Lokalsport

Frisch Auf macht die Tore weit

Fabian Gutbrod unterschreibt Dreijahresvertrag beim Handball-Bundesligisten in Göppingen

Handball-Bundesligist Frisch Auf Göppingen setzt weiter auf Fabian Gutbrod. Der 19-jährige Junioren-Nationalspieler aus Owen hat bei den Grün-Weißen einen Profivertrag bis 2012 unterzeichnet. Damit trägt das Kooperationsmodell zwischen Regionalligist TV Neuhausen und dem Göppinger Traditionsclub neue Früchte.

Bernd Köble

Owen/Göppingen. Schießtraining statt Schusstraining, und die Marschrichtung gibt nicht der Trainer, sondern ein Feldwebel vor. Verkehrte Welt im Leben eines angehenden Handballprofis. Doch auch für den gilt: An der Grundausbildung führt in der Bundeswehr kein Weg vorbei. Seit heute ist Schluss mit militärischem Drill und ödem Stubendienst. Mit dem Wechsel von der Ausbildungskaserne in Dillingen zur Sportfördergruppe in Warendorf beginnt für Fabian Gutbrod wieder der Handballalltag. Mit freiem Kopf und einem klar formulierten Ziel: So schnell wie möglich Fuß zu fassen in der ersten Liga. Inzwischen ist auch klar, wo dies sein soll: Frisch Auf hält am Owener auch in den kommenden drei Jahren fest. Der neue Kontrakt gibt beiden Seiten Planungssicherheit und ist für den 19-Jährigen wie ein Befreiungsschlag. Die mehrmonatige Hängepartie, die der Vertragsunterzeichnung am Freitag vorausging, eine langwierige Schulterverletzung und die Tatsache, dass er während seines Grundwehrdienstes wochenlang nicht trainieren konnte – all dies nagte an der Psyche, und all dies ist jetzt Vergangenheit.

Nun heißt es durchstarten und sich mit guten Leistungen für einen Platz im linken Rückraum der Göppinger empfehlen. „Nächste Saison muss es klappen“, macht sich Gutbrod selbst den Druck, den er brauchen wird, um Erfolg zu haben. Die Liste seiner Vorgänger wirft einen langen Schatten: Dragos Oprea, Michael Kraus, Michael Schweikardt oder Manuel Späth. Sie alle haben die Göppinger Handball-Akademie durchlaufen und den Sprung nach ganz oben geschafft. Bis dahin ist es für Fabian Gutbrod noch ein steiniger Weg. Auf der Königsposition der Göppinger ist die Luft selbstredend dünn, und ernsthafte Alternativen gibt es für ihn kaum. Der 1,99 Meter große Rechtshänder ist auf jene Position festgelegt, auf der er sich im EM-Sommer mit überzeugenden Auftritten bei der Endrunde in Rumänien einen Stammplatz in der Juniorenauswahl von Bundestrainer Martin Heuberger erkämpfte. „Fabian bringt alles mit, was ein Bundesligaspieler braucht“, stellt ihm Frisch-Auf-Trainer Velimir Petkovic ein positives Zeugnis aus. Er weiß aber auch: „Für einen Rückraumspieler ist es natürlich immer schwerer als auf einer Außenposition.“ Zwar laufen in Göppingen die Verträge von Garcia, Manojlovic und Thiede zum Saisonende aus, doch selbst ein Allrounder wie Tim Kneule, der vor zwei Jahren denselben Weg wie Gutbrod beschritt, wartet bis heute auf den Durchbruch. Kein Wunder, dass Kneule für den Owener derzeit ein gefragter Gesprächspartner ist. Beide entwickelten sich unter der Obhut von Landestrainer Kurt Reusch zu Schlüsselfiguren beim Regionalligisten aus dem Ermstal, beide kennen sich aus mehr als 40 Einsätzen für die Jugend- und Juniorennationalmannschaft und beide sind Teil des Kooperationsmodells zwischen dem TVN und dem Stauferteam.

In einem Punkt könnte die sportliche Vita der beiden Weggefährten künftig auseinanderklaffen: Während Kneule das Trikot des TVN mit dem grün-weißen tauschte, würde Gutbrod, der auch im kommenden Jahr mit einem Zweifachspielrecht ausgestattet ist, notfalls auch einen Umweg in Kauf nehmen. Die Stimmen jedenfalls werden zahlreicher, die einen Zweitliga-Stammplatz in der neuen Saison für ihn zur Pflicht erklären. Eine davon gehört inzwischen Kurt Reusch, der lange Zeit die schützende Hand über seinen Zögling hielt und der kaum einen Hehl daraus machte, dass er das warme Nest im beschaulichen Neuhausen für die beste Brutstätte eines späteren Erfolgs ansieht. Doch Reusch, der im Dezember seinen 65. Geburtstag feiert, verabschiedet sich zum Saisonende in den Ruhestand. Wer in seine Fußstapfen tritt, ist zur Stunde noch offen. Der väterliche Freund und Trainer jedenfalls ist mit ein Grund, dass Gutbrods Herz scheinbar untrennbar an Neuhausen hängt. „Wenn zweite Liga, dann am liebsten mit dem TVN“, gibt der 19-Jährige unumwunden zu und fügt fast beschwörend hinzu: „Ich gehe davon aus, dass wir aufsteigen.“ Nur: Ähnliches kam ihm vergangene Saison und auch das Jahr davor schon über die Lippen. Der Vorzeigeclub aus dem Ermstal tut derzeit das, was er eigentlich immer tut: er hält Kontakt zur Spitze. Sollte es am Ende wieder nicht reichen, ist die Trennung eine wahrscheinliche Option.

Doch so weit will der Lange mit der blonden Mähne noch nicht denken. Am Samstag kommt mit der HSG Langenau/Elchingen der Tabellenvorletzte in die Ermstalhalle. Eine Pflichtaufgabe, auf die er sich noch akribischer vorbereitet als sonst: mit einer Zusatzschicht in Mutters Küche. Vier Kilo hat er während der Grundausbildung bei der Bundeswehr verloren. „Doch keine Sorge“, meint er, „die krieg‘ ich am Wochenende locker wieder drauf.“

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