Lokalsport

Gegen die "Spatzen" sollen Flügel wachsen

Erbarmen, die "Spatzen" kommen: Direkt nach dem fußballerischen Tiefpunkt des VfL die 1:4-Pleite in Mannheim rückt am Freitagabend der seit rund zwei Monaten ungeschlagene Ex-Bundesligist SSV Ulm 1846 an (Anpfiff um 19.30 Uhr).

REIMUND ELBE

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KIRCHHEIM Den Kirchheimern müssten schon Flügel wachsen, um gegen die Ulmer bestehen beziehungsweise punkten zu können das ist die skeptische Lageeinschätzung, wenn man den misslungenen Auftritt im Mannheimer Rhein-Neckar-Stadion am vergangenen Samstag zum Maßstab nimmt. Es war eine VfL-Niederlage, die besonders weh tat. Gerade wähnten sich Gühring und Co. nach dem 2:1-Zittersieg über den SV Linx auf dem Weg ins Mittelfeld, da folgte der derbe Rückschlag.

Folglich gab es viel aufzuarbeiten in den Tagen nach der Partie. Das überraschende Fehlen von Ferdi Er und Kapitän Mario Grimm in Mannheim hatte das Trainerduo Michael Rentschler/Christian Hofberger zwar sichtlich verärgert, aber die Töne waren schon kurz nach dem Spiel wieder moderater. "Ich bin enttäuscht von beiden, aber ich weiß, dass sie auch sehr unglücklich über die Situation waren", sagte Michael Rentschler. Weil der Verein beiden verziehen hat (wir berichteten), ist davon auszugehen, dass sowohl Grimm als auch Er morgen Abend gegen die Ulmer in der Anfangsformation stehen werden.

Aus fußballerischer Sicht ist deren Einsatz auch bitter nötig. Mittelfeldspieler Torsten Raspe, der sich in Mannheim als Einziger eine gute Note im Team verdiente, braucht dringend weitere erfahrene Mitstreiter neben sich. Rentschler und Hofberger steht fast der gesamte Spielerkader zur Verfügung. Da Grimm vermutlich auf seine angestammte Position in der Innenverteidigung rücken wird, spricht nichts mehr gegen eine Rückkehr des stellvertretenden Spielführers Ferdi Er ins Mittelfeld. Vermutlich lassen die VfL-Trainer gegen den Titelanwärter vor den erwarteten 800 Zuschauern nur mit einer Spitze antreten (Meha), und womöglich wird Sven Lukac stärker in die Defensivarbeit eingebunden. Zweck der Übung: das Vermeiden von Gegentoren. Es ist nämlich nicht zu erwarten, dass die Kirchheimer in der aktuellen Form gegen den Club mit der besten Oberliga-Abwehr (nur sechs Gegentreffer) in der Offensive einen Freifahrtschein bekommen.

Freilich ist auch beim Tabellenfünften SSV Ulm nicht alles Gold, was glänzt. Dem enttäuschenden 1:1 in Nöttingen folgte ein noch frustrierenderes Heim-0:0 gegen Normannia Gmünd. Folge: Die Spatzen rutschten auf einen Nichtaufstiegsplatz. Die beiden Remisen waren die ersten richtigen Tiefschläge für den neuen Trainer Paul Sauter, der im September den in Ulm schon lange umstrittenen Marcus Sorg abgelöst hatte. Sauter er erlebte schon in den Neunzigerjahren gute Zeiten mit dem SSV setzt vor allen Dingen auf viel Laufarbeit auf dem Platz. Kurzpassspiel steht nicht auf der Agenda, vielmehr operieren die Ulmer nun häufig mit langen Bällen, hinter denen die Spieler blitzschnell nachrücken müssen: ein unheimlich Kräfte zehrender Job.

Der Druck bei den Spatzen ist groß, denn nach einem mehrfach leichtfertig verschenktem Aufstieg ist diesmal der Sprung in die Regionalliga Pflicht. Aus den Profizeiten sind nur noch Torwart Holger Betz und Stürmer Miguel Coulibaly übrig geblieben. Letztgenannter hatte im Mai 1999 mit seinen zwei Toren beim Auswärtsspiel des SSV bei Tennis Borussia Berlin am vorletzten Spieltag den Aufstieg der Ulmer in die Bundesliga so gut wie perfekt gemacht. Seitdem genießt er Kultstatus bei den Fans. Nach Gastspielen (unter anderem beim VfR Aalen) ist Coulibaly wieder an die Donau zurückgekehrt.

Den Namen sollte sich die Kirchheimer Abwehr merken. Coulibaly hat das Tore schießen nämlich auch acht Jahre nach seinem schönsten Augenblick als Fußballer, damals in Berlin, nicht verlernt.

VfL Kirchheim: Gühring Mayer, Grimm, Koch, Kutscher (Eisenhardt) Polat, Raspe, Er, Isci Meha, Lukac.