Lokalsport

Fall Fumic morgen vor dem Landgericht

Kollegen gehen öffentlich auf Distanz

Die Entscheidung über ein Startverbot der Fumic-Brüder ist vorerst vertagt. Die beiden Kirchheimer Mountainbiker haben am Freitag fristgerecht Widerspruch gegen die vom BDR-Sportgericht verhängte dreimonatige Sperre eingelegt. Währenddessen formiert sich im Kollegenkreis Widerstand gegen die Haltung der beiden Olympia-Kandidaten.

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bernd köble

Kirchheim. Die Kraftprobe zwischen den Fumic-Brüdern und dem Bund Deutscher Radfahrer (BDR) spitzt sich weiter zu. Die beiden Kirchheimer haben beim Bundesrechtsausschuss des BDR erwartungsgemäß Revision gegen die vom Sportgericht verhängte dreimonatige Sperre wegen zweimaligen Verstoßes gegen die Meldepflicht der Nationalen Anti-Doping-Agentur (Nada) eingelegt. Damit bleiben die beiden Mountainbiker, die am vergangenen Sonntag in Offenburg ihr zweites Weltcuprennen bestritten, vorerst startberechtigt, wie der BDR gestern mitteilte. Ob mit ihnen auch am Sonntag beim Weltcup in Madrid zu rechnen ist, wird sich am morgigen Mittwoch entscheiden. Dann beginnt vor dem Frankfurter Landgericht der Zivilprozess, in dem das Brüderpaar klären lassen will, ob die Auflagen der Nada im Antidoping-Kampf eine Verletzung ihrer Persönlichkeitsrechte darstellen.

Spätestens dann heißt es beim BDR Farbe bekennen. Fumic-Rechtsanwalt Markus Höss spricht von einem „Eiertanz“ und einer „Bankrotterklärung“ seitens des Verbandes. Dessen eigene Gerichtsbarkeit hatte den Boykott der Kirchheimer zunächst als Dopingvergehen geahndet, um dann anschließend zurückzurudern und die verhängte Sperre bis zu einem endgültigen Urteil auszusetzen. Träte das dreimonatige Startverbot diese Woche in Kraft, würde dies wohl das endgültige Aus für Olympia bedeuten. Das letzte Wort bei der Nominierung hat der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB), und dessen Kriterien sind eindeutig. Ein zweimaliger Meldepflichtverstoß innerhalb eines Zeitraumes von vier Jahren vor Olympischen Spielen sei ein klarer Ausschlussgrund, sagt DOSB-Pressesprecher Michael Schirp.

Ein rauer Wind bläst Lado und Manuel Fumic inzwischen aus dem eigenen Kollegenkreis entgegen. Den Anfang machte Europameisterin Sabine Spitz, die beide Kirchheimer in einem Zeitungsinterview heftig kritisierte. Die Bronzemedaillengewinnerin von Athen verwahrte sich gegen den Eindruck, die Fumic-Haltung spiegele die vorherrschende Meinung im Fahrerlager wider. Am vergangenen Sonntag in Offenburg machte eine gemeinsame Resolution samt Unterschriftenliste die Runde, mit der zahlreiche Athleten auf Distanz gehen. Unter den 27 Namen auf der Liste, die am Sonntag in Madrid komplettiert und anschließend an die Presseorgane verteilt werden soll, findet sich neben Sabine Spitz auch Nationalmannschaftskollege Wolfram Kurschat.

Das Kontrollsystem der Nada/Wada besitze durchaus Schwächen, heißt es in der umfassenden gemeinsamen Erklärung. „Gleichzeitig betrachten wir dieses System als sinnvollen Weg, dem Radsport die angegriffene Glaubwürdigkeit zurückzugeben.“ Das Ausfüllen der Where-about-Formulare, so heißt es weiter, sei zwar lästig, „eine Verletzung unserer Persönlichkeitsrechte können wir hier aber nicht erkennen.“ Das System erhöhe vielmehr die Chance, Betrüger zu entlarven und saubere Sportler besser zu schützen. Kritik üben die Unterzeichner auch am eigenen Verband: „Das wenig konsequente Handeln des BDR in diesem Fall ist für uns unverständlich und lässt sich mit unserer Forderung eines restriktiven Anti-Doping-Kurses nicht vereinbaren.“