Lokalsport

"Frontalangriff " vereint Funktionäre

Die Sportvereine im Land gehen auf die Barrikaden. Wenn der Stuttgarter Landtag am 8. Dezember über Zuschusskürzungen brütet, wird in etlichen Vereinen der Sportbetrieb ruhen. "Wir müssen die Leute wach rütteln", sagt VfL-Vorsitzende Doris Imrich.

BERND KÖBLE

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KIRCHHEIM Mit knapp 5,3 Millionen Euro weniger an Zuschüssen sollen nach den Plänen der Landesregierung die Sportvereine in den kommenden beiden Jahren auskommen. Die Sportförderung ist nur eines von unzähligen Feldern, das die Regierung im Kampf gegen das Haushaltsdefizit beackert. Das ist zwar nicht neu, denn Sportgeräteförderung und Investitonszuschüsse fielen bereits in diesem Jahr dem Rotstift zum Opfer. Doch diesmal fühlen die Vereine sich in ihrer Substanz bedroht. Setzt die Teufel-Regierung ihre Sparpläne um, müssten ehrenamtliche Trainer und Betreuer fortan ganz auf ihre ohnehin kargen Zuschüsse von 360 Euro pro Kopf und Jahr verzichten.

Nicht nur VfL-Präsidentin Doris Imrich ruft zum Kampf gegen den Kahlschlag im Ehrenamt auf. "Die Übungsleiterpauschale ist das Herzstück eines jeden Vereins", sagt die Vorsitzende, die als Vertreterin der Vereine im Sportkreis Esslingen nicht tatenlos zuschauen will, wie das hoch gelobte Ehrenamt mit Füßen getreten wird . Während Vereine wie der SV Fellbach, der TSV Schmiden und der TV Oeffingen bereits angekündigt haben, am 8. Dezember ihre Hallen zu schließen, denkt man auch in der VfL-Zentrale im Kirchheimer Stadion über wirksame Mittel des Protestes nach.

Was die Frau an der Spitze des mitgliederstärksten Vereins im Sportkreis besonders ärgert, ist die Tatsache, dass die seitherigen Sparbemühungen durch die aktuellen Pläne noch bestraft werden. Sie wirft der Landesregierung Wortbruch vor und erinnert an die Zusage vom vergangenen Jahr, die Übungsleiterpauschale unangetastet zu lassen. "Auf den Wegfall der Investitionsmittel waren wir vorbereitet", sagt Doris Imrich. Neuanschaffungen wurden verschoben, Reparaturen selbst erledigt, der vereinseigene Gymnastikraum im Stadion erst vor zwei Jahren saniert und in dringenden Fällen auf vereinseigene Rücklagen zurückgegriffen. "Wenn die Stadt uns nicht wohl gesonnen wäre", meint die Vereinsvorsitzende, "stünde uns das Wasser schon längst bis zum Hals." Mit der Pauschale für ehrenamtliche Betreuer steht nun erstmals die fachliche Kompetenz der Sportvereine zur Disposition, denn mit dem Wegfall dieser Zuschüsse wären auch Lehrgänge und Weiterbildungsangebote gestrichen.

Für Großvereine wie der VfL Kirchheim, der 1 600 Kindern und Jugendlichen ein sinnvolles Freizeitangebot bietet, kann es daher nur eine Parole geben: "Hände weg von der Übungsleiterpauschale." Um ihren Forderungen Nachdruck zu verleihen, haben die Sportvereine im Land inzwischen eine eigene Internetplattform eingerichtet, auf der Meinungen gesammelt, Aktionen koordiniert und Forderungen formuliert werden. Unter www.vereine-vor-dem-aus.de wehren sich Sportvereine und Verbände vehement dagegen, bei der Sanierung des Landeshaushaltes als Opferlämmer herhalten zu müssen.

Ein Widerstand, der Wirkung zeigt, denn inzwischen scheinen Politiker wie Günther Oettinger zum Einlenken bereit. Dem CDU-Fraktionschef, der dieser Tage von Regionalkonferenz zu Regionalkonferenz eilt, um sich für die Rolle des künftigen Landesvaters zu empfehlen, bläst der Wind aus den Vereinen gehörig ins Gesicht. Es ist wie so oft: Ist der Aufschrei riesengroß, will es am Ende keiner gewesen sein, der den Stein ins Rollen brachte.

Dabei führt an schmerzhaften Einschnitten kein Weg vorbei. Wolle man die Konsolidierung des Landeshaushaltes ernst nehmen, sagt Kirchheims CDU-Landtagsabgeordneter Karl Zimmermann, könne kein Bereich ausgenommen werden. Dennoch macht auch Zimmermann sich für ein Einfrieren der Übungsleiterpauschale in den kommenden beiden Haushaltsjahren stark und sieht dafür auch eine breite Mehrheit in den eigenen Reihen. "Integration findet zuerst in den Vereinen statt", räumt der Politiker ein und lud deshalb Vertreter des TSV Weilheim und des VfL Kirchheim gemeinsam mit der Vorsitzenden des Sportkreises Esslingen, Anna-Maria Burges, zu einem Treffen mit der Fraktionsspitze in den Landtag ein. Ob das Gespräch auf fruchtbaren Boden fiel wird sich erst im neuen Jahr zeigen müssen. Die CDU-Fraktion will im Rahmen ihrer Klausurtagung vom 11. bis 13. Januar in Altensteig endgültig eine Entscheidung treffen.

Ins selbe Horn stößt auch seine Kollegin von der SPD, Carla Bregenzer. Die geplanten Kürzungen bei der Sportförderung bezeichnet die Kirchheimer Landtagsabgeordnete als "Frontalangriff auf das Ehrenamt" und als "unverantwortlich." Den Sportvereinen jedes Jahr neue Sparopfer abzuverlangen, meint Bregenzer, komme die Gesellschaft langfristig teuer zu stehen. "Den Landeshaushalt jedenfalls, sanieren sie nicht."