Lokalsport

Für Pasko Tomic ist zu 80 Prozent alles gut

Nach 13 Spielen in der 2. Basketball-Bundesliga Süd steht Aufsteiger VfL Kirchheim Knights mit 6:20 Punkten auf jenem Platz, der als Saisonziel ausgegeben wurde: dem ersten Nicht-Abstiegsplatz. "Wir sind genau dort, wo wir es erwartet haben", bekräftigt Coach Pasko Tomic.

MAX DANIEL

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KIRCHHEIM Bisher fuhren die VfL-Basketballer drei Siege ein seit dem tollen Start mit zwei (Auswärts-)Erfolgen aus drei Spielen allerdings nur noch einen. Keine Frage: Will man dem Abstieg entgehen, muss diese Quote deutlich verbessert werden.

Dass da hinter den Kulissen und bei den Fans Unruhe entsteht, ist naheliegend. Tomic dazu: "Die ersten beiden überraschenden Siege haben vielleicht beim einen oder anderen höhere Ansprüche entstehen lassen. Aber wir haben zu 80 Prozent gute Spiele abgeliefert. Die drei Gelegenheiten, wo das nicht gelang, waren die in Kaiserslautern beim 75:111, zu Hause gegen Rastatt beim 59:62 und in Nördlingen bei der 77:101-Niederlage." Tomic führt das auch darauf zurück, dass die Knights in der Anfangsphase der Saison so viele starke Gegner hatten: "Die Niederlagen haben an den Nerven gezehrt. Meine Mannschaft hat nicht die Erfahrung, um damit besser umzugehen."

Was dazu kam: Nach dem Spiel in Lich am 3. Spieltag (tolles 90:87 nach Verlängerung) ist es fast nie mehr gelungen, dass fünf Leute leistungsmäßig am Limit spielten. Das hat nur noch einmal geklappt: Beim 97:91 gegen Freiburg am 10. Spieltag. Doch eine Entwicklung ist für Tomic trotzdem zu erkennen, und zwar eine positive: Die Leistung beim unglücklichen 67:68 in Crailsheim war für den Coach eine der besten Leistungen der ganzen Saison, kämpferisch wie taktisch. Bei allem Schmerz über die unglückliche Niederlage, Tomic war begeistert von der Moral seiner Truppe, die sogar ohne Tom Klemm, einem der wichtigsten Spieler, im Hexenkessel der 3000 Fans standgehalten hat "das gibt uns noch mehr Mut und Motivation."

Das Merkmal der VfL-Truppe war bisher allerdings die Achterbahnfahrt, vor allem auf die Leistungen der einzelnen Spieler bezogen. Gerade der eigentlich Erfahrenste macht da keine Ausnahme: Der weißrussische Nationalspieler Alex Zyskunov (29) geht zuweilen während eines Spiels durch Himmel und Hölle. Er ist statistisch gesehen zwar der effektivste Knight, doch vom Potenzial her müsste er zu den drei besten Centern der Liga gehören. Da ist für die 17 Spiele 2007 noch viel Luft nach oben. Beim Schicksalsspiel gegen den Tabellenletzten Mainz am 13. Januar wird er allerdings fehlen: Seine Hochzeit in Minsk war schon seit Juli fest terminiert.

Am meisten Freude, wenn auch nicht immer, machten Tomic die beiden Youngsters: Kosta Karamatskos wird immer mehr zum Spielgestalter, den der Coach sehen will, seine gelegentlichen Verrücktheiten, die einem 20-Jährigen auch zugestanden werden müssen, werden immer seltener. Sein sechster Platz unter den Assistgebern der Liga spricht Bände. Ganz stark auch oft Antonis Sivorotka (21), der in der Liga zu den Top 50 der Punktesammler, der Rebounder, der Dreierschützen und in der Effektivität gehört. Die Leihgabe aus Ulm muss nun noch konstanter werden, dann rückt sein Ziel erste Liga immer näher.

Die Zuverlässigkeit in Person ist Tom Klemm. Seit dem Nördlingen-Spiel auch Kapitän der Mannschaft, gibt er immer alles, außer, wenn ihm sein Magen einen Streich spielt wie in Crailsheim. Langsam aber sicher in die 2. Liga gefunden hat nach langen Anlaufschwierigkeiten, bedingt durch Verletzungen und das Finden der neuen Rolle, auch Ross Jorgusen. Aber seine Platzierung als Neuntbester der Liga bei den Zuspielen kann sich sehen lassen. Er hat sich ganz fest vorgenommen, 2007 noch einmal richtig anzugreifen. Ebenfalls einen Top-Platz erreicht Bill Goehrke: Seine 2,8 Offensiv-Rebounds in nur 17 Minuten bringen ihn auf Platz sieben in dieser Statistik, insgesamt holte er 5,2 Rebounds (Platz 32). Auch Kai-Uwe Kranz scheint sein Tief überwunden zu haben. Seine Treffsicherheit von außen brauchen die Knights auch unbedingt. Am Trainingseifer kann es nicht liegen: Keiner fährt so viele Zusatzschichten wie der 27-Jährige.

Wenn jetzt noch Tim Burnette besser ins Team findet und dadurch Konstanz gewinnt, Wilu Lenger weiterhin so viel aus seinen wenigen Spielminuten macht und Joe Hountondji das Lob von Tomic ("von ihm erwarte ich noch einiges") umsetzen kann, muss einem um die Knights nicht bange sein. Was einem natürlich trotzdem ständig ist, bei diesem Überlebenskampf am Abgrund zur Regionalliga. Aber da sind eben starke Nerven, ein bisschen Glück und weiterhin viel Arbeit gefragt. Tomic: "Wer nicht an uns glaubt, soll sich mal anschauen, was wir unter der Woche machen. Und eines ist sicher: Mir und der Mannschaft tun die Niederlagen am allermeisten weh."