Lokalsport

Es bleibt bei einer Standpauke

Kann der VfL Kirchheim im tiefen Süden der Bundesrepublik seinen Höhenflug fortsetzen? Der Überraschungs-Spitzenreiter der Oberliga Baden-Württemberg will seine Tabellenführung beim Klassen-Neuling FC Denzlingen, der seit fünf Partien auf ein Erfolgserlebnis wartet, morgen mit seinem zehnten Sieg im 13. Saisonspiel untermauern.

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KLAUS SCHLÜTTER

Kirchheim. Michael gegen Rolf, wer ist der bessere Baumann? Dass beide Trainer denselben Familiennamen tragen, ist reiner Zufall. „Wir sind weder verwandt noch verschwägert. Ich kenne ihn nicht“, sagt der VfL-Coach. Dafür hat er sich über DVD über die spieltechnischen und taktischen Vorgaben seines Kollegen schlau gemacht. „Die Denzlinger verzichten auf lange Dribblings, gehen bei Ballbesitz sofort mit Tempo nach vorne. Darauf müssen wir uns einstellen“, sagt Rolf Baumann.

Im Training unter der Woche hat er seine Spieler in Kraft raubenden Sieben-Minuten-Intervallen auf die kommende Aufgabe vorbereitet. „Bei mir gibt es keine Freibriefe, wenn wir gewonnen haben. Da bin ich ähnlich streng wie van Gaal“, sagt er mit Rückblick auf den jüngsten 1:0-Erfolg im Spitzenspiel gegen die TSG Hoffenheim II. Seinen Spielern bescheinigt er, dass sich unter der Woche keiner geschont und jeder voll mitgezogen habe.

Das gilt auch für Antonio Tunjic. Der Torjäger war vergangenen Samstag aus der Rolle gefallen, als er bei seiner Auswechslung den Trainer mit Missachtung brüskierte und vor Spielschluss das Stadion verlassen wollte – was verhindert werden konnte. Nach einer Standpauke von Abteilungsleiter Dr. Jörg Mosolf gab der Spieler klein bei und nahm noch am Mannschaftsessen teil.

Der Fall Tunjic wurde intern geregelt. Folgen in Form einer Bestrafung hat er offenbar nicht. „Toni ist ein emotionsvoller Spieler. Wenn`s nicht läuft, ist er schnell angefressen“, meint sein Trainer. Dass es so nicht geht, weiß er selber.“ Die Gemeinschaft funktioniere, deshalb müsse man nicht gleich die Peitsche schwingen, sagt Baumann. Es wird also nicht nachgetreten.

Die Gemeinschaft funktioniert – der Trainer hat damit das Erfolgsgeheimnis dieses Jahres angesprochen. Die Mannschaft habe erkannt, dass viel mehr in ihr stecke, wenn jeder hart an sich arbeite und noch ein Stück drauf packe. Sie habe sich auch nicht von ihrem Weg abbringen lassen, wenn es mal nicht so lief wie gegen Freiberg. Mit anderen Worten: Die Truppe ist reifer geworden und zu einer Einheit zusammengewachsen. Der Erfolg ist sichtbar: Am 12. Spieltag des Vorjahrs war der VfL Kirchheim Schlusslicht. Nach einem Dutzend Spielen dieser Saison grüßen die Teckstädter vom Tabellengipfel. „Allerdings“, schränkt Baumann ein, „sind wir noch nicht so weit, dass wir jeden herspielen können.“

Deshalb gelte es auch gegen den Aufsteiger, die Konzentration hoch zu halten. Denzlingen vor den Toren von Freiburg, bisher nur als Wohnort von Radstars wie Olympiasieger Christian Meyer oder den Weltmeistern Mike Kluge und Hanka Kupfernagel bekannt, ist mit der Verbandsliga-Meisterschaft in den Fokus der Fußballfans gerückt. Nach sehr gutem Saisonstart blieben die Erfolge zuletzt zwar aus, dennoch hätte dem Neuling kaum jemand zugetraut, dass er sich so schnell im Mittelfeld der Oberliga etablieren würde.

Beim VfL könnte es gegenüber der Anfangself vom vergangenen Samstag eine kleine Veränderung geben: David Hertel wird auf der linken Seite wohl für Selim Altinsoy kommen, der in einigen Situationen gegen Hoffenheim unaufmerksam war. Ein kleines Fragezeichen steht noch hinter dem Einsatz von Christopher Eisenhardt. Der Kapitän konnte wegen einer dicken Wade bisher nur Trainingseinheiten auf dem Ergometer absolvieren.