Lokalsport

Gegner: Die Höhe und ein Horror-Anstieg

Der Optimismus hält sich bei den drei Profis aus der Teckregion vor den Einzelrennen der Mountainbike-WM am Sonntag in Livigno in Grenzen. Lado Fumic hält sich bedeckt. Sein Bruder Manuel hat sich einen Top-Ten-Platz vorgenommen.

EDGAR VELOCI

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LIVIGNO Am vergangenen Montag hat sich Lado Fumic das Objekt aus der Nähe angeschaut. Er ist nach Livigno gereist und dort die 12,1 Kilometer lange WM-Strecke abgefahren. Sein Urteil fiel wenig schmeichelhaft aus: Zu lang, zu steil und darüber hinaus äußerst regenanfällig. "Ich bin fit, aber die Strecke ist demotivierend." Damit liegt der Kirchheimer auf einer Linie mit vielen anderen Cross-Country-Piloten. Abgesehen davon, dass sie für Zuschauer ziemlich unattraktiv ist, wird sich auf dem Kurs in Livigno wohl auch kein allzu spannendes Rennen entwickeln.

"Wenn es regnet, gewinnt Frischknecht", meint Lado Fumic kurz und knapp. Oder Olympiasieger Julien Absalon. Beide sind exzellente Fahrer auf tiefem Boden. Zu seinen eigenen Chancen bietet der Kirchheimer nur Allgemeinplätze an: "Ich bin nicht pessimistisch, aber auch nicht allzu optimistisch", orakelt er. Dass ein Top-Ergebnis im Blick auf die Sponsoren-Suche für 2006 sehr hilfreich wäre, gesteht er zwar ein, verweist aber im gleichen Atemzug auf das Weltcup-Finale in Fort William eine Woche später. Und wo ist der Lado Fumic, den man als Meisterschaftstypen kennt? "Abwarten und schauen ob er kommt", wehrt er ab.

Die Höhenlage von Livigno, das auf 1 800 Meter liegt, und das Wetter machen das WM-Rennen zu einem Lotteriespiel. Wegen der Höhenproblematik haben sich die Fumic-Brüder entschlossen, erst am Tag vor den Rennen anzureisen. Diese Strategie beruht auf den Erfahrungswerten vom letztjährigen Weltcup-Finale, als sie als Sechster (Lado) und Achter (Manuel) das Rennen beendeten. "Das kann hilfreich sein, weil man der Ermüdung durch die Höhenanpassung entgeht. Gerade weil es sich in Livigno um keine extreme Höhenlage handelt", erklärt Dr. Olaf Schumacher, Arzt der Nationalmannschaft. Wissenschaftliche Erkenntnisse darüber gibt es freilich nicht. Nur die, dass der Körper in der Regel zehn Tage benötigt, um sich anzupassen.

Die meisten Profis wählen diesen Weg. Julien Absalon etwa hält sich drei Wochen in der Höhe auf und fährt den Kurs so oft, bis er ihn verinnerlicht hat. Eine Strategie, die Manuel Fumic für sich ausschließt. "Absalon ist wohl am besten vorbereitet", meint er, " aber ich bin nicht der Typ dafür. Ich brauche die heimische Umgebung, sonst gehe ich mental kaputt." Der 23-Jährige wird den WM-Kurs erst am Samstag besichtigen. Technisch ist die Strecke nicht besonders schwierig, zudem ist der größte Teil vom Rennen im Vorjahr bekannt. Was die Form angeht, so sei sie besser als jemals zuvor in seiner Karriere, ist sich Manuel Fumic sicher. Die Regio-Tour, so seine Überzeugung, zeige allmählich Wirkung. Seine persönliche Taktik für das Rennen hat er sich bereits zurecht gelegt: Am Anfang nicht überdrehen, weil die Höhenluft das nicht verzeiht. "Top-Ten, damit wäre ich sehr froh", meint er und fügt hinzu: "Gerade jetzt, wo mir das vielleicht kaum jemand zutraut." Er will zudem sein eigenes Rennen fahren, ohne auf den sechs Jahre älteren Bruder zu schauen.

Eine ganz andere Frage ist die, welches Bike zur Strecke passt. Wegen der langen Flachpassagen mit vielen Unebenheiten hat sich Manuel Fumic bereits für ein Fully entschieden und auch verstärkt damit trainiert. Auf holprigem Gelände hatte er in der Vergangenheit wiederholt Probleme, genügend Druck auf die Pedale zu bringen. Außerdem belasten die Schläge den Rücken enorm. "Ich würde gerne einmal ein Rennen fahren, in dem alles passt", hofft er, endlich einmal ohne Sturz oder Defekt ins Ziel zu kommen.

In den Kampf um die Medaillen wird das Kirchheimer Brüderpaar wohl nicht eingreifen können. Der Italiener Marco Bui hat mit der Rundenbestzeit im Staffelrennen bereits ein Ausrufezeichen gesetzt, der Spanier Jose Hermida lebt in Llivia in den Pyrenäen auf genau der gleichen Höhe wie Livigno. Über Julien Absalon ist das nötige bereits gesagt und der Schweizer Weltcup-Gesamtsieger Christoph Sauser dürfte ebenfalls ganz vorne zu finden sein. Hinzu kommt der Belgier Roel Paulissen, der die langen Anstiege liebt.

Der Bissinger Stefan Sahm musste bereits beim Staffelrennen am Donnerstag am Steilhang Federn lassen und kennt die Tücken des Kurses: "Da schleichst du nur noch hoch", beschreibt er den Extrem-Anstieg, der in Serpentinen über eine Skipiste hinauf führt. Sahm, der in der Staffel völlig ausgepumpt als Neunter ins Ziel kam, muss vor dem Einzelrennen am Sonntag die Schlappe erst einmal verdauen. Nur wie? "Ruhe, viel Ruhe", meint er dazu trocken. Zu seinen persönlichen Erwartungen bei seiner sechsten Weltmeisterschaft will er sich nicht äußern. Platz 17 war 2003 in Lugano sein bestes WM-Resultat. Seine gute Form in dieser Saison ließ bislang auf ähnliches hoffen.