Lokalsport

Fritz Walters heimlicher Nachfolger

ERKENBRECHTSWEILER In der Umgebung von keltischen Grabhügeln und Heidengraben würde man eigentlich keinen ehemaligen Fußballnationalspieler vermuten. Doch

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PETER BOGOWSKY

auf dem Landgasthaus Burrenhof bei Erkenbrechtsweiler findet man einen: Erwin Waldner. Der ehemalige VfB-Profi feiert heute seinen 74. Geburtstag.

An den Wänden des Burrenhofs, den er 1963 während seiner aktiven Zeit als Fußballer kaufte und bis heute mit seiner Frau in Familienbesitz hält, hängen Bilder aus seiner langen und erfolgreichen Karriere. Trotz gesundheitlicher Probleme ist er aufgeschlossen und überaus freundlich. Wer ihm zuhört, merkt, dass ihm die Erinnerung an die aktive Fußballerzeit große Freude bereitet. Bis heute verfolgt er das Fußballgeschehen aufmerksam. Besonders die Spielweise der deutschen Nationalmannschaft hat ihn im vergangenen Jahr erfreut.

Auch die alte Verbundenheit zum VfB Stuttgart ist noch stark erhalten. Welches Talent dieser Mann besaß, lässt sich an den Zahlen seiner Karriere ablesen: 13 Länderspiele, dabei zwei Tore, zwei Mal DFB-Pokalsieger mit dem VfB Stuttgart und zudem einer der ersten Deutschen, die im Ausland spielten. Seine größten Momente als Fußballer hatte er im Länderspiel gegen Russland (Waldner: "Mein bestes Spiel") und den zwei Pokalfinalen 1954 und 1958. Voller Stolz berichtet er, was Fritz Walter zu ihm gesagt hat: "Du wirst einmal mein Nachfolger."

Entdeckt wurde er bei einem Spiel seines Heimatvereins TB Neckarhausen gegen Denkendorf. Schmunzelnd berichtet er, wie der Denkendorfer Spieler Tröfrock, der einst beim VfB gespielt hatte, während der Begegnung zu ihm sagte, er könne bei den "Roten" spielen. Nach einigen Einsätzen in der süddeutschen Jugendauswahl war es dann so weit. Der 19-Jährige durfte sofort mit auf eine Auslandsreise nach Mexiko, obwohl er dort eigentlich gar nicht spielen sollte, da man erst ab 20 eingesetzt werden durfte. Lachend erzählt er, dass die dortige Höhenluft den etatmäßigen Spielern dermaßen an die Kondition gegangen sei, dass der junge Erwin Waldner doch eingesetzt wurde.

So begann eine große VfB-Karriere mit den zwei Pokalsiegen als Höhepunkten. Mit dem Wechsel zum FC Zürich im Jahr 1960 wurde Erwin Waldner zu einem der ersten Deutschen, die im Ausland spielten. Er erlebte ein erfolgreiches Jahr in Zürich. Die Spiele im Europacup gegen Real Madrid, der dominierenden Mannschaft in Europa, in der Spieler wie Ferenc Puskas spielten, bleiben ihm unvergessen. Dennoch wechselte er 1961 nach Italien. Inter Mailand hatte Interesse gezeigt und setzte ihn auch in einem Testspiel ein. Letztlich verhinderte der Einkauf des Engländers Gerry Hitchens diesen Transfer, denn, wie Erwin Waldner heute berichtet, durfte nur einer von beiden verpflichtet werden.

So wechselte er zu Spal Ferrara, über die er nach eigenem Bekunden kaum etwas wusste. "Es war ein Aufsteiger, dem kaum Chancen gegeben wurden, in der Serie A zu bestehen", erinnert er sich. Nicht zuletzt dank ihm konnte der Abstieg vermieden werden. Im zweiten Jahr wurde sogar der neunte Platz erreicht. Er fand viele Freunde und sagt noch heute: "Es war eine sehr schöne Zeit." Seither ist der Name Waldner auch in Italien ein Begriff. Als der Ex-Gladbacher Marco Villa zu Spal Ferrara wechselte, ehrte ihn die örtliche Presse mit einem ganzseitigen Artikel.

Zum Abschluss seiner Karriere kehrte er zum VfB Stuttgart zurück und absolvierte noch 63 Bundesligaspiele, in denen er zwölf Tore schoss. Im Gegensatz zu vielen anderen Fußballern dachte Erwin Waldner nie daran, als Trainer zu arbeiten. Der heutige VfB-Präsident Erwin Staudt hält immer noch regelmäßigen Kontakt zu ihm, und der FC Bayern hat ihn als Ehrengast zu einem Bundesligaspiel in die Allianz Arena eingeladen. So wie Erwin Waldner früher auf dem Platz nie die Spielfreude verloren hat, so widmet er sich auch heute noch der zumindest für ihn schönsten Nebensache der Welt.