Lokalsport

Freude an Leistung

Fachlehrermangel im Sport - Am Nachwuchs liegt es nicht, wie ein Blick in die Anmeldelisten am Pädagogischen Fachseminar (PFS) in Kirchheim zeigt: 400 Bewerber kämpfen dort um 90 Studienplätze. Wir befragten PFS-Leiterin Brigitte Heß zu Chancen und Anforderungen in einem Beruf, der sich mit einer veränderten Klientel befassen muss.

BERND KÖBLEImmer mehr Kinder sind heute nicht mehr in der Lage, einfachste Bewegungsabläufe zu koordinieren. Welchen Einfluss haben solche Entwicklungsdefizite auf die heutige Sportlehrerausbildung ?Durch regelmäßige Novellierungen der Ausbildungspläne in den vergangenen Jahren wurde diesen Defiziten Rechnung getragen. So gibt es im Rahmen der Sportlehrerausbildung am PFS den Profilbereich "Bewegung Gesundheit Ernährung", wo genau diese Themen vertiefend behandelt werden. Zudem werden Projekte für die Umsetzung in der Schulpraxis, zum Beispiel im Rahmen des Programms "Bewegte Schule" oder in der Ganztagesbetreuung entwickelt und an unseren Ausbildungsschulen erprobt.Der deutsche Sportlehrer ist heute im Schnitt 45 Jahre alt. Vor allem an den Grund- und Hauptschulen beklagen Kritiker zu alte Lehrkräfte. Ist guter Sportunterricht eine Frage des Alters?Ein guter Sportunterricht ist von der fachlichen Kompetenz einer Lehrkraft abhängig. Wie in jedem anderen Fach gibt es auch im Sport leistungsstarke ältere Lehrer neben schwachen jungen und umgekehrt. Durch die optimalen Einstellungsquoten des Landes in den vergangenen Jahren ist meiner Meinung nach eine ausgewogene Mischung von erfahrenen und jungen Lehrern gegeben. Von den etwa 60 Fachlehrern im Bereich Sport, die jährlich das Pädagogische Fachseminar in Kirchheim verlassen, ist die Mehrzahl jünger als 25 Jahre. Von ihnen darf man erwarten, dass sie neben Grundlagen auch aktuelle Akzente in Trendsportarten setzen, die im übrigen am Seminar in Projekten und Kursen auch angeboten werden.Trotzdem bleiben Schüler keinem anderen Fach häufiger fern als dem Sport. Als "unsportlich" abgestempelte Kinder schrecken Konkurrenzkampf und Leistungsbewertung ab. Braucht der Schulsport zwingend Noten?Die Befreiung vom Sportunterricht durch Entschuldigung oder die "Flucht ins Attest" ermöglichen Ärzte und Eltern leistungsunwilliger Schüler, weil schlicht die Bedeutung des Schulfaches Sport nicht hoch genug eingeschätzt wird. Kinder haben in der Regel Freude an der Bewegung und auch an Leistung. Sie haben auch ein Interesse daran, zu erfahren, wie ihre Leistung bewertet wird. Es ist jedoch erforderlich, dass Sportlehrer bei der Benotung bewegungsarmer Kinder ihren pädagogischen Freiraum ausschöpfen und auch kleinere Fortschritte hervorheben. Das trägt zur Motivation bei. In jede Sportnote, die sich aus mehreren Sportarten zusammensetzt, fließt im übrigen neben dem Leistungswillen auch soziales Verhalten mit ein.

Anzeige