Lokalsport

"Es geht niemanden etwas an, was ich verdiene"

Der TTC Frickenhausen wird ohne Torben Wosik und Jens Lundquist in die Bundesliga-Saison 2006/07 gehen. Während der 32-jährige Ex-Europameister beim französischen Champions-League-Teilnehmer Angers Vaillante TT eine neue sportliche Heimat gefunden hat, ist die Zukunft des Schweden noch ungewiss. Im Gespräch sind die TTF Ochsenhausen.

WOLFGANG FRITZ

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FRICKENHAUSEN Torben Wosik scheint sein seelisches Gleichgewicht wiedergefunden zu haben. Nach den langwierigen, letztlich gescheiterten Vertragsverhandlungen mit dem TTC Frickenhausen, die das Klima zwischen beiden Parteien nicht gerade verbesserten, ist der 32 Jahre alte Linkshänder auf der Suche nach einer neuen Herausforderung im Nachbarland Frankreich fündig geworden. Mit großer Unterstützung des ehemals für den TTC spielenden Damien Eloi hat Wosik beim Club Angers Vaillante TT, zirka zweieinhalb Autostunden südwestlich von Paris, einen Vertrag als Spieler erhalten. "Vorläufig für ein Jahr", erzählt Wosik. "Ich habe ausführliche Gespräche geführt. Wenn's mir gefällt, kann es auch länger sein." Jedenfalls ist er sehr angetan von seinem künftigen Arbeitgeber. "Das ist ein großer, seriöser Verein mit den meisten Zuschauern", schwärmt er, "ich bin großartig aufgenommen worden und freue mich auf die ganz andere Mentalität. Mein Engagement in Angers sehe ich als Herausforderung und Chance."

Einstellen muss sich Torben Wosik auf ein neues System. In der französischen Liga wird mit Dreier-Teams, ohne Doppel und nur an einem Tisch gespielt. Wosiks Mannschaftskollegen sind der italienische Nationalspieler Yang Min, der Franzose Cédric Cabestany und der Belgier Frederic Sonnet. Wosiks Frankreich-Trip beginnt im September, den Wohnort will er aber nicht wechseln. "Ich finde Reutlingen und Stuttgart perfekt. Am liebsten würde ich in Frickenhausen trainieren. Ich hoffe, das wird mir erlaubt."

Wovon auszugehen ist, auch wenn es wohl noch ein Weilchen dauern dürfte, bis die Ereignisse der vergangenen Tage und Wochen verdaut sind auf beiden Seiten. Fürchterlich aufgeregt hat TTC-Präsident Rolf Wohlhaupter-Hermann, dass Torben Wosik seine Gehaltsvorstellungen zwar um dreißig Prozent reduziert, aber nicht dazu gesagt hat, von welchem Betrag aus. "Es geht niemanden etwas an, was ich verdiene", rechtfertigt sich Wosik. "Mich hat nur gestört, dass man Jens Lundquist und mir gesagt hat, man wolle uns aus finanziellen Gründen nicht mehr. Das glaube ich nicht." Wohlhaupter-Hermann wiederum rechnet vor: Bastian Steger kostet im vorderen Paarkreuz nur 4 000 Euro mehr als Torben Wosik im hinteren.

Ebenfalls ungerecht behandelt fühlt sich Jens Lundquist. Auch er hält das finanzielle Argument für vorgeschoben. Tatsächlich spricht vieles für eine verhaltensbedingte Kündigung. Dass sich der Schwede an der Platte nicht immer im Griff hatte, ist kein Geheimnis und wurde ihm nicht nur einmal zum Vorwurf gemacht. Auf welcher Gehaltsliste Lundquist künftig auftaucht, scheint noch unklar zu sein. Zumindest wird er mit dem schwäbischen Konkurrenten TTF Ochsenhausen in Zusammenhang gebracht. "Ein interessanter Spieler, er ist einer von drei oder vier Kandidaten", mehr lässt sich TTF-Präsident Rainer Ihle nicht entlocken. Freilich: Jens Lundquist würde schon ins Team passen. Ochsenhausens Nummer eins Chuang Chih-Yuan sagt dem Verein servus, Adrian Crisan könnte an die Spitze rücken und Lundquist Position zwei bekleiden. Außerdem ist TTF-Trainer Anders Johansson ebenfalls Schwede und wäre somit der ideale Mann, um das oft ungestüme Temperament seines Landsmannes ein wenig abzukühlen. Nur die Unterschrift fehlt noch.

Nach der Verpflichtung von Bastian Steger von Borussia Düsseldorf (wir berichteten) ist beim TTC Frickenhausen nur noch die Position vier unbesetzt. Am 20. Februar will Präsident Wohlhaupter-Hermann bekannt geben, wer's denn nun ist. "Wir haben Stillschweigen vereinbart, es fehlt nur noch die Unterschrift", macht der TTC-Boss ein richtiges Geheimnis daraus.