Lokalsport

Geiz ist nicht immer geil

SG Lenningen verschenkt höheren Sieg gegen Ebersbach/Bünzwangen

Wenn man wie die SG Lenningen am Sonntagabend einen 29:23-Sieg über die HSG Ebersbach/Bünzwangen einfährt, sollte eigentlich Hochstimmung herrschen. Doch hinterher waren die Meinungen im SG-Lager geteilt.

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Lenningen. Vorausgegangen waren 48 Minuten, in denen die Gastgeber konzentrierten und abschlusssicheren Handball geboten hatten. Beim Stand von 26:14 zeichnete sich sogar ein Kantersieg ab. Doch dann kam eine Spur Überheblichkeit ins Spiel, man wollte den Gegner vorführen. Einige gewagte Anspiele misslangen, unvorbereitete Würfe gingen ins Leere und daraus wusste die HSG Kapital zu schlagen. Sie bestrafte Lenningens Lässigkeiten mit neun Toren. Der SG gelangen nur noch drei. Da wurden Stimmen laut: Hoffentlich entscheidet am Ende nicht die Tordifferenz beim direkten Vergleich. Auch Trainer Holger Kiedaisch war sauer: „Wir haben den guten Eindruck in den letzten Minuten verschenkt.“

Die Gastgeber hatten eine zähe Startphase. Doch nach der einzigen HSG-Führung – Tobias Effenberger traf zum 7:6 – kamen Wiesinger und Co. in Schwung. Einem, dem der Siegeswille deutlich ins Gesicht geschrieben stand, trumpfte groß auf: Timo Haid. Auf Rechtsaußen ins Spiel gebracht, ließ er bei seinen Gegenstößen Andreas Krapf im HSG-Tor keine Chance. „Einen Riesenjob machte auch Oliver Ringelspacher“, urteilte Sven Lamparter, der noch in der vergangenen Saison bei der SG zwischen den Pfosten stand. Dort gab es an seinem Nachfolger Matthias Carrle wieder einmal kein Vorbeikommen. Mit 23 Paraden verlieh er der Defensive die nötige Stabilität. Die spielte in ihrer offensiven Ausrichtung nahezu fehlerfrei und ließ nur acht HSG-Treffer bis zum Seitenwechsel zu.

Aber nicht nur Haid, auch Christoph Wiesinger zeigte Entschlossenheit im Angriffsspiel. Sechs seiner zehn Tore warf er in der ersten Hälfte. Das genügte, um die überforderte HSG mit 15:8 auf Distanz zu halten. Gleich nach dem Wechsel überraschte Haid mit einer weiteren Wurfvariante: Sein Heber senkte sich zum 16:8 ins Netz. Auf der Gegenseite hielten die Filstäler weiter an ihrer Tordiät fest. Nur sporadisch meldeten sich Daniel Müller und Martin Haug mit einem Torerfolg. Am Lenninger Temporad drehten jetzt auch Christoph und Marc Wald mächtig mit. Die „Familienproduktion“ führte zum 25:13 nach 45 Minuten. Bis dahin störte es wenig, wenn die SG beim schnellen Vorpreschen sich verzettelte und die HSG in Ballbesitz brachte. Denn hinten stand ja „Matze“ Carrle. Der bügelte die Patzer aus.

Dass dies mit zunehmender Spieldauer nicht gut gehen würde, war allerdings abzusehen. Denn ab der 48. Minute summierten sich die SG-Fehler. Da kam einiges zusammen: Überheblichkeit, gewagte Aufstellungen und Bruder Leichtfuß. Mit diesem Mix brachten sich die Lenninger in Schieflage und verzockten einen möglichen Kantersieg. Ein SG-Fan meinte später: „Vielleicht wollte keiner das dreißigste Tor werfen, denn dann hätte er eine Kiste Bier spendieren müssen.“ döl

SG Lenningen: Carrle; Wiesinger (10/4), Haid (7), Braunwarth (2), Lamparter (2), Ringelspacher (2), M. Wald (2), C. Wald (2), Kirschmann (1), Schur (1), Austen, Bächle, Köhler

HSG Ebersb./Bünz.: Krapf, Engler; Müller (5/2), Effenberger (4), Janietz (4), Haug (3), Mohr (2), Danner (1), Köhler (1), Köse (1), F. Kurz (1), H. Kurz (1), Findeis, Zobel