Lokalsport

Fingerfertige Funktionäre sind gefragt

Fingerspitzengefühl wird im Fußball vornehmlich mit Schiedsrichterentscheidungen in Zusammenhang gebracht das wird sich ändern. Grund: Die Ergebnismeldung ins so genannte "DFBnet" ist ab sofot auch per SMS via Handy möglich. Da die bisherige Form der Übertragung für viele nicht unproblematisch war, ist nun vor allem eines gefragt: fingerfertige Funktionäre.

PETER EIDEMÜLLER

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KIRCHHEIM Wer in den vergangenen eineinhalb Jahren auf dem Fußballplatz gut hingeschaut hat, wird sie vielleicht schon bemerkt haben: Die direkt nach dem Abpfiff hastig davon eilenden Fußballfunktionäre, die das nächste Telefon oder den nächsten Computer suchen. Seit der Saison 2004/05 ist die Ergebnismeldung in die vom Deutschen Fußballbund installierte Datenbank "DFBnet" Pflicht. Wer zu spät kommt, den bestraft hier zwar nicht gleich das Leben, aber der Klingelbeutel des jeweiligen Verbandes: 16 Euro müssen gastgebende Vereine dem WFV berappen, wenn sie nicht bis spätestens eine Stunde nach Spielende das Ergebnis gemeldet haben. Dies war bislang via PC, Telefon oder internetfähigem WAP-Handy möglich.

Seit Beginn der laufenden Saison gilt diese Regelung auch im Juniorenbereich. Von der A- bis zur E-Jugend muss jedes einzelne Ergebnis gemeldet werden. Angesichts der Vielzahl an Mannschaften fühlt sich mancher Funktionär überfordert. "Der Ablauf muss verbessert werden", sagt beispielsweise Eduard Wisniewski, der als Jugendleiter des VfL Kirchheim für 13 Mannschaften verantwortlich ist. Der Neuffener weiß, dass man auf eine enge Zusammenarbeit angewiesen ist, vor allem, da die Teams über einen Heimspieltag verteilt zu verschiedenen Zeiten kicken. "Die Trainer müssten einem eigentlich gleich nach Spielende Bescheid geben." Da diese nach dem Abpfiff aber oft noch organistorische Dinge zu erledigen haben, kommt es laut Wisniewski schon mal vor, dass die Ergebnismeldung innerhalb der geforderten Stunde vergessen wird.

Dieses Problem umgeht man beim TSV Weilheim (acht Jugendmannschaften) dadurch, indem man zwei, drei Personen damit beauftragt hat, für die Ergebnismeldung zu sorgen. "Trotzdem sind wir über die engen Zeitvorgaben nicht glücklich", sagt Jugendbetreuer Martin Pfauth, der sich von der ab sofort möglichen Ergbnismeldung per SMS einiges verspricht: "Das könnte die Angelegenheit schon beschleunigen." Gut möglich also, dass man in Zukunft eifrig in ihr Handy tippende Funktionäre beobachten kann, die dem DFB das Resultat ihrer Mannschaft in einer Kurzmitteilung schicken.

"Es ist wichtig, dass es mehrere Formen der Ergebnisübertragung gibt", ist Bezirksjugendleiter Hans-Peter Nickel froh über die zusätzliche Variante via SMS. Dennoch vermutet er, dass in Sachen drahtloser Kommunikation zwischen Verbänden, Bezirken und Vereinen noch lange nicht das Ende der Fahnenstange erreicht ist. "In Zukunft wird eine Art Manager im Verein, der für nichts anderes zuständig ist, unabdingbar sein." Eine Einschätzung, die der Leiter der Jugendabteilung beim WFV teilt. "Das DFBnet ist nur ein Modul von vielen", sagt Oliver Deutscher, "wir streben an, die gesamte Kommunikation in den nächsten Jahren elektronisch abzuwickeln." Die SMS sieht er als einfachstes Mittel, um Ergebnisse zeitnah weiterzugeben. "Gerade Jugendliche tun sich im Umgang mit Handy und Internet leichter."

Der Fußball spielt in Sachen moderner Kommunikationsmittel aber nicht die Vorreiterrolle: Im Handball werden Ergebnisse auf Verbandsebene bereits seit zwei Jahren ausschließlich per SMS gemeldet. "Die Deckung beträgt 100 Prozent", freut sich Gabriele Kindler vom Handballverband Württemberg (HVW). Ab der kommenden Saison soll dieses Prozedere auch auf Bezirksebene umgesetzt werden, säumige Melder müssen auch hier mit Geldbußen rechnen. Bemerkenswert ist jedoch, dass die Verbände all dies in Eigenregie regeln ohne, dass der nationale Dachverband Vorgaben macht.

Völlig ohne Zwang geht die Ergebnismeldung im Basketball vonstatten. "Die Überbürokratisierung wie im Fußball haben wir nicht", weiß Uli Tangl, der als Verantwortlicher im Basketballbezirk vier des Basketballbundes Württemberg (BBW) 75 Vereine unter seinen Fittichen hat. Die Ergebnisse kämen zwar auch per SMS, deren Meldung stelle aber keine Verpflichtung dar. Man verlasse sich vielmehr auf das Engagement und das Pflichtbewusstsein der Betroffenen.

Pflichtbewusstsein hin, Zwang her die schnelle Übertragung von Spielergebnissen schafft in allen Sportarten Transparenz. Wenn diese allerdings zu Lasten des Ehrenamts geht, wie viele angesichts der zusätzlichen Verantwortung befürchten, ist der Preis zu hoch. Vor allem dann, wenn man künftig für den Erhalt von Ergebnissen bezahlen muss. Böse Zungen wollen hier nämlich die wahre Absicht hinter dem "DFBnet" erkannt haben.