Lokalsport

Festa alla genovese

Die 100-jährige Geschichte des TV Neidlingen ist seit Sonntag um ein Kapitel reicher: Mit dem ersten Weltcupsieg ihrer Karriere hat Julia Grüning ihrem Heimatverein am Sonntag das schönste Geburtstagsgeschenk bereitet. Mit einem alles überragenden zweiten Durchgang beim Inline-Alpin-Slalom im italienischen Genua fuhr die 17-Jährige von Platz drei noch ganz nach vorn.

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Bernd Köble

Genua. Es läuft rund bei Julia Grü­ning, und das liegt nicht nur an den Rollen, auf denen sie sich im Sommer fortbewegt. Die derzeit erfolgreichste alpine Skirennläuferin der brettlbegeisterten Reußensteingemeinde hat ihre bestechende Form aus der Wintersaison in die schneefreie Zeit hinübergerettet. Nach ihrem Doppelsieg in Slalom und Riesenslalom die Woche zuvor beim DSV-Inline-Cup in Bad Hersfeld war die 17-jährige Schülerin auch beim internationalen Auftaktrennen am vergangenen Sonntag in der italienischen Hafenmetropole die dominierende Athletin.

Obwohl nach dem ersten Durchgang nur auf Platz drei gelegen, verdrängte sie mit einem perfekten zweiten Lauf die vor ihr platzierten Nationalmannschaftskolleginnen Claudia Wittmann und Jana Börsig noch von der Spitze. Ihre Neidlinger Vereinskollegin Ann-Kathrin Stolz, nach dem ersten Durchgang noch aussichtsreich auf Platz fünf gelegen, wurde am Ende Achte.

Mit etwas Wohlwollen ließe sich der Neidlinger Triumph gar als historisch bezeichnen, denn das Rennen in Genua war der erste Weltcuplauf überhaupt in einem alpinen Inline-Wettbewerb. Fünf Rennen umfasst die neue Serie, die ab der Saison 2010 erstmals auch der Teilnahme von Fahrern aus Russland und Japan Rechnung trägt. Im Vorjahr wurde das Rennen durch die Genueser Altstadt noch im Rahmen des Europacups ausgetragen, und auch da stand die Neidlingerin ganz oben auf dem Treppchen. Von einer Lieblingsstrecke will sie dennoch nicht reden. „Der Kurs ist einer der kürzesten. Fehler lassen sich hier kaum mehr ausbügeln“, meint sie. Gut, wenn man erst gar keine macht. Der fehlerfreie zweite Lauf am Sonntag ebnete den Weg zum fünften internationalen Erfolg ihrer noch jungen Karriere.

Ein Erfolg, der trotz anhaltend guter Form überraschend kommt. Nach Ende der alpinen Rennsaison verlief die Vorbereitung auf den Sommer und der damit verbundene Wechsel von Skiern auf Rollen alles andere als reibungslos. Bei einem Sturz im Trainingslager im Allgäu zog sie sich Anfang Mai eine Absplitterung am Mittelhandknochen zu und musste für Wochen pausieren. Am vergangenen Wochenende war davon nichts mehr zu spüren. „Momentan passt es einfach, so kann‘s weitergehen“, freut sich Julia Grü­ning, der am Sonntag keine Zeit zum Feiern blieb. Nach der Siegerehrung hieß es, Tasche packen und flugs zurück nach Hause, schließlich begann am Montagmorgen wieder die Schule.

Nächste Zielmarke ist das DSV-Rennen am Wochenende im fränkischen Weißenstadt, bevor es in der Folgewoche zu den deutschen Meisterschaften im Parallelslalom nach Nagold geht. In ihrer derzeitigen Form gilt Julia Grü­ning beide Male als heiße Anwärterin auf den Sieg. Die Jubiläumsfeierlichkeiten beim TV Neidlingen ziehen sich noch bis zum Jahresende hin. Platz auf dem Gabentisch wäre noch.