Lokalsport

Fluchtpunkt Lehenäcker

Kaum hat Erwin Glaunsinger, ehemaliger Coach des einstigen Landesligisten TSuVG Großbettlingen, auf der Trainerbank des lokalen Bezirksliga-Sorgenkinds TSV Notzingen Platz genommen, bekommt er schon die erste harte Nuss zu knacken.

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KLAUS SCHLÜTTER

Kirchheim. Der TSV Notzingen spielt in Jesingen, liegt nach einer Stunde 0:3 im Hintertreffen. Da gibt es Freistoß für die Gäste. Trainer Erwin Glaunsinger hat in der Besprechung vor dem Spiel Ingo Schäfer als Freistoßschützen auserkoren. Doch in diesem Moment fühlt sich Thomas Uhlig berufen, den Freistoß auszuführen, streitet mit Schäfer um den Ball, drängt ihn zur Seite.

Was dann geschieht, stellt selbst die Flucht von Kevin Kuranyi von der Tribüne des Dortmunder Stadions kürzlich beim Länderspiel gegen Russland in den Schatten. Ingo Schäfer verlässt beleidigt den Platz in den Lehenäckern und ward nicht mehr gesehen. Zuschauer und Spieler sind sprachlos. So etwas haben sie noch nie erlebt.

Zum Glück für die Gäste haben die Notzinger ihr Auswechselkontingent noch nicht erschöpft. Es kommt mit dem ehemaligen VfL-Verbandsligakicker Elvis Luik ein neuer Mann. Den Freistoß schießt übrigens nicht Uhlig, sondern Deniz Genc. Er ist kein lachender Dritter in diesem Streit: die Aktion versandet.

Aber was passiert jetzt mit Ingo Schäfer? Klar ist, dass die sportliche Leitung des TSV Notzingen diese Entgleisung ahnden muss, auch wenn sie aus lauter Frust geschah. Die Situation ist delikat. Vater Wolfgang Schäfer ist Abteilungsleiter und vertritt die Meinung: „Wir werden am Dienstag nach dem Training darüber reden. Wenn es vereinsinterne Konsequenzen gibt, dann eher für Uhlig, der sich nicht an die Absprachen gehalten hat.“ Hoppla.

Dabei ist sein Ingo kein unbeschriebenes Blatt. Er war in dieser Saison wegen anderer Kapriolen schon bis zur Winterpause gesperrt, wurde jedoch vom früheren Trainer Ronald Witt nach langem Überlegen wieder begnadigt. Seine Mitspieler beschreiben Ingo Schäfer als Kumpeltyp, der auf dem Platz aber zur Furie werden kann. Andererseits ist er sportlich so wertvoll, dass der TSV kaum auf ihn verzichten kann, wenn er den drohenden Abstieg noch verhindern will. Die richtige Entscheidung zu treffen – die erste große Bewährungsprobe für Neu-Trainer Erwin Glaunsinger. Die Fußballszene ist gespannt, wie er die delikate Aufgabe meistert.

Beim Bezirksligaspiel SG Erkenbrechtsweiler/Hochwang gegen Ebersbach wurde eine Entscheidung getroffen, mit der die SGEH-Vereinsleitung überhaupt nicht einverstanden war. Nebel lag über dem Sportgelände. Schiedsrichter Lukas Sommer (Neu-Ulm) befürchtete deshalb, den Durchblick zu verlieren und brach die Partie in der 72. Minute ab.

Zu diesem Zeitpunkt führte die SGEH durch Tore von Manuel Rothweiler, Osman Cobankara und Jorgo Kartailidis bei Gegentreffern von Dominik Garcia Villa und Pascal Römpfer mit 3:2 und Pressewart Benjamin Möll versichert: „Die Sicht war zum Zeitpunkt des Abbruchs nicht schlechter als noch zu Beginn der zweiten Halbzeit. Deshalb hätte die Partie fertig gespielt werden können.“

Klar, dass die Fußballer der Sportgemeinschaft den sozusagen verloren gegangenen drei Punkten nachtrauern. Denn ob sie die Ebersbacher im Wiederholungsspiel erneut in die Knie zwingen können, ist genauso nebulös wie die abgebrochene Partie. Apropos Ebersbach: Der ehemalige Kapitän des Oberligisten VfL Kirchheim, Mario Grimm, wird aller Voraussicht nach nicht zum Bezirksligisten aus dem Filstal wechseln. In der Gerüchteküche war ein Wechsel des Abwehrhünen zum SV Ebersbach nach seinem überraschenden Ausstieg beim VfL hoch gehandelt worden. „Mario und ich sind gut befreundet“, betont das Spielausschussmitglied der Ebersbacher, Jürgen Schorstädt, „aber ein Wechsel ist für uns kein Thema.“

Ärger verursachte neben dem Spielabbruch in Erkenbrechtsweiler auch ein zweiter Spielausfall in der Kreisliga B, Staffel 6. In Unterlenningen wollten sowohl der TVU als auch die zweite Mannschaft der SF Dettingen unbedingt spielen. Doch der Unparteiische Ferruh Erdem war anderer Meinung. „Der Platz ist zu dreckig“, erklärte er und machte sich wieder auf den Heimweg. Zurück blieben Spieler, Trainer und Betreuer und trauerten den vergeudeten Stunden auf dem Sportgelände auf dem Bühl nach.