Lokalsport

Gaudi, Schweiß und schnelle Beine

BERND KÖBLE

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BISSINGEN Für die einen überwiegt die Freude auf ein beschauliches Familienfest, anderen treibt schon der Gedanke daran den kalten Schweiß auf die Stirn. Dass beide Seiten regelmäßig dem Reiz der "Meile" erliegen, beweist nicht nur die stattliche Schar der Wiederholungstäter, sondern auch das bunte Völkchen, das sich alljährlich in Feld und Flur vor den Toren Bissingens versammelt. Ob der Spaß bereits vor dem Start oder erst nach schweißtreibenden 1,6 Kilometern im nahen Festzelt beginnt, liegt im Ermessen jedes Einzelnen. Fest steht: Das traditionelle Bergzeitfahren auf dem größtenteils schnurgeraden Asphaltband zwischen Dachsbühl und Breitenstein hat's in sich. Auf der Jagd nach Streckenrekorden oder persönlichen Bestzeiten bleibt keine Zeit für Erholungspausen, die langsam aber stetig ansteigende Piste zieht bis zum Zielstrich auch durchtrainierten Radsportlern die letzte Kraft aus den Beinen.

Und dennoch: Bei aller Härte, die schon die Strecke in die Waagschale wirft, ist das Wort vom Jedermannrennen das einzige, was man beim Veranstalter TV Bissingen an diesem Tag ernst nimmt. Ob mit glatt rasierten Beinen auf edlem Renner oder in Jeans und mit Tourenrad, ob mit Partner auf dem Tandem oder dem kreischenden Nachwuchs im Schlepptau auf der "Meile" tickt die Uhr für jeden. Im Kampf wider den tierischen Ernst hat die Alpin- und Radsportabteilung des TV Bissingen in diesem Jahr eine neue Kategorie aus der Taufe gehoben: Neben Tandems, Einrädern und Gespannen erweitert die Suche nach dem "kuriosesten Vehikel" diesmal den Kreis der Exoten auf der Strecke. Der Fantasie sind dabei keine Grenzen gesetzt. "Wir lassen uns überraschen", sagt Organisationschefin Judith Oelkrug, die das Leiden auf der Meile aus eigener Erfahrung kennt. Fünf Mal schon hat die Frontfrau des TVB die Piste selbst unter die Räder genommen und dabei sogar am Streckenrekord gekratzt.

Die Jagd nach neuen Bestzeiten steht natürlich auch im zehnten Jahr der Veranstaltung im Blickpunkt. Die besten Chancen, den morgigen Tag zu überleben, hat zweifellos die Rekordmarke der Frauenkonkurrenz, die im vergangenen Jahr einen Quantensprung erlebte. Hinter der Zeit, die es zu schlagen gilt, steht der Name Susanne Niemeyer aus Owen. Die 41-jährige ehemalige Triathletin verbesserte den jahrelang unangefochtenen Rekord der Kirchheimerin Heike Schall gleich um 23 Sekunden. 3.24,48 Minuten lautet dort das Maß aller Dinge. Eine Wachablösung gab es 2006 auch bei den Männern, wenngleich dort die Zeiten deutlich enger beieinanderliegen. Der langjährige Kirchheimer Rekordhalter Jürgen Bauer fand im Vorjahr in Simon Mößner seinen Meister. Im Duell der beiden Lizenz-Amateure hatte der Notzinger bei seinem neuen Streckenrekord (2.46,64) um vier Sekunden die Nase vorn.

Für Spannung also ist gesorgt für das entsprechende Rahmenprogramm ebenfalls. Noch während draußen "die üblichen Verdächtigen" um Sekunden kämpfen, greift drinnen im Festzelt die Band gleichen Namens kräftig in die Saiten (ab 14.30 Uhr). Zur Livemusik gibt's auch etwas fürs Auge: Die US-Radschmiede Cannondale parkt ihren Demo-Truck direkt an der Strecke und lädt zu Probefahrten mit den neuesten Modellen ein. Die Firma Radsport Fischer&Wagner aus Kirchheim bietet zudem kostenlosen technischen Service am Streckenrand und sorgt gemeinsam mit dem Veranstalter dafür, dass die Teilnehmer den Tag trotz aller Pein in guter Erinnerung behalten: Zur zehnten Auflage der Bissinger Meile erhält jeder Starter eine Trinkflasche.

DATEN ZUR BISSINGER MEILEStreckenlänge 1,6 Kilometer, Höhendifferenz 100 Meter. Startmöglichkeiten ohne Voranmeldung an Fronleichnam zwischen 10 und 15 Uhr. Start für "kuriose Vehikel" ab 15 Uhr mit anschließender Prämierung. Die Siegerehrung findet um 17 Uhr im Festzelt statt. Gewertet wird in Altersklassen (keine Altersbeschränkung). Die jeweiligen Tagessieger erhalten Pokale. Live-Band und Bewirtung im Festzelt durch den TV Bissingen. Teilnehmerrekord aus dem Jahr 2004: 206 Starter.