Lokalsport

Finale in kleiner Halle

München oder Kirchheim: Wer steigt in die Pro A auf?

Selbst Alfred Hitchcock hätte den letzten Spieltag nicht spannender inszenieren können. Am morgigen Samstag findet ein echtes Aufstiegs-Endspiel statt: München Basket gegen VfL Kirchheim Knights. Der Sieger wird Meister Essen in die 2. Basketball-Bundesliga Pro A begleiten. Zusätzliche Brisanz bringt der Umstand, dass das Spiel in der kleinsten Halle der Liga stattfindet.

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Kirchheim. Eines steht bereits vor dem alles entscheidenden Spiel um Platz zwei fest: Der Showdown wird gemessen an der Zuschauerzahl keinen angemessenen Rahmen finden – nur 400 Fans werden aufgrund der kleinen Halle in München das Spiel live verfolgen können – bereits nach einer Stunde war die Partie restlos ausverkauft. Nichtsdestotrotz können sich die Knights auf die Unterstützung ihrer Fans verlassen.

Diese wird auch nötig sein, schließlich sind die Bayern das heimstärkste Team der Liga, haben in 14 Spielen noch keine einzige Niederlage einstecken müssen. „Jede Serie muss aber einmal reißen“, stellt Kirchheims Center Andi Hornig selbstbewusst klar. Mut macht den Teckstädtern der Fakt, dass sie mit dem USC Freiburg vor zwei Wochen ebenfalls eine Mannschaft schlugen, die bis dahin in eigener Halle unbesiegt war.

Gründe für die Heimstärke der Bayern gibt es mehrere. Nicht von ungefähr steht die Mannschaft von Trainer Michael Schwarz auf dem dritten Tabellenplatz. Der frühere A2-Nationaltrainer kann auf ein homogenes Team zurückgreifen, aus dem die beiden US-Amerikaner Bryan McAllister und Chad McKenzie he­rausragen. Ein weiterer Grund für die weiße Weste kann aber auch die besondere Spezifikation der Halle an der Dachauer Straße sein. Ausgelegt auf nur 350 Zuschauer mutet sie an wie die Kirchheimer Kreissporthalle und nicht wie eine bundesligataugliche Spielstätte. Besonderes Merkmal der Halle ist die Korbanlage. „Die Bälle springen einfach anders vom Brett ab als bei den gewohnten Anlagen“, erklärt der Kapitän der Knights und gebürtige Münchner Tom Klemm.

Die Gastgeber können mit dieser Besonderheit natürlich gut umgehen. Auch scheinen sich viele Gastmannschaften in der kleinen Halle mit dem unmittelbaren Kontakt zu den Fans unwohl zu fühlen. Diese Vorteile haben die Münchner in der Vergangenheit clever ausgenutzt und so ihre beeindruckende Heimserie gestartet.

Entscheidend für den Ausgang des Spiels wird sein, wie gut die Kirchheimer Abwehr mit den beiden eigenwilligen Superstars im Münchner Team zurechtkommt. Bryan McAllister und Chad McKenzie erzielen die meisten Punkte in ihrem Team, zählen auf ihren Positionen zu den besten Spielern in der Liga, haben aber die Verantwortlichen mit ihrer mangelnden Disziplin schon einige Male zur Verzweiflung gebracht. Anfang Februar trieb es McKenzie wohl eine Spur zu weit und wurde sogar für ein Spiel nicht eingesetzt.

Trotz ihrer Eigenwilligkeit versprühen die US-Boys auf dem Feld eine große Spielfreude und trugen so immer wieder zum Erfolg der Mannschaft bei. Unterstützt werden sie von Jan Stephan, Henning Gutt, Florian Moysich und Roberto Aufiero. Das Spiel der Münchner wird vorwiegend von den Shooter-Positionen bestimmt, Center Henning Gutt legte im letzten Spiel aber eine Galavorstellung aufs Parkett und ist unbedingt zu beachten.

In Kirchheim hat man sich in dieser Woche intensiv auf den wichtigen Abend vorbereitet. Die Kooperationsspieler David McCray und Kevin Wysocki bekamen einen Tag Ruhepause verordnet. Nun gilt es, die aufkommende Nervosität in den Griff zu bekommen und nicht übermotiviert in das Spiel zu gehen. Die Fehler des Hinspiels wurden nochmals genau analysiert und Coach Pat Elzie warnt vor der Gefahr der Foulbelas­tung. Diese war ein wichtiger Grund dafür, dass das Hinspiel in Kirch­heim Anfang Januar so unglücklich mit 84:90 verloren ging. Das Selbstbewusstsein ist nach den guten Auftritten gegen die anderen Spitzenmannschaften aber groß bei den Knights und so mag der altbekannte Fußball-Fangesang („Zieht den Bayern die Lederhosen aus“) in den Köpfen der Fans und Spieler umhergeistern.

Der Höhepunkt der Saison wird morgen um 19.30 Uhr in der Städtischen Sporthalle an der Dachauer Straße 98 in München beginnen. Der Kirchheimer Fanbus wird um 15 Uhr an der Sporthalle Stadtmitte abfahren. All diejenige, die keine Karten ergattern konnten, können das Spiel im Internet-Live-Ticker unter www.kirchheim-knights.de verfolgen. bs

Samstag, 19. April (alle 19.30 Uhr)

München – Kirchheim Essen – Ansbach Freiburg – Ehingen/Urspringschule Crailsheim – Breitengüßbach Wolfenbüttel – Speyer Iserlohn – Braunschweig Stahnsdorf – Herten Lichterfelde – Bielefeld