Lokalsport

Finanzkrise lässt Vereine näher zusammenrücken

Eine alte Dame wurde am gestrigen Dreikönigstag von Angelika Matt-Heidecker gewürdigt: Die Kirchheimer Oberbürgermeisterin ließ die Geschichte der mittlerweile 97 Jahre alten Turngemeinde Kirchheim (TG) auf dem traditionellen Neujahrsempfang des Vereins vor rund 100 Gästen nonchalant Revue passieren um anschließend in einer Tour d’Horizon jährliche Rückblicke und Ausblicke miteinander zu verknüpfen.

HELGE WAIDER

Kirchheim. Beim bevorstehenden Marathon der Kirchheimer Neujahrsempfänge, so das Stadtoberhaupt, habe die Turngemeinde wie gewohnt die Nase vorn. Auch den korrekten Anglizismus hatte die Oberbürgermeisterin gleich parat und sprach von einem „come together“ von Sport, Ehrenamt, Politik und Verwaltung. Den Bogen spannte sie anschließend von der Verwirklichung des amerikanischen (Präsidentschafts-)Traums über die Medienpräsenz des französischen Staatspräsidenten, der Finanzkrise und dem damit einhergehenden Wirtschaftsabschwung bis hin zum Krieg in Georgien, den Unruhen in Afghanistan, der Piraterie vor der somalischen Küste und der Welt der Spitzenmanager.

Im Fokus stand jedoch – dem Anlass entsprechend – der Sport. Matt-Heidecker erinnerte noch einmal an die Olympischen Spiele in Peking, die rekordverdächtigen Fernseh-Einschaltquoten und die fehlende Nachhaltigkeit der Spiele für Land und Menschen. In China habe nach der „großen olympischen Party“ der Alltag wieder Einzug gehalten, die Luft sei wieder smoggetrübt, die Straßen verstopft und Regimekritiker würden wieder festgenommen. China habe „die entscheidende Hürde nicht genommen.“

Stabilität und Kontinuität zeichnen hingegen das Sportgeschehen in Kirchheim aus. Matt-Heidecker erinnerte an das bevorstehende 50-jährige Jubiläum der Kirchheimer Sport-Selbstverwaltung durch den Stadtverband für Leibesübungen (SfL), „um den uns viele Kommunen beneiden.“ Welchen Stellenwert der Sport in Kirchheim habe, spiegele auch die alle zwei Jahre stattfindende Klausurtagung von Stadtverwaltung, Gemeinderat und Vertretern des SfL und der Sport treibenden Vereine wider: „Diese drei gemeinsamen Tage tragen zur positiven Gestaltung des Gemeinwesens bei.“

Lobend erwähnte Matt-Heidecker die enge Zusammenarbeit mit dem SfL im Zuge der Sportentwicklungsplanung. In diesem Zusammenhang erinnerte die Oberbürgermeisterin an die projektierte Rauner-Sporthalle (3,4 Millionen Euro), die bevorstehende Investition in die Naberner Gießnauhalle (2,9 Millionen Euro), den vorgesehenen Bau eines Kunststoffsandrasenplatzes in Ötlingen und die Investition von jährlich über einer Million Euro in ein neues Hallenbad.

Zuvor hatte die TG-Vorsitzende Silvia Kretzschmar in ihrem Grußwort mit Vehemenz dafür geworben, für die Vereine zu kämpfen, damit diese überleben können. Mehr denn je, so Kretzschmar, seien besonders kleine Vereine darauf angewiesen, ehrenamtliche Mitarbeiter zu gewinnen, um das sportliche Angebot aufrecht erhalten zu können. Einen interessanten Aspekt beobachtete Kretzschmar nach dem Beginn der Finanzkrise: „Im Verein sind die Mitglieder dadurch näher zusammengerückt.“ Sportlich, so die Vorsitzende weiter, habe bei der TG die junge Abteilung Taekwondo den größten Erfolg erzielt: in der koreanischen Kampfsportart, die erst seit zwei Jahren im Verein etabliert sei, wurde Hamza Buoaitta baden-württembergischer Meister.

SfL-Vorsitzender Siegfried Hauff ging auf die weltweite Finanzkrise ein und wies kritisch auf die durch Cross-Border-Leasing in Bedrängnis geratenen Kommunen hin. Die Stadt Kirchheim sei hier bei der Beteiligung an dem Cross-Bordervertrag der Wasserversorgung bisher glimpflich davongekommen. Im Bereich des Sports habe der SfL seit zwei Jahren, mitgetragen durch den Gemeinderat, systematisch an der Sportentwicklungsplanung gearbeitet. Hauff wies noch einmal darauf hin, dass das wesentlichste Element die kooperative Zusammenarbeit mit allen betroffenen Gruppierungen war und sei. Entsprechend erarbeitete Handlungsempfehlungen wurden auf der Klausurtagung auf dem Kanzelwandhaus priorisiert und die Großvorhaben Sportpark und Sportvereinszentrum in den Fokus gerückt.

Wichtig sei, dass im Rahmen der Sportentwicklungsplanung die Entwicklungsmöglichkeiten der Teilorte voll einbezogen würden. Für die Vereine ergäbe sich, wie Hauff weiter ausführte, die Chance weitere Optimierungen oder gar Neuausrichtungen vorzunehmen, um ihr Angebot dem Bedarf anzupassen: „Es besteht kein Zwang zur Veränderung, wohl aber die Chance dazu.“

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