Lokalsport

Gemeinsames Anschwitzen für den großen Solo-Ritt

Mountainbike Mit dem Staffelrennen beginnt für Manuel Fumic heute in Lenzerheide die WM, bei der der Kirchheimer im Einzelrennen am Samstag überzeugen will. Von Erhard Goller

Bloß nicht abheben: Manuel Fumic peilt bei der WM eine Top-Acht-Platzierung an. Foto: Max Fuchs
Bloß nicht abheben: Manuel Fumic peilt bei der WM eine Top-Acht-Platzierung an. Foto: Max Fuchs

Am heutigen Mittwoch beginnen in Lenzerheide mit dem Staffelrennen die 29. Mountainbike-Weltmeisterschaften. Manuel Fumic hofft mit dem deutschen Team auf einen guten Start in die Titelkämpfe in der Schweiz, die mit dem Einzelrennen am Samstag ihren Höhepunkt erleben. Für Luca Schwarzbauer vom MTB Teck beginnt die WM am Freitag.

Fumic ist vom italienischen Livigno aus nach Lenzerheide gereist, wo der Kircheimer seine 18. WM bestreitet. In der italienischen Höhenlage, die knapp zwei Autostunden von Lenzerheide entfernt liegt, sollte der letzte Formschliff vorgenommen werden. Dort tummelten sich vergangene Woche jede Menge Mountainbiker, die kurzerhand Nationen übergreifende Trainingseinheiten abhielten „Das war eine ganz lustige Gruppe“, sagt Fumic.

Heute ab 17.30 Uhr fährt man dann wieder gegeneinander. Der Kirchheimer bestreitet das Staffel-Rennen - ein Wettbewerb, bei dem die deutsche Mannschaft seit 2010, als man mit Silber erstmals eine WM-Medaille gewann, stets mit Top-Fünf-Platzierungen aufwarten konnte. Einzige Ausnahme: 2017 in Cairns, wo Manuel Fumic als Schlussfahrer die Mannschaft aus aussichtsloser Position noch an die siebte Stelle brachte.

Der 36-jährige Kirchheimer nimmt den Team-Wettbewerb immer gerne mit. Einerseits, um den Mannschaftsgeist im deutschen Lager zu stärken und anderseits, um die Strecke vor dem Einzelrennen am kommenden Samstag im Wettkampf-Modus zu „erfahren“. Neben ihm sind die U23-Meister Ronja Eibl (Grosselfingen), Max Brandl (Freiburg), Junior Leon Kaiser (Monheim) und die deutsche Meisterin Elisabeth Brandau (Schönaich) als Staffel-Besetzung vorgesehen.

Der 4,2 Kilometer lange Kurs mit seinen vielen Wurzelpassagen und einigen Sprüngen ist ein Terrain, mit dem Fumic viel anfangen kann - sofern man die richtige Reifenwahl trifft. Die Wetterprognosen verheißen für den späten Nachmittag, wenn die Rennen stattfinden, eine hohe Regenwahrscheinlichkeit.

Wie schlag- und leistungsfähig Fumic nach seiner langwierigen Rückenverletzung tatsächlich ist, bleibt offen. Beim letzten Weltcuprennen im französischen La Bresse vor einer Woche hatte er Platz 16 belegt. „Da hatte ich noch nicht ganz das Vertrauen, dass der Rücken hält. Vor allem in den Laufpassagen. Ich bin jetzt halt sehr sensibel, was das angeht. Da klingeln gleich die Alarm-Glocken. Aber ich denke, ich bekomme das bei der WM schon hin“, sagt Fumic, der auf jeden Fall seine „Saisonbestleistung“ herausholen will. „Top Acht oder vielleicht sogar Top Fünf könnten drin sein“, glaubt er. „Der Druck aufs Pedal ist da, alles zeigt in die richtige Richtung.“

Schwarzbauer fit für Freitag

Das kann auch Luca Schwarzbauer vom MTB Teck von sich behaupten. Der deutsche Vize-Meister der U23 hat aus dem Weltcup-Finale in La Bresse seine Schlüsse gezogen. Ohne Handicaps wie zuletzt Reifenpannen, ohne Schuh-Defekte oder Atemprobleme traut sich der Reudener ein gutes WM-Resultat zu. „Ich werde versuchen, souverän an die Sache ranzugehen“, sagt Schwarzbauer, dessen Rennen am Freitag um 16.30 Uhr gestartet wird.

Der Reuderner verzeichnet seit dem Frühjahr einen langsamen Aufwärtstrend, und nachdem es in Frankreich auch erstmals im Weltcup gut funktioniert hatte, ist er mit einem gewissen Optimismus nach Lenzerheide gefahren. „Im Großen und Ganzen bin ich zuversichtlich, aber ich will nicht zu hohe Erwartungen an mich stellen“, sagt Schwarzbauer.

Was die knapp 1 500 Meter Höhe angeht, auf der Lenzerheide liegt, macht er sich keine Sorgen. „Ich bin dort mein bestes U23-Weltcup- ergebnis gefahren, und damals habe ich auch keine Höhenvorbereitung gemacht. Das Einzige, was man berücksichtigen muss ist, dass man am Anfang nicht überzieht“, so Schwarzbauer.

Der große Titelfavorit erlebt ein Heimspiel

Nino Schurter gilt für das Einzelrennen am Freitag als großer Goldfavorit - kein Wunder: Der 32-jährige Schweizer ist nicht nur Titelverteidiger und seit 2015 bei WM-Rennen ungeschlagen, sondern auch amtierender Olympiasieger sowie sechsmaliger Weltcup-Gesamtsieger. In der abgelaufenen Saison verpasste er nur einmal das Siegerpodest, als er in Mont Sainte Anne Siebter wurde.

Die WM ist für den verheirateten Familienvater ein Heimspiel, Schurter lebt nur knapp 20 Minuten von Lenzerheide entfernt. Bei den bisherigen drei Weltcuprennen im Kanton Graubünden wurde er zwei Mal Erster und ein Mal Zweiter.

In der Staffel am heutigen Mittwoch ist Schurter mit seinen schweizer Teamkollegen ebenfalls Titelverteidiger. Mit Filippo Colombo, Joel Roth, Sina Frei und Jolanda Neff holte er 2017 Gold vor Dänemark und Frankreich.tb

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