Lokalsport

Frühlingsgefühle unterm Wielandstein

Gottschalks Sofa war kaum angewärmt, da hatten andere ihre Saalwette bereits gewonnen. Und während Deutschlands bestbezahlter Dampfplauderer Stars und Sternchen um sich scharte, kamen andere auch zur Primetime gänzlich ohne aus: Die Mannschaft der Stunde feierte in Wolfschlugen den Erfolg des Kollektivs und die Lenninger Handballfans ihren neuen Landesliga-Meister.

BERND KÖBLE

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LENNINGEN Erfolge, die keiner erwartet, sind bekanntlich die schönsten. Wohl keiner hatte zu Saisonbeginn die SG Lenningen als heißen Tipp im Rennen um den Landesligatitel auf der Rechnung. In der vergangenen Saison nur um Haaresbreite dem Abstieg entronnen, jung zwar und fraglos talentiert, doch wohl zu grün, um der arrivierten Liga-Konkurrenz das Fürchten zu lehren. Seit Samstag weiß man's besser. Das Lenninger Meisterstück drei Spieltage vor Schluss spült eine alte Weisheit an die Oberfläche, wonach der Erfolg ohne klangvolle Namen auskommt, wo ein intakter Teamgeist regiert.

Für Lenningens Trainer Hans Hahn Grund genug, als einer der wenigen vom Start weg an seine Jungs zu glauben. "Die Mannschaft hat genügend Substanz, um im vorderen Drittel mitzuspielen", gab dieser jedem mit auf den Weg, der es wissen wollte. Die Zuversicht des Trainers hat die Truppe gelehrt, an die eigene Stärke zu glauben. "Wir haben uns von Beginn an nach oben orientiert und wollten mit dem Abstieg nichts zu tun haben", beschreibt Mannschaftskapitän Steffen Kazmaier die simple Erfolgsformel. Mit den Siegen in den Derbys gegen Weilheim und Owen wurde plötzlich deutlich: Da ist mehr drin. "Innerhalb der Mannschaft stimmt's", meint der Spielführer. "Jeder kämpft für den anderen und irgendwann ist dann plötzlich auch das Glück auf deiner Seite."

Der größte Erfolg im Männerhandball seit der Vereinsfusion vor 14 Jahren weckt Erinnerungen an glanzvolle Handballzeiten unterm Wielandstein. Zu Beginn der siebziger Jahre, als dem TSV Oberlenningen der Vorstoß in die Oberliga gelang, herrschte ähnliche Euphorie im Täle. Klaus Kazmaier, in Ehren ergraut, war damals tragende Säule des Lenninger Erfolgs. Vergleiche mit dem Aufstieg in die einst höchste württembergische Spielklasse zieht er heute nur ungern: "Der Handball ist deutlich schneller und dynamischer geworden", meint der Spielmacher von einst, ohne die eigene Leistung zu schmälern. "Gemessen an unseren Trainingsbedingungen war der Erfolg damals vielleicht noch höher zu bewerten." Dass das Aufstiegsmärchen ein vorschnelles Ende finden könnte, glaubt Kazmaier nicht: "Die Mannschaft ist spielerisch so weit gereift, dass sie auch in der Verbandsliga mithalten kann."

Das klingt wie Laudatio an die Adresse des Mannes, der für diesen Reifeprozess steht: Mit Hans Hahn kam der Erfolg nach Lenningen zurück. Er führte die Mannschaft vor drei Jahren zurück in die Landesliga und formte aus ehrgeizigen jungen Spielern ein homogenes Team. Eine Handschrift, an der sich auch der neue Coach in der kommenden Verbandsligasaison orientieren will. "Das Mannschaftsgefüge ist stark", meint Hahns Nachfolger Bruno Rieke, der den Zusammenhalt in der Truppe über alles stellt.

Die Voraussetzungen dafür scheinen auch in der bevorstehenden Runde günstig zu sein: Die Mannschaft bleibt komplett beisammen, von nennenswerten Verstärkungen ist bislang nicht die Rede. Mit vier statt bisher zwei Trainingseinheiten pro Woche will Rieke schon ab 23. Mai die Grundlage für das erfolgreiche Unternehmen Verbandsliga legen. Bis dahin hat die SG in der laufenden Saison freilich noch drei Spiele zu absolvieren. "Die werden wir ernst nehmen", lässt Mannschaftskapitän Steffen Kazmaier keine Zweifel auf- kommen. Das sind wir unseren Fans schließlich schuldig."