Lokalsport

Gelungener Olympia-Test für Tobias Unger



MARC KOCHAN

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Im Rahmen der ersten Team Challenge lieferten sich Top-Athleten aus Deutschland, Frankreich und den USA einen spannenden Wettkampf um den Gesamtsieg nach zehn Disziplinen. Anders als bei der verregneten EM vor zwei Jahren war das Wetter in Bayerns Landeshauptstadt gestern ideal. Zusätzlich motiviert durch die in Bestbesetzung angetretene US-Staffel und mit rund 18 500 Zuschauern im Rücken lief die Truppe von Bundestrainer Uwe Hackus erneut eine super Zeit. Marius Bröning, Tobias Unger, Sebastian Ernst und Till Helmke waren mit 38,50 Sekunden nur wenig langsamer als bei ihrer Saisonbestmarke von 38,30 Sekunden und lagen damit auf Platz vier hinter den drei US-Staffeln.



"Wir haben nach dem härteren Training der letzten Wochen unsere gute Form bestätigt und wollen in Athen das Finale erreichen. Wenn wir dort unsere Saisonbestmarke unterbieten, ist einiges möglich", meinte Tobias Unger gleich nach dem Lauf. Ihm fehlte in seiner Geburtsstadt noch die letzte Spritzigkeit nach dem harten 200-m-Rennen von Zürich, wo er mit 20,65 Sekunden Sechster wurde. Teamchef Hackus warnt im Vorfeld der Spiele nun vor zu großer Euphorie und nimmt seinem Team erstmal den Druck von den Schultern. "Das Erreichen des Finales wäre sensationell. Vor zwei Jahren hätte uns das keiner zugetraut, aber wir haben hart gearbeitet und in diesem Jahr können die Jungs das packen."



In München lief Tobias Unger auf der etwas ungewohnten Gegengeraden, wo er doch speziell in den Kurven enormes Potenzial hat. Ebenso fehlte in der Besetzung der sonst gesetzte Wattenscheider Alexander Kosenkow und der schnellste deutsche Sprinter in diesem Jahr, Ronny Ostwald. Angesichts dieser Optionen in der Hinterhand darf der Bundestrainer durchaus ein wenig Optimismus walten lassen. "Ob ich in Athen wieder die Kurve laufen werde, oder ob ich auf der Geraden bleibe", konnte Unger gestern noch nicht sagen. Vor der endgültigen Aufstellung wird sich Uwe Hackus noch einige Zeit mit Rechenexempeln beschäftigen müssen.



Dennoch würde wohl kein Computer der Welt eine Formation finden, die den Amerikanern gefährlich werden könnte. Gegen die Sprint-Stars aus den USA, die nicht erst nach dem Lauf von München als klarer Gold-Anwärter nach Athen fahren, waren die Deutschen chancenlos. Die US-Boys siegten am Schluss deutlich mit neuer Weltjahresbestzeit von 37,92 Sekunden. Der amtierende Olympiasieger über 100 m, Maurice Greene, gab sich gewohnt lässig: "Wir wollten den Zuschauern eine gute Show bieten." Auch die Frauen-Staffel aus den USA gewann die 4x100 m in neuer Weltjahresbestzeit von 41,67 Sekunden. Für den Höhepunkt aus deutscher Sicht sorgte René Herms aus Pirna. Der 800-m-Läufer siegte mit furiosem Zielsprint klar mit neuer persönlicher Bestzeit von 1:44:14 Minuten und kommt somit auch für eine Finalteilnahme in Athen in Frage.



Einen weiteren deutschen Sieg gab es durch den Leverkusener Stabhochspringer Danny Ecker. Er überquerte die Latte bei 5,72 m. Ebenfalls diese Höhe übersprang Tim Lobinger. Da er jedoch bei den Deutschen Meisterschaften nur auf dem dritten Rang landete, nahm er außer Konkurrenz an dem Wettkampf teil. Das war für den Cheftrainer des Deutschen Leichtathletik Verbandes (DLV), Dr. Bernd Schubert, besonders bitter, da der für die Mannschaftswertung berücksichtigte Lars Börgeling an seiner Anfangshöhe scheiterte und somit keinen Punkt zum Mannschaftsergebnis beitragen konnte. Für eine volle Punkteausbeute sorgte außerdem Diskus-Legende Lars Riedel. Mit 65,77 m gewann er seinen Wettkampf zwar deutlich, muss sich aber für Athen noch ein wenig steigern, um bei den Olympischen Spielen erneut einen Podestplatz zu erreichen.



In der Gesamtabrechnung kam das deutsche Männerteam auf den zweiten Platz. Den Gesamtsieg der USA untermauerte unter anderem auch der Kugelstoßer Reece Hoffa. Er konnte als einziger Werfer die 21-m- Marke überbieten, und zwar gleich um 17 Zentimeter. Jeremy Wariner, Jahresschnellster über 400 m, gewann ebenfalls deutlich gegen einen nicht überzeugenden Ingo Schultz und auch Weitsprung-Weltmeister Dwight Phillips brachte die maximale Punktzahl für seine Mannschaft nach Hause. Für die Frauenmannschaft des DLV blieb am Ende nur der dritte Platz. Trotz der beiden Siege durch Nadine Kleinert im Kugelstoßen, Caroline Hingst im Weitsprung, Betty Heidler im Hammerwurf und einem ausgezeichneten zweiten Platz von Kirsten Bolm über 100 m Hürden waren die Amerikanerinnen überlegen.

München als Prüfstein für Athen: Die DLV-Sprintstaffel um den Wendlinger Tobias Unger traf in der Bayern-Metropole auf die US-Stars.