlassen und Leftakis diskutierte mit den Zuschauern. Resultat dieses allgemeinen Chaos: Das zweite Viertel ging 8:19 verloren.

Als der einst komfortable Vorsprung nach fünf Minuten der zweiten Hälfte obwohl Jorgusen nach neun Fehlversuchen endlich seinen ersten Treffer markiert hatte auf sechs zusammengeschmolzen war (47:41), nahm Leftakis eine Auszeit. Plötzlich ganz ruhig, erklärte er seinen Spielern haarklein, was zu tun sei. Und die verwandelten sich in einem Moment von einem aufgescheuchten Hühnerhaufen wieder in eine Mannschaft. Dies reichte, um den Vorsprung in den kommenden acht Minuten auf 67:50 (33.) auszubauen und anschließend die leidenschaftlich kämpfenden Badener einigermaßen in Schach zu halten.

Das Trauma vom 8. Januar, als die Knights an gleicher Stätte eine 73:76-Niederlage einstecken mussten, ist damit erst einmal verscheucht, die Scharte vom vergangenen Samstag ausgewetzt, die Tuchfühlung zum Tabellenführer TV Rastatt-Rheinau (93:79 gegen Konstanz) bleibt gewahrt. Da zudem die KGJ Schwenningen in Weißenhorn 60:77 unter die Räder kam, sieht die Welt im Hinblick auf die Verfolger schon wieder freundlicher aus. Jetzt muss man aus der Geschichte lernen, denn gegen ein echtes Spitzenteam wäre ein solch kollektiver Blackout höchstwahrscheinlich fatal gewesen.

mad

VfL Kirchheim:

Goehrke (1, 17 Rebounds), Hayden (12/2), Hountondji, Ifuly (n.e.), Jorgusen (11/1), Kikic (n.e.), Kranz (23/3), Lenger (5), Neboh (29/3), Tsouknidis (2).SG Heidelberg-Kirchheim:

Arns (16), Backfisch (2), Heilmann, Heindel (8), Kimmich (4), Konate, Michelmann (9/1), Natto, Rittinger (27/5).Dreier:

9 (VfL), 6 (SG).Fouls:

19 (VfL), 24 (SG).Freiwürfe:

16:21/76,2 % (VfL), 13:22/59,1 % (SG).Viertel (SG-VfL):

11:33, 18:9, 21:19, 23:22.Schiedsrichter:

Markus Aichele (Tübingen) und Johannes Hack (Sandhausen) hatte extreme Höhen und Tiefen.Zuschauer:

120.