Lokalsport

Gereizte Bremer stapeln tief

Gegen die Roosters gibt es morgen ein Wiedersehen mit Pat Elzie

Tabellarisch liegen sie auf Augenhöhe, ansonsten trennen 670 Straßenkilometer und unterschiedliche Ansprüche die beiden Basketball-Clubs aus Kirchheim und Bremen. Der wesentliche Unterschied vor der morgigen Begegnung: Während man bei den Roosters noch auf den großen Durchbruch hofft, kommt bei den Knights derzeit „unverhofft oft.“

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Bernd köble

Kirchheim. Frenkie Ignjatovic hat ein gespaltenes Verhältnis zu vorweihnachtlichen Freudenfeiern. Das liegt weniger an der Besonderheit, dass er und seine Familie als orthodoxe Christen das Weihnachtsfest eigentlich erst im Januar feiern, sondern vielmehr an unangenehmen Erinnerungen. Während seiner Zeit in Langen, so erzählt er, war vor Jahren eine große Weihnachtsfeier mit Zelt und illustren Gästen vorbereitet. Doch vor Glühwein und Lebkuchenherz hatte der Spielplan das letzte Vorrunden-Heimspiel gegen die Frankfurter Eintracht gesetzt. Das Dumme dabei: Die Langener kamen böse unter die Räder und bei der Weihnachtsfeier herrschte anschließend Grabesstimmung.

Ähnliches wollen Ignjatovic und sein Team am Samstag mit aller Macht verhindern. Wenn die Knights nach der Schlusssirene Besucher und Fans zur Weihnachtsfeier in der Halle einladen, dürften hängende Köpfe nur vereinzelt auszumachen sein. Die Knights schreiben sportlich schwarze Zahlen, haben ihr Soll als Neuling bisher übererfüllt. Daran würde selbst eine Niederlage gegen die punktgleichen Bremer kaum etwas ändern. An der Weser, wo Kirchheims Ex-Coach Pat Elzie seit Saisonbeginn die Geschäfte führt, hat man die Ziele inzwischen etwas korrigiert. Nach fünf Siegen in Folge zum Saisonstart, spricht Bremens Coach Nenad Josipovic von einer „Mini-Krise.“ Trotz eines fulminanten Starts mussten die Hansestädter vergangene Woche ge­gen ersatzgeschwächte Bayern ihre fünfte Saisonniederlage einstecken. „Am Anfang der Saison hatte uns wohl keiner so richtig auf der Rechnung“, meint Josipovic, der nach seinem Gastspiel in Karlsruhe an seine alte Wirkungsstätte zurückgekehrt ist, wo man ihn gleich für acht Jahre an den Club band. Im sonst so schnelllebigen Basketballgeschäft wirkt dies wie eine kleine Sensation. Der 45-jährige Kroate steht in engem Kontakt mit seinem Kirchheimer Kollegen. „Wir telefonieren fast täglich mitei­nander“, sagt er. Daher kennt er die Verhältnisse in der Teckstadt bestens und hat Respekt vor der Kulisse in der Kirchheimer Halle. Für ihn sind die Knights zu Hause klarer Favorit.

Das sieht auch Pat Elzie so, der immerhin einen Teil der Mannschaft als Trainer kennt. „Kirchheim hat die besseren Einzelspieler“, lautet sein Urteil. „Baumann, Scott und Crawford können ein Spiel ganz allein entscheiden.“ Der Bremer Manager freut sich morgen auf ein Wiedersehen mit alten Kirchheimer Bekannten und wird, anders als die Mannschaft, erst am Sonntag die Rückreise antreten. Mit dem US-Amerikaner, der mit seiner Familie inzwischen wieder in Hamburg lebt, ist in der Führungsetage der Roosters ein sachlicherer Ton eingekehrt. Elzie ist ein kühler Analytiker, der die Dinge realistisch sieht. Deshalb redet an der Weser heu­te niemand mehr vom Coup, der im Frühjahr für Schlagzeilen in der Branche sorgte, als der Tabellenzwölfte der Pro A eine Wildcard für die BBL beantragte. Die einen sahen darin einen cleveren PR-Gag, die anderen tippten schlicht auf Größenwahn. „Wir haben eine Stadt mit 600 000 Einwohnern und erstligataugliche Sportstätten“, sagt Pat Elzie. Da sei der Aufstieg ein legitimer Wunsch. Im Moment ist das aber ganz bestimmt kein Thema. Unser Ziel ist ein Platz unter den ersten Sechs.“

Auf Kirchheimer Seite gibt man sich bescheidener. Knights-Coach Frenkie Ignjatovic reicht die Favoritenrolle dankend weiter und erwartet morgen einen aggressiven Gegner: „Die werden sich so ein Ding wie in München nicht noch einmal leisten“, vermutet er. Schwere Zeiten sieht der Trainer auf Spielmacher Cliff Crawford zukommen, dem zuletzt gegen Chemnitz eine Schlüsselrolle zufiel. „Er wird mit Josh Mueller und Scott Freymond zwei überragende Leute gegen sich haben.“ Freymond bildet mit Flügel Chris Thompson und dem 22-jährigen Jeremy Weddle ein US-Trio, das die Bremer zu Saisonbeginn neu unter Vertrag nahmen.

„Fifty-Fifty“ bewertet Kirchheims Sportlicher Leiter Michael Schmauder die morgigen Siegchancen. Egal wie es läuft, er freut sich auf ein ausverkauftes Haus – und natürlich auf Pat Elzie. „Wir werden sicherlich gemeinsam mit einem Glas Wein anstoßen“, meint er. „Schließlich gab es bis jetzt noch keine offizielle Verabschiedung.“