Lokalsport

Feuer unterm Dach vor den Wochen der Wahrheit

Kein Feuer im Spiel, dafür aber unterm Dach: Nach der einfallslosen Vorstellung in Schwieberdingen hat es beim Oberligisten VfL Kirchheim vor der Heimpartie gegen Regionalliga-Anwärter FC Heidenheim (morgen um 15.30 Uhr) deutliche Worte gegeben.

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REIMUND ELBE

Kirchheim. Unter der Teck setzen der sportliche Leiter Norbert Krumm und das Trainergespann Michael Rentschler/Christian Hofberger auf einen heilenden Selbstreinigungsprozess. So gab es in der ersten Trainingseinheit nach der Schlappe in Schwieberdingen nicht nur die obligatorische Videoanalyse des Spiels, sondern es war auch die Stunde, Tacheles zu reden. Grund: Die fast schon wahnwitzigen Leitungsschwankungen der Kirchheimer. Das Spektrum reicht von Sternstunden im WFV-Pokal (Stuttgarter Kickers, SSV Reutlingen) bis hin zu extremen fußballerischen Tiefpunkten wie beim 0:2 in Schwieberdingen. „Wir haben dort gespielt wie ein Absteiger“, rekapituliert Norbert Krumm, sportlicher Leiter des VfL, ohne Wenn und Aber, „uns ist es gegen die mit Abstand schwächste Abwehr der Oberliga nicht gelungen, nennenswerte Chancen herauszuarbeiten. Das sagt alles.“ Der Spielaufbau war in der Tat phasenweise völlig unkoordiniert.

Die Folgen des Flops im Kreis Ludwigsburg wirken sich gleich doppelt aus: Mögliche Vertragsgespräche sind ausgesetzt. Der Druck, aus den kommenden Aufgaben gegen fast übermächtige Gegner (Heidenheim, Spitzenreiter SC Freiburg II, FC Astoria Walldorf) Punkte zu holen, ist größer geworden. Ins Bild passt, dass Abwehrspieler Andreas Mayer nach der in Schwieberdingen gesehenen Roten Karte morgen definitiv fehlt. „Es war sein erster Platzverweis, wir hoffen deshalb, dass er mit zwei Wochen Sperre wegkommt“, sagt Krumm. Durch den Ausfall des Stammspielers bietet sich für Neuzugang Benny Dihl die Chance, gegen den FC Heidenheim von Beginn an dabei zu sein. Mit Kapitän Mario Grimm dürfte der Ex-Großaspacher die Innenverteidigung bilden.

Brenzlig wird es im Mittelfeld, denn Personal ist knapp. Emrah Polat weilt bekanntermaßen beruflich in China, Kagan Söylemezgiller laboriert noch an einer Bänderverletzung, erlitten im WFV-Pokalviertelfinale gegen den SSV Reutlingen. Nicht sicher ist zudem, ob der lange pausierende Michael Kutscher wieder in den Kader zurückkehrt.

„Kollektiv versagt“ (Krumm) haben die Kirchheimer nicht nur in Schwieberdingen, sondern vor allen Dingen auch in der Hinrunde beim 1:9-Debakel in Heidenheim – ein Erlebnis der besonderen Art für den VfL. „So etwas wird es kein zweites Mal geben“, orakelt Krumm. Die Heidenheimer spielen wie erwartet um den Aufstieg in die Regionalliga mit, mussten aber einige Nackenschläge wegstecken. Mit dem Ex-Ulmer Ünal Demirkiran, Robert Henning und dem früheren Reutlinger Michael Urban laborieren ausgerechnet die Stützen des Teams aktuell an einem Kreuzbandriss – es könnte für die Heidenheimer eng werden im Kampf um das begehrte Ticket für das süddeutsche Fußball-Oberhaus.

Auch sportlich läuft es unrund. Vorgestern mussten die Heidenheimer eine Sonderschicht schieben – das Nachholspiel gegen den FC Astoria Walldorf im Albstadion brachte allerdings statt erhoffter drei nur einen Punkt. Immerhin verteidigten die Heidenheimer mit dem Remis Platz vier vor den Kickern aus der Stadt des Softwaregiganten SAP. Zuvor hatte es gegen Normannia Gmünd (0:0) und den SSV Ulm 1846 (0:1) auch nicht mit einem Sieg für den FCH geklappt.

Endgültig begradigt wurde die Oberligatabelle am Mittwochabend mit der zeitgleich stattfindenden Partie zwischen dem FC Villingen und den Stuttgarter Kickers II – ein Spiel mit Relevanz für den VfL: Dank der 0:4-Klatsche für die Kickers bleibt der VfL Tabellenvierzehnter – einen Punkt vor den Stuttgartern. Zumindest tabellarisch ist aktuell bei den Kirchheimern alles im Lot.

VfL Kirchheim: Gühring – Koch, Grimm, Dihl, Eisenhardt – Isci, Er, Raspe, Spina – Laible, Tunjic (Gonsior).